Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Bei Kopp Schleiftechnik übernimmt die dritte Generation die Führung.
  • Das Familienunternehmen steht für Präzisionswerkzeuge und Nachschliff.
  • Die Nachfolge war langfristig geplant und bringt neue Impulse.

Bei Kopp Schleiftechnik in Lindenfels-Winterkasten sind die Weichen in Richtung Zukunft gestellt. Seit diesem Jahr liegt die Geschäftsführung des Unternehmens im idyllischen Odenwald in jungen Händen – nach einem gut geplanten und über rund sieben Jahre vollführten Nachfolgeprozess, der auch durch externe Berater begleitet wurde.

Der langjährige Geschäftsführer Achim Kopp steht seinen Nachfolgern nur noch als Mentor zur Seite. Denn er ist überzeugt, dass sie das Zeug dazu haben, das Unternehmen zu führen und weiterzuentwickeln. „Das haben sie in den letzten Jahren gezeigt und das macht mich sehr stolz“, betont Kopp.

Kopp fertigt maßgeschneiderte Sonderwerkzeuge fürs Bohren und Fräsen

Seine Kinder Luisa Helm und Fabian Kopp leiten das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Cousin Tobias Kopp nun in der dritten Generation. Ihr Großvater Helmut hatte den Betrieb 1970 als Werkzeugschleiferei gegründet. Dank Wachstum und guter Auftragslage stieg 1982 Achim Kopp mit ein, wenige Jahre später folgten dessen Ehefrau Heike und auch sein Bruder Jürgen Kopp.

Heute zählt das Unternehmen knapp 50 Beschäftigte und steht weltweit für maßgeschneiderte Sonderwerkzeuge im Bereich Bohren und Fräsen sowie den fachgerechten Nachschliff von Präzisions-Zerspanungswerkzeugen. 

„Nun möchten wir die Firma mindestens genauso erfolgreich weiterführen und auch eigene Fußspuren hinterlassen“, betont Fabian Kopp. Wie sein Cousin Tobias hat er Industriekaufmann und Präzisionswerkzeugmechaniker gelernt. Luisa absolvierte ein duales Studium in Betriebswirtschaft. Für alle drei kamen zur Vorbereitung auf die neue Aufgabe Workshops und individuelle Coachings hinzu.

Nachfolger müssen sich ausprobieren

„Die Begeisterung dafür, den Betrieb eines Tages weiterzuführen, entwickelte sich Schritt für Schritt. Mit ersten Führungsaufgaben im Rahmen des Nachfolgeprozesses wuchs mein unternehmerisches Herzblut mehr und mehr“, erklärt Tobias Kopp. Erste Veränderungen hat die neue Führung schon angestoßen, darunter eine neue Technik zur Beschichtung der gefertigten Werkzeuge und den Ausbau des Vertriebs.

Achim Kopp: „Wir ‚Alten‘ haben nach und nach Verantwortung abgegeben, die ‚Jungen‘ konnten sich ausprobieren und hineinwachsen und damit ist uns eine der wichtigsten Aufgabe von Chefs gelungen: die gute Nachfolgelösung.“ Inzwischen ist er bereits bei anderen Unternehmen als Berater bei Nachfolgethemen gefragt.

Unternehmensnachfolge: Junior, dringend gesucht!

Die Nachfolge bleibt für viele Mittelständler eine Herausforderung: Nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn steht bei rund 186.000 Unternehmen in Deutschland zwischen 2026 und 2030 eine Nachfolge an. Falls es keinen geeigneten Nachfolger gibt, fassen viele Inhaber nach dem Ausscheiden des Senior-Generation sogar eine Geschäftsaufgabe ins Auge: Laut dem Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 der KfW plant das bereits jedes vierte Unternehmen – ein trauriger Rekord.

Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

Alle Beiträge der Autorin