Hannover. Dick und schwer liegt es auf dem Tisch im Pausenraum – ein Wörterbuch: „Arabisch-Deutsch. Deutsch-Arabisch.“ Direkt neben der Plastikbox mit dem Frühstück. Das Buch gehört Orwah Amin aus Syrien.

Der Geflüchtete hat es geschafft: Amin hat seit einem Jahr eine feste Arbeitsstelle bei der Hohrenk Systemtechnik GmbH in Cremlingen bei Braunschweig. Zusammen mit den rund 40 Kollegen fertigt er Wartehallen, Schachtgerüste und Bahnsteigdächer. „Er ist pünktlich, fleißig und nutzt jede Minute, um Deutsch zu lernen“, lobt ihn Ernst Hohrenk, der Geschäftsführer.

Er ist ein Beispiel für die Integration von Flüchtlingen ins Arbeitsleben – ein Thema mit Licht und Schatten. Was läuft gut, wo hakt es? AKTIV hat sich in gleich drei niedersächsischen Metall-Unternehmen umgeschaut.

"Junge Geflüchtete sind nicht die Lösung für den Fachkräftemangel"

Eine weitere erfreuliche Geschichte gibt es aus Braunschweig zu erzählen, von der Wilhelm Ewe GmbH & Co. KG, die mit 130 Mitarbeitern Armaturen für den Anschluss von Wasser-, Gas- und Abwasserleitungen herstellt. Jan-Peter Ewe, der das 1946 gegründete Familienunternehmen in der dritten Generation führt, bremst zu großen Optimismus: „Junge Geflüchtete sind nicht die Lösung für den Fachkräftemangel.“ Doch er findet: „Sie sind ein Baustein dafür.“

Die berufliche Eingliederung braucht langen Atem – das sieht man hier am Beispiel von Mohammed Yahya. Auf den jungen Somalier, der schon eine Weile nach einem Berufseinstieg suchte, wurde der Firmenchef über den Integrationsbeauftragten der Kooperationsinitiative Maschinenbau (KIM) aufmerksam gemacht. Ewe fasste sich ein Herz und gab dem damals 18-jährigen Yahya die Chance – über eine Einstiegsqualifikation. „Eine Ausbildung machte noch keinen Sinn“, erzählt Ewe. „Die fehlenden Sprachkenntnisse hätten nur zu Frustration auf beiden Seiten geführt.“

Interkulturelles Training für die Kollegen

Also sammelte Yahya erst mal Erfahrungen im Betrieb. Zugleich ermöglichte das Unternehmen allen, die mit ihm zusammenarbeiten, ein interkulturelles Training, von der Führungskraft bis zum Azubi. „Damit wir besser auf ihn zugehen können“, erklärt der Geschäftsführer, „und mehr Verständnis für seine Verhaltensweisen entwickeln.“

Inzwischen macht Yahya eine Ausbildung zum Fachlageristen. Er hat den Gabelstaplerschein gemacht, sein Deutsch wird immer besser und in Mathematik bekommt er einmal in der Woche Nachhilfe von einem Azubi. „Als Unternehmen haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung“, sagt der Firmenchef. „Wir müssen fördern, fordern und einen Weg aufzeigen. Die Geflüchteten müssen ihn allerdings auch mit uns gehen.“

Ehrenamtliche Helfer unterstützen Geflüchtete

Nicht immer klappt das. Bei der Möhlenhoff GmbH in Salzgitter etwa schaffte ein Syrer zwar die Einstiegsqualifizierung, aber am Ende kam man doch nicht zusammen. „Zu wenig passten seine Erwartungen und unser Angebot zueinander“, berichtet Cornelia Küster, Bereichsleiterin Mitarbeiter.

Das familiengeführte Unternehmen, das mit 180 Mitarbeitern Produkte für die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik fertigt, will es trotzdem erneut probieren. Küster: „Wir überdenken unsere Herangehensweise noch einmal. Wenn wir Flüchtlinge nicht in Berufe integrieren, verschenken wir eine Chance.“

Das sieht auch Ernst Hohrenk so, der Chef des eingangs erwähnten Unternehmens in Cremlingen. Er sagt: „Wenn sich Ehrenamtliche, Betriebe und Geflüchtete voll reinhängen, klappt das mit der Integration in den Beruf. Aber es ist ein weiter Weg.“

Umfrage

  • Fast alle Betriebe sind weiter bereit, ihren Beitrag zur Integration zu leisten, berichtet der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall.
  • Aber: Die Betriebe registrieren fast keinen Anstieg der Bewerbungen von Flüchtlingen. Und bei den Bewerbern keine Steigerung des Sprachniveaus.
  • Nur noch 14 (2015: 38) Prozent glauben, dass uns die Flüchtlinge helfen, dem Fachkräftemangel zu begegnen.