Das Wichtigste auf einen Blick:
- Spezielle Kabelkennzeichnungen der Firma Bayka sollen Diebe abschrecken und Kabelklau verhindern.
- Hoher Schaden durch Kupferdiebstahl: Die Taten verursachen massive Störungen im Bahnverkehr.
- Sortenmix, schnitthemmende Materialien und Alarmsonden machen die Kabel für Diebe wertlos.
Schwarz-gelb gestreift: Diese Farben signalisieren „bloß nicht anfassen“ bei Insekten. Bei Kabeln, die die Deutsche Bahn auf ihren Strecken verwendet, funktioniert die Abschreckung ähnlich: nämlich auch mit Streifen, diesmal in Blau. Ein kräftiger Längsstrich auf dem Kabelmantel signalisiert potenziellen Dieben: Finger weg! Das lohnt sich nicht.
Erfunden hat die Kennzeichnung das Unternehmen Bayerische Kabelwerke, kurz Bayka. Die fränkische Firma (265 Mitarbeitende) entwickelt und fertigt in Roth sowie Berlin rund 20.000 Kilometer Kabel und Leitungen im Jahr für Energieversorger, Bahn- und Verkehrstechnik, Telekommunikation sowie Industrie und Anlagenbau.
Im Kabelinneren steckt oft reichlich Kupfer als leitendes Metall. Sein Preis ist rasant gestiegen, eine Tonne wurde an der Börse zeitweise für um die 13.000 Euro gehandelt. Das ruft Diebe auf den Plan. Sie rücken mit Flex und Bolzenschneider an, durchtrennen die Stränge oder entwenden von Baustellen gleich ganze Kabeltrommeln.
Anfang März traf es den ICE-Sprinter von München nach Berlin
Die Folgeschäden durch Betriebsausfälle sind meist deutlich höher als der Materialwert, trotz der hohen Preise. Im März traf es den ICE-Sprinter von München nach Berlin: Signalstörung durch Kabelklau. Zugausfälle, Umleitung, Techniker mussten eine Notstromversorgung einrichten. 2023 war die DB in 450 Fällen von Buntmetalldiebstahl betroffen. Materieller Schaden: 7 Millionen Euro! Auch viele Störungen bei U- und S-Bahn gehen auf das Konto der Langfinger.
„Meist werden Erdungsleitungen gestohlen“, so Thomas Sorge, Marketingleiter der Bayka. Sie dienen zum Abführen von Überlasten, etwa bei Blitzeinschlag. Werden sie illegal entfernt, fällt das oft niemandem auf. „Und wenn es bemerkt wird, ist es zu spät“, so Sorge. Denn an der ungeschützten Anlage können große Schäden entstehen.
Kupfer ist ein wichtiger Rohstoff für die Transformation
Kupfer ist ein teurer Rohstoff. Vor allem durch die Energiewende, Elektromobilität und den Ausbau von Strom‑ und Datennetzen ist er an den Weltmärkten stark gefragt. Der steigende Kupferpreis ist einer der wichtigsten Treiber für den seit Jahren zunehmenden Kabeldiebstahl in Deutschland, insbesondere bei der Bahn, Energieversorgung, auf Baustellen und neuerdings auch bei E-Auto-Ladesäulen. Der Materialwert der gestohlenen Kabel liegt oft nur bei wenigen Hundert Euro. Die Folgekosten für Reparaturen, Ersatzteile und Ausfälle summieren sich jedoch auf Millionen. Denn durch den Kabelklau kommt es zu Zugverspätungen, Stromunterbrechungen, Ausfällen von kritischen Ladepunkten sowie Störungen von Mobilfunk und Internet.
Was tun? Die Lösung von Bayka – erkennbar am blauen Streifen – umfasst mehrere Stufen. „Unsere Kabel haben in kriminellen Kreisen einen ganz schlechten Ruf“, so Sorge. Zum einen ist der Leiter (die „Kabelseele“) bewusst verunreinigt. Dem Kupfer werden weitere Materialien beigemischt, den Sortenmix nimmt kein Verwerter an.
„Unsere Kabel stehen für den Schutz kritischer Infrastruktur“
Thomas Sorge, Marketingleiter Bayka
Dazu kommen Weiterentwicklungen für eine Vielzahl von Anwendungen außerhalb der Bahn, mit schnitthemmenden Materialien, zähem Kunststoffmantel und gekreuzten Drähten, die das Durchtrennen erschweren. Oder mit spezieller Längsschnitthemmung. Sie verhindert, dass Diebe Kabel aufschneiden und die wertvolle Kupferseele herausziehen. Überwachungssonden im Mantel schlagen Alarm, sobald jemand am Kabel ritzt.
Neben solchem technischen Schutz, wie ihn die Bayka bietet, trifft man vielerorts weitere Vorkehrungen. So werden Anlagen und Baustellen nachts vermehrt beleuchtet und mit Kameras überwacht. Und die Diebe haben es schwerer, ihre Beute zu Geld zu machen. Der Verband Deutscher Metallhändler und Recycler schult Entsorger und Händler, damit sie Hehlerware erkennen.

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.
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