Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Bei IIoT sammeln Sensoren Daten von industriellen Anlagen und übertragen sie an zentrale Plattformen, wo sie analysiert werden.
  • Mit den Daten können Systeme effizienter gemacht werden, auch vorausschauende Wartung wird möglich.
  • Bei Emerson kümmert sich ein internationales Team unter anderem darum, mit IIoT Leckagen in pneumatischen System aufzudecken.

Wenn Nils Beckmann über seine Arbeit spricht, fällt ein Wort immer wieder: Mehrwert. „Wir machen Maschinen und Produkte intelligenter“, sagt der 39-Jährige – und es wirkt, als würde er damit ein Versprechen abgeben. Nicht einfach Technik um der Technik willen, sondern Technologie, die Probleme löst, bevor sie entstehen. Als Director Engineering Intelligent Automation bei Emerson Aventics in Laatzen arbeitet er daran, klassische Industriekomponenten in smarte, datengetriebene Systeme zu verwandeln. Maschinen, die ganz von selbst melden, wenn sie eine Wartung brauchen – und das nicht erst durch einen Ausfall kundtun.

Dabei hatte Beckmann zu Beginn seiner Karriere mit Maschinenbau nur wenig zu tun. An der Uni Hannover studierte er angewandte Informatik. Nach dem Abschluss gründete er mit einem Freund ein Web-Start-up, wechselte spätere in kleinere Technologieunternehmen. 2018 stieß er zu Aventics, einem Spezialisten für Pneumatikkomponenten für Maschinen. Drei Monate später fusioniert das Unternehmen mit Emerson.

Beckmann war damals der Erste in der Firma, der sich mit dem Thema Industrial Internet of Things (IIoT) beschäftigte. Das spielte ihm in die Karten, als ein Partnerunternehmen, mit dem er eng zusammenarbeitete, Insolvenz anmelden musste. Damals erkannten die Verantwortlichen bei Emerson rasch, welches Potenzial in diesem Thema schlummerte. Und stellten die IIoT-Experten der Partnerfirma kurzerhand ein.

Discrete Automation: Hier wird Stückgut automatisiert

„Durch unsere Zusammenarbeit kannten wir einander schon gut und konnten nahtlos weiterarbeiten“, erinnert sich Beckmann. So entstand das heutige internationale Entwicklerteam für Discrete Automation (auf Deutsch: stückgutorientierte Automatisierung), in dem inzwischen Kollegen von Indien bis in die USA zusammenarbeiten. Ihre Aufgabe: Maschinen intelligenter machen. Dafür gewinnen sie Daten aus Produkten, analysieren Muster und leiten daraus Handlungen ab – etwa für die vorausschauende Wartung.

Was simpel klingt, ist in der Praxis um ein Vielfaches komplexer. „Wer mit seinen Produkten in den Bereich KI will, muss tiefer gehen als ein normaler Software-Ingenieur“, sagt Beckmann. Das mache für ihn gerade den Reiz aus: „Man investiert in etwas, das es noch gar nicht gibt, und muss daran glauben, dass es funktioniert.“

„In vielen Werken gehen enorme Kosten auf die Pneumatik zurück“

Nils Beckmann, Director Engineering Intelligent Automation bei Emerson Aventics

Aktuell arbeitet Beckmanns Team an einem sogenannten Leckage-Locator. „In vielen Werken gehen enorme Energiekosten auf Pneumatik zurück und rund 20 bis 30 Prozent dieser Kosten entfallen allein auf Leckagen“, erklärt er. Bleiben diese unentdeckt, entstehen pro Maschine Mehrkosten von über 100.000 Euro im Jahr.

Was ist Pneumatik?

Im Gegensatz zur Hydraulik, die mit Flüssigkeiten arbeitet, nutzt die Pneumatik Druckluft oder komprimierte Gase zur Kraftübertragung, Das macht sie ideal für Anwendungen, bei denen Schnelligkeit, Reinheit oder Explosionsschutz entscheidend sind. Mit pneumatischen Systemen wird Luft komprimiert, gespeichert und anschließend über Ventile zu Zylindern geleitet, um Bewegungen zu erzeugen. In der Industrie wird das zum Beispiel bei automatisierten Sortieranlagen oder in der Montage genutzt.

Mit KI lassen sich Leckagen frühzeitig lokalisieren

Bislang laufen Mitarbeitende regelmäßig mit Ultraschallgeräten durch die Hallen, um Lecks aufzuspüren. Eine aufwendige Praxis. Beckmann und sein Team wollen die Maschinen dazu bringen, selbst Alarm zu schlagen, wenn ein Leck entsteht. Sensoren, Datenmodelle und KI sollen nicht nur erkennen, dass es ein Leck gibt – sondern auch präzise anzeigen, wo. Darüber hinaus können die Modelle berechnen, was die Leckage in Euro und CO2 kostet. „Das bietet eine transparente Entscheidungsgrundlage für Wartungszyklen“, sagt Beckmann.

Vom Entwickler ist Beckmann inzwischen zum Netzwerker geworden. „Ehrlicherweise bin ich den ganzen Tag in Meetings“, sagt er und lacht. Seine Kernaufgaben sind heute: Themen setzen, Menschen zusammenbringen und strategisch vorausdenken. Wohin entwickelt sich das Geschäft? Wie lassen sich Lösungen skalieren – also vergrößern, damit sie nicht nur an einer Stelle nutzbar sind? „Hundertprozentige Skalierbarkeit ist meist nicht machbar“, sagt Beckmann. „Aber eine schnelle Anpassung muss möglich sein.“ Das heißt: Ideal wäre, wenn sich eine Lösung an einer Stelle mit wenigen Handgriffen für eine andere Verwendung umnutzen lässt. Dafür brauche es einen Vertrieb, der nicht nur Produkte verkauft, sondern in Lösungen denkt.

Die Leidenschaft fürs Programmieren ist noch da

Beruflich vermisst der Entwickler Beckmann das Programmieren inzwischen ab und zu. Dafür frönt er seiner Leidenschaft jetzt im Privaten. Ein Anmeldesystem für Badmintonturniere oder für den Silvesterlauf in seiner Heimatstadt Winsen an der Aller? Dafür greift Beckmann gern in die Tasten: „Für mich ist Programmieren Entspannung.“

Zum Unternehmen Emerson

  • Emerson ist ein weltweit führendes Technologie- und Softwareunternehmen für industrielle Automatisierung.
  • Im Geschäftsbereich Fluid & Motion Control bietet Emerson unter anderem Pneumatiklösungen der Marke Aventics an, darunter Zylinder, Ventile, Wartungseinheiten und Sensoren.
  • Die Aventics-Produktlinie wird in Laatzen bei Hannover entwickelt und produziert und weltweit in vielen Branchen wie Verpackung oder Automotive eingesetzt.
Isabel Link
Autorin

Isabel Link liebt es, die Geschichten hinter den Nachrichten zu erzählen. Sie hat Politikwissenschaften studiert und später unter anderem bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) als Redakteurin gearbeitet, bevor sie zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall gewechselt ist. Seitdem zeigt sie in Reportagen und Interviews, wie vielfältig und lebensnah die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie ist. In ihrer Freizeit trifft man sie selten ohne einen Roman in der Tasche.

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