Frankfurt. Um bei dem Megathema Digitalisierung nicht den Anschluss zu verlieren, steht nach Aussage von Wolf Matthias Mang auch die Politik in der Pflicht. Mit dem Vorstandsvorsitzenden des Arbeitgeberverbands Hessenmetall sprach aktiv über die Ideen der Branche, wie die Landesregierung die Anstrengungen der Industrie noch unterstützen kann.

Was wünschen sich die heimischen Metall- und Elektro-Unternehmen vom Land Hessen?

Die Landesregierung hat bereits gute Maßnahmen aufgesetzt, mit denen das digitale Hessen vorangetrieben wird und die Unternehmen unterstützt werden. Wir brauchen aber mehr Tempo und eine bessere Struktur bei geplanten Maßnahmen. Das Megathema Digitalisierung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und steht im internationalen Kontext. Um nicht den Anschluss zu verlieren, sehen wir den Staat in der Pflicht, den Rahmen zu setzen und auch Betrieben konkrete Unterstützungen und Förderungen zukommen zu lassen.

Wie kann so eine Unterstützung oder Förderung aussehen?

Wir knüpfen bei unseren Vorschlägen an der Initiative Digitales Hessen an und wünschen uns belebende Impulse, die über die bestehende Förderstruktur hinausgehen, alle laufenden hessischen Förder- und Beratungsprogramme zusammenfassen und sie bedarfsorientiert ausbauen.

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Haben Sie konkrete Beispiele?

Das vom Wirtschaftsministerium geförderte Online-Tool Digi-Check ist ein guter Einstieg, wenn es darum geht, den Digitalisierungsgrad in einem Betrieb zu ermitteln. Hier wäre beispielsweise eine branchenspezifische Weiterentwicklung sinnvoll. Zudem brauchen wir ein Online-Tool KI-Check. So könnten Firmen abschätzen, wo sie beim Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) stehen und wo Handlungsbedarf besteht. Und darüber hinaus sollte der bestehende Fördertopf für den Digi-Zuschuss – der sich übrigens großer Nachfrage erfreut – noch einmal deutlich erhöht werden.

Warum einen eigenen KI-Check?

Viele Unternehmen sehen künstliche Intelligenz zwar als Zukunftstechnologie, tun sich aber schwer damit, konkrete Einsatzmöglichkeiten für ihre eigene Firma zu identifizieren. Auch hier kann das Land unterstützen. Hilfreich ist schon das Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum an der Technischen Universität Darmstadt mit seinen kostenfreien Workshops und Veranstaltungen. Das Land sollte es deshalb unbedingt über die derzeitige Phase der Bundesförderung bis 2021 hinaus finanzieren.

Reicht eine einzige Anlaufstelle?

Nein, wir brauchen zusätzliche, regionale Anlaufstellen zum Beispiel in Kassel, Mittelhessen und Offenbach auch für kleinere Unternehmen, die branchenübergreifend zu Austausch, Vernetzung und Kooperation einladen.

Was brauchen Sie für die Weiterqualifizierung der Fachkräfte?

Auch hier brauchen die Unternehmen unbedingt Unterstützung, zum Beispiel durch Weiterbildungsdarlehen durch die WI Bank, entsprechende Fördermittel über den Digi-Zuschuss und die Einsetzung von Qualifizierungs- und Fachkräfteberatern, die es in anderen Ländern längst gibt.