Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die EU und der Mercosur (Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay) wollen einen gemeinsamen Wirtschaftsraum mit über 700 Millionen Menschen. Doch das EU-Parlament hat das Abkommen verzögert.
  • Das Freihandelsabkommen baut hohe Zölle und andere Handelshürden ab. Das verbessert die Exportchancen auch deutscher Unternehmen.
  • Das Freihandelsabkommen ermöglicht der EU außerdem besseren Zugang zu Rohstoffen für die Energiewende.

Das ist der Mercosur: eine regionale Wirtschaftsgemeinschaft mit Power

Mehr als 25 Jahre und zahlreiche Verhandlungsrunden hat es gedauert. Doch nun ist das Handelsabkommen zwischen der EU und der regionalen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur besiegelt. Mercosur steht für Mercado Común del Sur (etwa: „Gemeinsamer südamerikanischer Binnenmarkt“). Er umfasst:

  • Brasilien,
  • Argentinien,
  • Paraguay,
  • Uruguay und
  • Bolivien.

Bolivien ist das jüngste Mercosur-Mitglied, aber kein Partnerland des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur.

Das Freihandelsabkommen mit dem Mercosur: aktueller Stand 

Zu Jahresbeginn stimmten die EU-Länder dem Abkommen mehrheitlich zu. Diese Abstimmung war zuletzt noch einmal verschoben worden, weil mehrere EU-Staaten – allen voran Italien – kurzfristig zusätzliche Zusagen zum Schutz ihrer Landwirtschaft verlangten. In der deutschen Wirtschaft stieß die Verzögerung auf deutliche Kritik. 

Dann reiste EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Brasilien und Paraguay. Dort unterzeichneten sie und die Mercosur-Partner Mitte Januar den Vertrag.

Gegner des Abkommens forderten allerdings, dass der Europäische Gerichtshof das Mercosur-Abkommen prüft. Bei einer Abstimmung im EU-Parlament am 21. Januar waren sie erfolgreich. Dies könnte das Inkrafttreten stark hinauszögern, möglicherweise um Jahre.

Die deutsche Wirtschaft wie auch die Politik fordern nun, dass die EU-Kommission den Handelsteil des Abkommens unverzüglich vorläufig anwendet. Dazu ist die EU-Kommission befugt. „Ich glaube, dass der Europäische Gerichtshof bei seiner Prüfung keine großen Beanstandungen finden wird“, ermutigt auch der renommierte Europarechtler Franz Mayer von der Uni Bielefeld zu diesem Schritt. Bundeskanzler Friedrich Merz ist zuversichtlich: „Es wird ein vorläufiges Inkrafttreten dieses Handelsabkommens geben, in dem Augenblick, in dem der erste südamerikanische Staat dieses Abkommen ratifiziert.“

Wann tritt das EU-Mercosur-Abkommen in Kraft?

Das Freihandelsabkommen besteht aus zwei Teilen. Deren Ratifizierung funktioniert unterschiedlich:

  • Das umfassende Mercosur-Partnerschaftsabkommen muss von den Parlamenten der einzelnen EU-Mitgliedstaaten in Kraft gesetzt (ratifiziert) werden. Das kann einige Jahre dauern.
  • Das Interims-Handelsabkommen (Übergangs-Handelsabkommen) umfasst ausschließlich den Handelsteil der Übereinkunft. Es wird nicht durch die EU-Länder ratifiziert. Dadurch kann es schneller in Kraft treten. Es gilt bis zur Ratifizierung des oben genannten Partnerschaftsabkommens.

Das Mercosur-Freihandelsabkommen: die Vorteile

Bereits heute spielt die EU für den Mercosur eine große Rolle. So sieht das Ranking der wichtigsten Handelspartner aus Mercosur-Sicht aus:

  1. China
  2. EU
  3. USA

Bisher verhindern noch zahlreiche Handelshemmnisse eine engere Verzahnung der beiden Wirtschaftsräume EU und Mercosur. Belastend für Unternehmen sind zum Beispiel:

  • hohe Einfuhrzölle sowie Ad-hoc-Zölle,
  • aufwendige Zollverfahren,
  • technische Vorschriften und Standards, die von internationalen Vorgaben abweichen.

Damit soll nun weitgehend Schluss sein.

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Unternehmen bietet der Mercosur einen riesigen Absatzmarkt

Der Austausch wird wachsen – zum Vorteil auf beiden Seiten des Atlantiks. Unternehmen verschafft der freie Handel von Waren und Dienstleistungen unter anderem

  • einen größeren Absatzmarkt,
  • bessere Position im Wettbewerb gegen andere internationale Akteure,
  • größere Chancen bei öffentlichen Ausschreibungen,
  • Befreiung von Bürokratie.

