Das Wichtigste auf einen Blick:
- Walor aus Saarbrücken bietet Stahlbau-, Schweiß-, Fertigungs- und Montageleistungen für zahlreiche Branchen – von kleinen Bauteilen bis zu komplexen Großkonstruktionen.
- Mit 40 Beschäftigten erwirtschaftet der Betrieb rund 6 Millionen Euro Jahresumsatz. Zu den Kunden zählen die Stahl-Industrie, Kraftwerke, Gießereien, Bau- und Entsorgungsfirmen.
- Das familiengeführte Unternehmen mit Wurzeln seit 1966 und besonderer Eigentümerstruktur setzt auf solide Finanzierung ohne Schulden.
Mächtige Stahlträger in allen Formen und Maßen werden in den Produktionshallen bewegt, zugeschnitten und zusammengeschweißt. „Wir können groß und klein, einfach und komplex“, sagt Patrick Jochum beim aktiv-Besuch in Saarbrücken-Burbach. Der 40-Jährige ist seit zwei Jahren bei Walor und inzwischen Prokurist und technischer Leiter bei der Stahlbau- und Montagefirma.
Breites Leistungsspektrum: Stahlbau und Montage für verschiedene Branchen
Wenn er das Arbeits- und Angebotsspektrum beschreibt, wird schnell klar: Er redet nicht von einer kleinen Bastelbude im Hinterhof. „Wir können alles“, bestätigt auch Werkstattleiter Alex Birklen, der zusammen mit dem Schlosser Patrick Zimmermann gerade die Unterkonstruktion für eine Ringbühne für die Hüttenindustrie fertigt.
„Die Stahl-Industrie gehört zu unseren wichtigsten Kunden“, sagt Christine Simon. Die 43-Jährige trägt seit Mitte 2018 als Geschäftsführerin in dritter Generation die Verantwortung. Zuvor stand ihr Vater Reinhold L. Simon mehr als 20 Jahre auf der Kommandobrücke. Das Stahlbau- und Montageunternehmen – traditionell eine Männerwelt – hat nun also seit acht Jahren eine Frau an der Spitze.
Starre Rollenbilder lehnt die Chefin und Mutter eines vierjährigen Sohnes ab. „Blau für Buben, rosa für Mädchen – bei der Erziehung werden zu oft noch klischeehafte Weichen gestellt“, sagt sie. Barbie-Puppen gehörten zwar zu ihren Kinderzimmer-Accessoires, „aber auch Lego-Baukästen oder Transformer“. Draußen jagte sie den Jungs auf dem Bolzplatz den Ball ab. Noch heute ist sie „von Blaumann bis Ballkleid“ breit aufgestellt.
Nicht nur die saarländischen Hütten Dillinger und Saarstahl sind Stammkunden, sondern auch Gießereien, Kraftwerke, Autozulieferer, Brückenbauer oder Entsorgungsfirmen. „Bei einer Nummer kleiner – Geländer, Bühnen oder Fluchttreppen, aber auch Ölauffangwannen sowie Unterkonstruktionen für Photovoltaik-Anlagen – können wir ebenso helfen“, wirbt Jochum.
„Unser Personal ist unser größtes Kapital“
Christine Simon, Geschäftsführerin
Stahlbau-Montage: Einsatz direkt auf Baustellen in der Industrie
Auftragspausen machen Geschäftsführerin Simon nicht gleich nervös: „Selbst als einer unserer Stammkunden uns eine Zeit lang nicht mehr anfragte, kam bald der Anruf mit dem Satz: ,Wir haben ein Problem und wir wissen, dass ihr es lösen könnt.‘“
Mit 40 Beschäftigten erwirtschaftet Walor pro Jahr knapp 6 Millionen Euro Umsatz. „Unser Personal ist unser größtes Kapital“, sagt Simon. „Jeder ist Experte auf seinem Gebiet und alle ziehen mit, auch wenn die Einsatzorte eng, schmutzig und laut sind.“ Der Großteil der Arbeit findet nämlich nicht in den Hallen des Unternehmens, sondern auf den Baustellen statt.
Generationswechsel bei Walor: Verantwortung in Zeiten des industriellen Umbruchs
Dass Christine Simon in den Familienbetrieb einsteigen würde, war anfangs gar nicht geplant. Ihren ersten Berufswunsch – Architektin – hängte sie nach einem Praktikum rasch an den Nagel, weil ihr das Hineinschnuppern bei Walor „total gut gefiel“, erklärt sie. „Vor allem die Abwechslung und täglich neue Herausforderungen reizten mich.“ Hier erlernte sie den Beruf der Industriekauffrau und machte später berufsbegleitend mit einem Studium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) noch ihren Betriebswirt.
