Das Wichtigste auf einen Blick:
- A6 Jung aus Homburg ist die größte markenunabhängige Nutzfahrzeugwerkstatt im Umkreis von 100 Kilometern. Die Firma betreut jährlich rund 6.000 Fahrzeuge.
- Seit 13 Jahren baut das Unternehmen spezielle Sattelanhänger, sogenannte Racetrailer, für den Motorsport. In dieser Nische ist A6 Jung einer der weltweit führenden Anbieter.
- Die Firma expandiert weiter in neue Bereiche, darunter mobile Kommandozentralen für Blaulichtorganisationen und medizinische Spezialaufbauten.
Sebastian Saar muss die Kunst des Jonglierens beherrschen. Der Service-Chef des Homburger Nutzfahrzeugspezialisten A6 Jung sorgt mit seinem Team aus Meistern, Technikern und Monteuren dafür, dass jedes Jahr rund 6.000 Fahrzeuge reibungslos und pünktlich gewartet oder repariert werden. Darunter sind Brummis, Busse, Transporter und Wohnmobile sowie Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr.
„Jeder Tag bringt besondere Herausforderungen“, sagt der 43 Jahre alte Kfz-Mechatronikermeister beim aktiv-Besuch in Homburg. Offensichtlich meistert Saars Team die Hürden gut: „Wir sind inzwischen die größte markenunabhängige Reparaturwerkstatt für Nutzfahrzeuge mit Rundumservice im Umkreis von 100 Kilometern“, erklärt Firmenchef Axel Jung.
Weltweite Nachfrage: Racetrailer aus dem Saarland für Top-Motorsportteams
Auf der jährlichen Reparaturliste von Sebastian Saar stehen auch 1.500 Transporter der US-Armee. „Für die Amerikaner ist unsere Firma der größte Reparaturpartner für Radfahrzeuge in Europa“, erläutert Jung. Die Vereinigten Staaten zählen seit rund drei Jahren zu seinem festen Geschäftsbereich. Seitdem liefert er sogenannte Racetrailer, die das Unternehmen im Saarland produziert, über den Großen Teich.
„Dabei handelt es sich um einen speziellen Sattelanhänger, der zum einen für den Transport von Rennwagen, Ersatzteilen und Ausrüstung konzipiert ist, die auf den Rennstrecken benötigt werden“, erklärt Jung. „Zum anderen sind sie die Zentrale für das Team – mit Lounge, Ingenieurbüro, Fahrerbereich oder wohnmobilähnlicher Ausstattung.“
A6 Jung: Vom Schmiedebetrieb zum Hightech-Hersteller
- 1925 vom Huf- und Wagenschmied Robert Jung gegründet, baute A6 Jung zunächst Anhänger für die Land- und Forstwirtschaft. Sohn Richard erweiterte das Angebot um Spezialkonstruktionen für Schwertransporte sowie Getränke- und Entsorgungsfahrzeuge.
- Mit rund 120 Beschäftigten aus elf Gewerken erwirtschaftet A6 Jung etwa 22 Millionen Euro Umsatz im Jahr.
- Heute leiten Axel Jung (62) und Dennis Urgatz (34) das Familienunternehmen in dritter und vierter Generation.
„Für die US-Amerikaner ist unsere Firma der größte Reparaturpartner für Radfahrzeuge in Europa“
Axel Jung, Geschäftsführer A6 Jung
A6 Jung baut maßgeschneiderte Trailer für alle wichtigen Rennserien
Im Sommer vergangenen Jahres lieferte das Unternehmen beispielsweise einen Mega-Trailer für Wayne Taylor Racing aus, ein global agierendes US-Motorsportunternehmen. Auftragswert: knapp 1,4 Millionen Euro. Seinen ersten Einsatz hatte der mit Technik voll ausgestattete, 17 Meter lange und 5,5 Meter hohe Sattelaufhänger auf der prestigeträchtigen Rennstrecke in Indianapolis.
Das Unternehmen ist inzwischen Partner von Teams in allen wichtigen Rennserien. Auch bei Motorradrennen und im Profiradsport ist es im Geschäft. Im Kommen ist zudem der Rallye-Sport. „Wir können alles aus einer Hand anbieten, vom Stahlbau über die Schreinerei und Elektronik bis hin zur High-End-Lackierung“, sagt Jung.