Zusätzlich bietet die Partnerschaft strategische Vorteile für die europäische Energiewende: Die Mercosur-Länder verfügen über wichtige Rohstoffe für Zukunftstechnologien. Zudem zählen sie zu den Vorreitern bei erneuerbaren Energien. Das macht die Zusammenarbeit für die Dekarbonisierung besonders wertvoll.

„Wir sind überzeugt, dass jedes Freihandelsabkommen unseren europäischen Wirtschaftsraum stärker macht und davon alle Branchen profitieren können“, sagt Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Das Abkommen sei „geostrategisch maßgebend“.

Insbesondere die Metall- und Elektro-Industrie mit ihrem exportorientierten Automobil- und Maschinenbau sowie die chemische Industrie dürften von der Marktöffnung profitieren, erwarten Experten. „Die Zustimmung der EU zum EU-Mercosur-Handelsabkommen ist eine längst überfällige und sehr gute Nachricht für den europäischen Wirtschaftsstandort und insbesondere für das Exportland Deutschland“, sagt Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie. Denn die Zölle von 35 Prozent auf Pkws und 14 bis 18 Prozent auf Autoteile sollen schrittweise abgebaut werden. 

Der Zollabbau betrifft auch Güter wie 

  • Maschinen (derzeitige Zollsätze: 14 bis 20 Prozent),
  • Chemikalien (bis zu 18 Prozent),
  • Arzneimittel (bis zu 14 Prozent) und
  • Wein (27 Prozent).

Gut für alle: Zollsenkungen bedeuten geringere Preise

Verbraucherinnen und Verbraucher wiederum können von günstigeren Preisen profitieren. Das sorgt für mehr Wohlstand. Die Menschen im Mercosur erhalten zudem mehr Möglichkeiten, ihre Leistungen in der EU anzubieten – etwa auf Werkvertrags- oder freiberuflicher Basis.

Das Mercosur-Abkommen ist ein Lichtblick in einer Welt voller Handelskonflikte

Die jüngsten US-Zollmaßnahmen setzen den internationalen Handel unter Druck. Sie treffen besonders Exportnationen wie Deutschland.

Zudem werden chinesische Anbieter auch in Südamerika immer präsenter: Während sie lange vor allem mit niedrigen Preisen punkteten, überzeugen sie heute mit solider Qualität und attraktiver Finanzierung.

„Der erfolgreiche Abschluss des EU-Mercosur-Abkommens ist ein starkes Signal für den regelbasierten Welthandel und setzt ein klares Gegengewicht zu Protektionismus und Blockbildung“, erklärt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche.

Zwar kann der EU-Mercosur-Vertrag die wirtschaftlichen Einbußen im Handel mit den USA nicht vollständig ausgleichen. Doch er schafft eine der größten Freihandelszonen der Welt mit mehr als 700 Millionen Menschen und einem erheblichen Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung. 

Für deutsche Unternehmen eröffnet sich damit ein deutlich leichterer Zugang zu stabil wachsenden Märkten in Südamerika, die bislang durch hohe Zölle und strenge Importregeln abgeschottet waren.

Europa öffnet seinen Agrarmarkt und bekommt Zugang zu Rohstoffen

Im Gegenzug öffnet die EU ihren Markt für die Agrarprodukte der Mercosur-Staaten. Für einige Erzeugnisse, die der EU-Landwirtschaft Konkurrenz machen könnten, etwa Fleisch, Zucker, Ethanol und Honig, wird der Zugang pro Jahr beschränkt. Für Rindfleisch bedeutet das: Derzeit importiert die EU jährlich 200.000 Tonnen Rindfleisch aus dem Mercosur, das mit 60 Prozent verzollt wird. Durch das Abkommen dürfen zusätzlich 99.000 Tonnen pro Jahr zu einem Zollsatz von 7,5 Prozent importiert werden.

Bei Zucker sollen in Zukunft 190.000 Tonnen jährlich zollfrei sein. Unmittelbar vor der Unterzeichnung des Abkommens ergänzten die Verhandlungspartner weitere Schutzmechanismen zugunsten der EU: Sie sollen ermöglichen, bei einem deutlichen Importanstieg aus den Mercosur-Ländern oder bei stark sinkenden Preisen schnell regulierend einzugreifen.

Neben den Agrarprodukten dürften auch vermehrt Rohstoffe aus Südamerika exportiert werden. Dabei geht es neben Erzen zum Beispiel um Lithium, Kupfer, Nickel und Silizium – wichtig für die Transformation der Wirtschaft.