Walor: Tradition seit 1966
- Walor wurde 1966 von vier ehemaligen Mitarbeitern der in Konkurs geratenen Stahlbau- und Montage-Firma Arnoth & Bäcker gegründet: Willibrord Backes, Adolf Gaidt, Lothar Schommer und Reinhold Simon senior.
- Heute erwirtschaftet die Firma mit 40 Beschäftigten rund 6 Millionen Euro Umsatz im Jahr.
Finanzielles Erfolgsprinzip: Wachstum ohne Schulden
Die Geschäftsführung von Walor übernahm sie von Vater Reinhold L. in schwerer Zeit. Der Steinkohlebergbau an der Saar wurde 2012 nach 250 Jahren eingestellt. Ein sicherer Kundenstamm brach damit endgültig weg. Auch bei den Autozulieferern kriselte es in jener Zeit, vor allem beim Saarbrücker Motorblock-Hersteller Halberg Guss mit mehr als 1.000 Arbeitsplätzen. Mit dessen Insolvenz und der Schließung des Werks endeten 264 Jahre Industriegeschichte.
„Es waren für uns schlimme Jahre“, erinnert sich der Senior, den die Sorge um das Wohl der Firma Schlaf und Gesundheit kostete. Tochter Christine, damals schon Prokuristin, übernahm 2018 die Geschäftsführung. „Es dauerte einige Jahre, bis ich in diese Rolle hineingewachsen war“, sagt sie. Neue Kunden mussten her, was leichter gesagt war als getan. „Wir nahmen alles an.“ Außerdem half die Walor-DNA: Es wird nur Geld ausgegeben, das auch da ist. Maschinen-Leasing oder Bankkredite sind verpönt. Auch Prämien für die Beschäftigten werden nur gezahlt, wenn es die wirtschaftliche Lage zulässt.
Familienunternehmen im Saarland: Die besondere Struktur von Walor
Walor gehört nicht nur den Simons, sondern auch vier weiteren Familien, die diese Philosophie der Sparsamkeit immer unterstützt haben. Das besondere Eigentümerkonstrukt hängt mit der Geschichte des Unternehmens zusammen. 1966 wurde es von vier ehemaligen Mitarbeitern der in Konkurs gegangenen Stahlbau- und Montagefirma Arnoth & Bäcker gegründet – darunter Reinhold Simon senior, der Großvater von Christine Simon.
„Der Dachboden im Haus meines Opas in Burbach war die erste Firmenzentrale“, sagt Simon. Die Kunden glaubten an die vier Gründer und ließen Walor zahlreiche Aufträge an Arnoth & Bäcker weiterführen. Reinhold Simon senior blieb dann moch mehr als drei Jahrzehnte der erste Geschäftsführer. Erst 1997 gab er das Steuer an seinen Sohn Reinhold L. Simon weiter – kam dann aber trotzdem noch jahrelang jeden Tag in die Firma.
Reinhold L. Simon wiederum arbeitet mit inzwischen fast 70 Jahren nach wie vor als kaufmännischer Leiter und Prokurist im Betrieb. Auch die Brüder der Chefin arbeiten bei Walor: Thomas, der Jüngere, in der Verwaltung, Reinhold in der Projektbearbeitung und Arbeitsvorbereitung. Das Wort „Familienunternehmen“ wird hier so richtig greifbar. Und der Seniorchef verspricht seiner Tochter: „Solange du mich brauchst, bin ich da.“
Stahlbau in Deutschland: Basis für Industrie, Bau und mehr
Stahlbau- und Montageunternehmen wie Walor übersetzen industrielle Planung in konkrete, tragende Strukturen – von der Energieversorgung bis zum Anlagen- und Brückenbau. Bundesweit gibt es dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge derzeit rund 5.600 Unternehmen in der stahl- und metallverarbeitenden Industrie. Sie beschäftigen etwa 460.000 Menschen. Besonders prägend ist bei diesem Industriezweig die mittelständische Struktur. Laut dem Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung verarbeitet die Branche pro Jahr rund 20 Millionen Tonnen Stahl. Ihre enorme Stärke liegt in der Kombination aus technischer Spezialisierung, Flexibilität und enger Zusammenarbeit mit Auftraggebern.