Damit hebt sich das Unternehmen aus Homburg von anderen Herstellern ab. Jeder Racetrailer ist ein individuelles Einzelstück und wird vom Fahrgestell bis zum Innenausbau nach den Wünschen der Kunden gebaut. „Wir haben 120 Mitarbeiter, die insgesamt elf verschiedene Tätigkeitsfelder abdecken.“ Im Jahr macht das Unternehmen etwa 22 Millionen Euro Umsatz.
Service und Präsenz in den USA trotz Zollpolitik von Donald Trump
Sein eigenes US-Basislager hat A6 Jung in Charlotte (North Carolina). Es ist mit acht Technikern besetzt. „Wir sind immer mit einem Team auf der Rennstrecke, falls es technische Probleme geben sollte“, erklärt Jung.
Seine Firma hält trotz der Zollpolitik von Präsident Donald Trump am US-Geschäft fest. „Die Nachfrage nach unseren Trailern ist weiterhin hoch“, sagt der Geschäftsführer. „Nachdem die Zollbestimmungen klar waren, haben wir uns mit unseren nordamerikanischen Partnern zusammengesetzt und beschlossen, dass wir uns die zollbedingten Mehrkosten teilen.“
Knapp 200 Trailer hat das Unternehmen inzwischen abgeliefert und gehört in dem Geschäft weltweit zu den führenden Anbietern. Sein Vorteil gegenüber den Wettbewerbern ist, „dass wir die Trailer nach ihrer Auslieferung an die Teams weiterhin technisch betreuen“.
Dazu gehören neben dem Bereitschaftsservice während der Rennen auch regelmäßige Reparaturen. Service-Chef Sebastian Saar hat vor dem Beginn der Rennsportsaison in Europa „einige Trailer für eine Fitnesskur in der Werkstatt stehen“, erzählt er beim Rundgang über das Firmengelände.
Der erste Racetrailer und der Einstieg in den internationalen Motorsport
Ins Racetrailer-Geschäft stieg das Unternehmen vor etwa 13 Jahren ein. „Von Autorennen hatte ich vorher keine Ahnung“, erzählt Jung. Aber er kannte den Homburger Timo Bernhard, einen der erfolgreichsten deutschen Rennfahrer. Für ihn baute A6 Jung 2013 den ersten Racetrailer. Am Hockenheimring hatte er Premiere. „Dort merkten wir, dass in diesem Geschäft technisch viel Luft nach oben war“, sagt Jung.
„Wir waren in diesem Metier zunächst ein Niemand. Aber wir sind durch das Fahrerlager gezogen und konnten im ersten Jahr fünf Kunden für unsere Ideen gewinnen. Offenbar haben wir die Rennstallbesitzer überzeugt.“
Neue Geschäftsfelder: Mobile Einsatzleitstellen und medizinische Spezialfahrzeuge
Axel Jung will das Unternehmen künftig noch breiter aufstellen. Erste Aufträge erreichen A6 Jung derzeit aus der Blaulichtfamilie – sprich Polizei, Feuerwehr, Rettung und Technisches Hilfswerk (THW). „Gefragt sind mobile Kommandozentralen für den Katastrophenschutz“, sagt er.
Ein weiteres Standbein sieht er im Gesundheitsbereich. So orderte das Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg einen Lkw-Aufbau, in den ein fahrbarer Computertomograf eingebaut wird. Er soll in Pflegeheimen eingesetzt werden. „Somit ersparen sich die Bewohner lange Anfahrten zu Krankenhäusern oder Radiologie-Praxen.“
Nutzfahrzeuge: Das Rückgrat von Logistik und Infrastruktur
In Deutschland wurde nicht nur das Auto, sondern auch der Lkw und der Omnibus erfunden. Nutzfahrzeuge sind zentral für Logistik, Bau, Landwirtschaft und öffentlichen Verkehr und sichern Transport, Wirtschaft und Infrastruktur. Die deutsche Automobilbranche investiert massiv in Forschung und Entwicklung: Zwischen 2024 und 2028 planen die Unternehmen dafür laut dem Verband der Automobilindustrie mit über 280 Milliarden Euro.