Welche Länder sind im Mercosur?

Mercosur

Der gemeinsame südamerikanische Binnenmarkt (Mercado Común del Sur) entstand 1991 mit dem Ziel, die politische, soziale und wirtschaftliche Integration in Südamerika zu stärken. Dem regionalen Wirtschaftsverbund gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Venezuela und Bolivien (seit 2024) an. Bolivien nimmt am EU-Mercosur-Abkommen vorerst nicht teil. Venezuela ist seit 2017 vom Bündnis suspendiert.

Brasilien

  • Bevölkerung: 212,8 Millionen | Fläche: 8.510.000 km²
  • BIP: 2,2 Billionen US-Dollar | 1,9 Prozent Wachstum für 2026 (Prognose) | Deutsche Warenexporte: 13,2 Milliarden Euro
  • Größe und Bevölkerungszahl machen das Land zum mit Abstand wichtigsten und einflussreichsten Staat in Südamerika.
  • Politisch erwies sich das Land in den vergangenen Jahren immer wieder als instabil. Die Gesellschaft gilt als stark polarisiert.
  • Der Industriesektor spielt im Land eine große Rolle, jeder fünfte Beschäftigte arbeitet in der Industrie. Das Bildungsniveau ist vergleichsweise hoch.

Argentinien

  • Bevölkerung: 45,9 Millionen | Fläche: 2.780.000 km²
  • BIP: 637,2 Milliarden US-Dollar | 4,0 Prozent Wachstum für 2026 (Prognose) | Deutsche Warenexporte: 2,3 Milliarden Euro
  • Schwere wirtschaftliche Krisen haben das Land in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt erschüttert, der Staat wurde mehrfach zahlungsunfähig.
  • Eine hohe Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte hat den Fachkräftemangel in den vergangenen Jahren verschärft.
  • Javier Milei verfolgt als Präsident eine radikale, libertäre Reformpolitik. Die Währung wurde abgewertet, Renten wurden gekürzt und Subventionen gestrichen.

Uruguay

  • Bevölkerung: 3,4 Millionen | Fläche: 176.000 km²
  • BIP: 81 Milliarden US-Dollar | 2,4 Prozent Wachstum für 2026 (Prognose) | Deutsche Warenexporte: 375 Millionen Euro
  • Die Stabilität in der demokratischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung haben das Land zu einem Vorreiter in der Region werden lassen.
  • Das Sozialsystem beinhaltet weitreichende Arbeitnehmerrechte und wurde nach europäischem Vorbild errichtet.
  • Die Hauptstadt Montevideo ist das politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Hier lebt fast die Hälfte der gesamten Bevölkerung.

Paraguay

  • Bevölkerung: 7 Millionen | Fläche: 407.000 km²
  • BIP: 44,5 Milliarden US-Dollar | 3,7 Prozent Wachstum für 2026 (Prognose) | Deutsche Warenexporte: 248 Millionen Euro
  • Agrarprodukte und die Produktivität des landwirtschaftlichen Sektors bestimmen nach wie vor die ökonomische Entwicklung des Landes.
  • Die wirtschaftliche Situation ist auch nach Jahren des Aufschwungs immer noch schwierig. Das Land gehört schon seit vielen Jahren zu den ärmsten in Südamerika.
  • Die Korruption ist wie in vielen anderen Staaten Südamerikas stark ausgeprägt.

Quelle: Germany Trade & Invest, Stand: 2024/25
Prognosen: International Monetary Fund, Stand: 2025

Michael Stark
aktiv-Redakteur

Michael Stark schreibt aus der Münchner aktiv-Redaktion vor allem über Betriebe und Themen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Darüber hinaus beschäftigt sich der Volkswirt immer wieder mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Das journalistische Handwerk lernte der gebürtige Hesse als Volontär bei der Mediengruppe Münchner Merkur/tz. An Wochenenden trifft man den Wahl-Landshuter regelmäßig im Eisstadion.

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Niklas Kuschkowitz
aktiv-Redakteur

Niklas Kuschkowitz schreibt bei aktiv über Wirtschafts- und Politikthemen. Studiert hat er Germanistik, Geschichte und Neuere Geschichte in Osnabrück und Köln. Nach einem journalistischen Fernsehvolontariat arbeitete er als Redakteur für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Sendungen der ARD und in der Unternehmenskommunikation. Privat lösen volle Fußballstadien und gemütliche Kinosäle große Freude in ihm aus. 

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