Dortmund. Kontakte knüpfen und gemeinsam Dinge voranbringen – immer mehr Unternehmen in Nordrhein-Westfalen wählen diesen Weg. Zum Nutzen von Netzwerken äußert sich Thorsten Hülsmann im Interview mit aktiv. Er ist Geschäftsführer der Effizienzcluster Management GmbH in Dortmund, die Akteure rund um die Logistik zusammenbringt.

Was machen Sie konkret?

Viel Netzwerken! Nicht nur in Nordrhein-Westfalen. Sondern weltweit. Ich arbeite in Innovationswerken mit, in 23 Ländern.

Was bringen Netzwerke?

Mehr Kunden, geringere Kosten, neue Produkte. Gemeinsam ist man eben stärker. Weil man voneinander lernt und neue Ideen einbringt.

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Wie funktioniert das?

Wenn Unternehmen auf Messen gemeinsam Flagge zeigen, womöglich unter einer Dachmarke, macht dies jedes einzelne bekannter, das kann neue Kunden bringen. Es lassen sich Kosten senken, beispielsweise durch gemeinsame Instandhaltung. Oder durch gebündelten Einkauf. Ein Beispiel dafür sind klassische Einkaufsgenossenschaften wie die ZEG, eine Organisation des Fahrradeinzelhandels. Und dann kommt noch der Aspekt der gemeinsamen Forschung und Entwicklung hinzu – die Voraussetzung für innovative Produkte.

Netzwerke in einer Region werden oft als Cluster bezeichnet. Ein Beispiel bitte?

Bekannt sind die Solinger Schneidwaren. Betriebe im Bergischen Land haben sich einst unter dieser Dachmarke zusammengetan, um sich so gegen Billigkonkurrenz abzugrenzen. Heute vernetzen sich Firmen zunehmend auch branchenübergreifend. Ein Beispiel ist „it’s OWL“ in Ostwestfalen. Da entwickeln 200 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Organisationen digitale Lösungen für den Mittelstand. Ein Innovationsnetzwerk, das sich weltweit Achtung verschafft.

Ein weiteres Beispiel ist das Logistik-Netzwerk im Ruhrgebiet, das Sie eng begleiten.

Da machen rund 100 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit. Auch da geht es um Zukunftstechnologien. Mit dabei sind unter anderem DHL, UPS, DB Schenker, die Fraunhofer-Gesellschaft, Industrieunternehmen wie Thyssenkrupp, BMW und VW sowie die Häfen Duisburg und Dortmund. Also alle, die an der Bewegung von Gütern beteiligt oder auf ein effizientes Logistiksystem angewiesen sind.

Bei einem Netzwerk ist Vertrauen sehr wichtig ...

Ein Netzwerk erfordert einen Moderator. Jemanden, der neutral ist und die Interessen aller beteiligten Firmen im Blick hat. Jedes Unternehmen – egal welcher Größe – muss gleichberechtigt sein.

Wie viele Netzwerke gibt es in NRW?

Unzählige! Problem: Es gibt keine einheitliche Definition, das gilt übrigens auch fürs Cluster. Ich habe da meine eigene, pragmatische gefunden: Wenn sich 20 Unternehmen zusammenschließen und alle höchstens 45 Minuten Autofahrt voneinander entfernt sind, dann spreche ich von einem Cluster. Denn ohne enge persönliche Kontakte läuft in einem Netzwerk nichts.