Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Versorgung der Unternehmen mit wichtigen Rohstoffen für zentrale Zukunftsfelder wie Medizintechnik, erneuerbare Energien, Elektromobilität oder Kommunikationstechnik ist in vielen Fällen kritisch.
  • Insbesondere die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten wie China, die ihre Marktmacht für politische Ziele einsetzen können, ist ein Problem.
  • Besonders gefährlich ist die Abhängkeit im Verteidigungsbereich. Experten regen daher an, über eine Bevorratung besonders wichtiger Rohstoffe nachzudenken

Der Zugang zu Rohstoffen ist für Bayerns hochentwickelte Wirtschaft von immenser Bedeutung. Die Versorgung der Unternehmen ist allerdings äußerst risikobehaftet. Das ist das Ergebnis der aktuellen Auflage der Studie „Rohstoffsituation der bayerischen Wirtschaft“, die das Beratungsunternehmen IW Consult im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) erstellt hat.

In der Studie werden 31 der 54 untersuchten Rohstoffe als kritisch eingestuft. Darunter sind bekannte und häufig verwendete Metalle wie Aluminium oder Kupfer. Mit dabei sind aber auch deutlich seltenere Rohstoffe wie Antimon oder Germanium, die für bestimmte Anwendungen und Produkte derzeit unverzichtbar sind.

Viele dieser Rohstoffe sind von großer Bedeutung für Zukunftstechnologien in den Bereichen Medizintechnik, erneuerbare Energien, Elektromobilität oder Kommunikationstechnik. Aber auch die Versorgung der Verteidigungs-Industrie, die in Bayern eine große Rolle spielt, ist laut Studie großen Risiken ausgesetzt.

Marktmacht kann bei geopolitischen Konflikten genutzt werden

Insbesondere die Abhängigkeit von einzelnen Import-Ländern wird demnach zunehmend zum Problem. „Die Nutzung handelspolitischer Instrumente – wie Zölle oder Exportkontrollen – zur Durchsetzung nationaler oder geopolitischer Interessen betrifft in immer stärkerem Umfang den Handel mit Rohstoffen“, heißt es in der Studie.

China etwa ist bei vielen Rohstoffen der wichtigste Anbieter und hat daher enorme Marktmacht, die bei Handelsstreitigkeiten oder geopolitischen Konflikten genutzt werden kann. „Die dominante Position Chinas bei der Produktion vieler Rohstoffe ist das Ergebnis eines langfristig angelegten Aufbaus von Kapazitäten, der strategischen Einflussnahme in anderen Ländern und einer Preispolitik, die eine Produktion in anderen Erdteilen unprofitabel machte“, analysieren die Autoren.

In Zeiten ungehinderten Welthandels sei diese internationale Arbeitsteilung auch für die etablierten Industrieländer in Europa und Nordamerika attraktiv gewesen. „Heute zeigt sich die Kehrseite dieser Entwicklung in einer ausgeprägten Vulnerabilität der Wertschöpfungsketten, die die politische und ökonomische Souveränität Deutschlands und Europas gefährdet.“

Schwierig vor allem: Auch viele in der Verteidigungs-Industrie benötigten Rohstoffe kommen aus China. „Besonders kritisch ist die Abhängigkeit von China einzuschätzen, weil hier in zunehmendem Maße spezifische Exportkontrollen eingeführt werden, die sich mitunter konkret gegen die Verwendung der Rohstoffe in Technologien der Verteidigungs-Industrie wenden“, so die Einschätzung der Experten. Ihr Rat: „Das Thema einer Bevorratung besonders kritischer Rohstoffe für die Streitkräfte sollte unter dem Vorzeichen der Resilienz intensiver berücksichtigt werden.“

„Handelshemmnisse müssen dringend abgebaut werden“

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer vbw

Aber auch die Wirtschaft insgesamt muss sich auf diese neue Welt der Unsicherheit einstellen. „Die Sicherung der Versorgung mit Rohstoffen ist zunächst einmal Aufgabe jedes einzelnen Unternehmens“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw. Mit langfristigen Lieferverträgen, diversifizierten Bezugswegen und einer laufenden Erforschung und Entwicklung von Substitutions- und Recyclingstrategien kämen die Firmen dieser Verantwortung auch nach. Häufig kämen sie allerdings auch an ihre Grenzen.

Forschung braucht Unterstützung

Wichtigste Aufgaben sowohl der EU als auch der Bundesregierung seien daher das Offenhalten der Rohstoffmärkte sowie die Pflege guter Beziehungen zu rohstoffreichen Ländern, so Brossardt. „Handelshemmnisse müssen dringend abgebaut und die Forschung an einem effizienteren Rohstoffeinsatz und Substitutionsmöglichkeiten gefördert werden.“

Michael Stark
aktiv-Redakteur

Michael Stark schreibt aus der Münchner aktiv-Redaktion vor allem über Betriebe und Themen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Darüber hinaus beschäftigt sich der Volkswirt immer wieder mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Das journalistische Handwerk lernte der gebürtige Hesse als Volontär bei der Mediengruppe Münchner Merkur/tz. An Wochenenden trifft man den Wahl-Landshuter regelmäßig im Eisstadion.

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