Das Wichtigste in Kürze:

  • Bulgarien führt im Januar 2026 den Euro ein – das macht Urlaub für Deutsche einfacher, der mühsame Geldumtausch fällt weg.
  • Der Euro stärkt Bulgariens Platz in Europa. Für deutsche Unternehmen ergeben sich neue Chancen. Aber: Korruption ist im Land weit verbreitet.
  • Viele Bulgaren fürchten, dass die Preise nun steigen. Eine berechtigte Angst? „Nein“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Galina Kolev-Schaefer vom Institut der deutschen Wirtschaft. Und sie begründet das auch.

Schon mal Urlaub in Bulgarien gemacht?! Bisher können diese Frage nur wenige Deutsche mit „Ja“ beantworten. Nur 1,6 Prozent der Bundesbürger reisten 2025 laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach nach Bulgarien, Ungarn oder Rumänien. Zum Vergleich: Ähnlich viele Deutsche fuhren in den Thüringer Wald.

Ab 2026 fällt uns die Reise zum Balkan möglicherweise leichter: Dann hat nämlich auch Bulgarien den Euro, als 21. Staat der Währungsgemeinschaft. Hotelübernachtungen und Restaurantbesuche kosten dort nur etwa halb so viel wie in Deutschland. Kein Wunder: Mit einem kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von rund 26.300 Euro ist Bulgarien das ärmste Land der EU. Die Bundesbürger schaffen im Schnitt 45.500 Euro jährlich.

Aber: „Bulgarien hat eine sehr geringe Staatsverschuldung – und die Wirtschaft wächst dort deutlich schneller“, sagt Galina Kolev-Schaefer, Professorin an der Technischen Hochschule Köln und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Sie ist in der bulgarischen Hauptstadt Sofia geboren und lebt seit dem Jahr 2000 in Deutschland.

Attraktives Steuersystem: Bulgarien hat eine „Flat Tax“

Ein Grund für das Wirtschaftswachstum: die sogenannte Flat Tax. „Das einheitliche Steuersystem mit einem geringen Steuersatz von 10 Prozent macht Bulgarien attraktiv für ausländische Unternehmen“, so die Wirtschaftswissenschaftlerin Kolev-Schaefer. Zudem sind viele bulgarische Fachkräfte gut ausgebildet. Deutsche Unternehmen lassen auch komplexere Produkte in Bulgarien herstellen.

Die Bundesrepublik ist mit großem Abstand wichtigster Handelspartner des Balkanstaates. Bei Deutschlands Exporten nach Bulgarien machen chemische Erzeugnisse (15,6 Prozent), Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile (15,4 Prozent) sowie Maschinen (13,9 Prozent) den größten Anteil aus. Aus Bulgarien in die Bundesrepublik importiert werden am stärksten Nichteisen-Metalle wie Kupfer und Aluminium (21,4 Prozent) sowie Elektrotechnik (13,8 Prozent).

Historische Verbindung zwischen Deutschland und Bulgarien

Für Franz Beckenbauer war klar: „Deutsche und Bulgaren mögen sich.“ Der Fußball-Weltmeister war „wegen seiner Verdienste um die Völkerverständigung“ Ehrendoktor der Nationalen Sportakademie in Sofia. Für Beckenbauers Gefühl gibt es historische Anknüpfungspunkte: 1878 erlangte Bulgarien nach fast 500 Jahren osmanischer Herrschaft seine Unabhängigkeit.

Unmittelbar danach wurde der Hesse Prinz Alexander Joseph von Battenberg zum ersten Fürsten gewählt. Darauf folgten Ferdinand I., sein Sohn Boris III. und sein Enkel Simeon II. aus dem deutschen Adelsgeschlecht Sachsen-Coburg und Gotha. Letzterer war von 1943 bis 1946 nicht nur der letzte Zar Bulgariens, sondern regierte nach mehreren Jahrzehnten im Exil von 2001 bis 2005 noch einmal als bulgarischer Ministerpräsident.

Der Abschied vom bulgarischen Lew hat sich verzögert

Eigentlich sollte die bisherige bulgarische Währung, der seit 1881 verwendete Lew, schon 2024 abgelöst werden. Doch für einen Euro-Beitritt stellt die EU mehrere Bedingungen – und Bulgarien hatte noch mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Daran hat das Land gearbeitet.

„Bulgarien hat aber auch die Gunst der Stunde genutzt, als die Inflationsrate in allen anderen Ländern sehr hoch war, um das Inflationskriterium zu erfüllen“, erklärt Kolev-Schaefer. „2024 lag Bulgariens Inflationsrate bei nur rund 2,6 Prozent. Aktuell, im Herbst 2025, ist sie wieder bei über 5 Prozent. Damit dürfte Bulgarien eine der höchsten Inflationsraten aller Euro-Länder haben.“

Die EU hat aber schon zuvor, ihren Regeln entsprechend, grünes Licht gegeben. Zum 1. Januar 2026 darf Bulgarien den Euro einführen und wird damit das 21. Land der Euro-Zone. Der Euro-Beitritt sei „ein wichtiger Moment für das Land“, erklärte Christine Lagarde, die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), im Herbst 2025 in Sofia. „Hinter den Kulissen wurde sehr hart auf diesen Schritt hingearbeitet.“

Gleichzeitig mahnte Lagarde, dass Bulgarien jetzt die gemachten Fortschritte ausbauen müsse: „Wenn wir auf Euro-Einführungen anderer Staaten zurückblicken, sehen wir: Das größte Risiko für diese Länder war nicht der Verlust ihrer Souveränität oder steigende Preise. Es war der Verlust an Reformdynamik nach dem Euro-Beitritt“, so die EZB-Präsidentin.

„Korruption ist in Bulgarien nach wie vor weit verbreitet“, sagt Kolev-Schaefer, „die politische Instabilität in den letzten Jahren hat Reformen gerade auch in diesem Punkt erschwert.“ Was die Währung betrifft, erläutert die IW-Expertin: „Bis jetzt hatte Bulgarien keinen Einfluss auf die Geldpolitik des Euro-Raums. Durch den Euro-Beitritt bekommt der Staat Mitspracherecht und die Europäische Zentralbank wird mehr auf die Inflationsentwicklung in Bulgarien achten.“

Bulgariens Motive: So sehen die neuen Euro-Münzen aus

Deutschland hat den Bundesadler und das Brandenburger Tor, Frankreich den Baum des Lebens und die Marianne – welche Bilder zieren die Rückseiten der neuen bulgarischen Euro-Münzen? Eingeführt werden zunächst drei Motive: Der Reiter von Madara ist auf den Cent-Münzen (1 bis 50 Cent) zu sehen. Dieses frühmittelalterliche Felsrelief aus Sandstein befindet sich unweit der ehemaligen Hauptstadt Pliska im Nordosten des Landes. Das Monument zählt seit 1979 zum Weltkulturerbe.

Die 1-Euro-Münze ist St. Ivan Rilski gewidmet: Der erste bulgarische Einsiedler und Gründer des größten bulgarischen Klosters war seit 1999 bereits auf der 1-Lew-Münze abgebildet. Auf der 2-Euro-Münze ist ebenfalls ein Mönch zu sehen: Paìsiy Hilendàrski gilt zudem als erster bekannter Geschichtsschreiber der bulgarischen Nation.

Wird mit dem Euro in Bulgarien alles teurer?

Viele der rund 6,7 Millionen Bulgarinnen und Bulgaren fürchten, dass nun alles teurer wird. Nationalisten und Russland-Anhänger organisierten sogar Demonstrationen gegen den Euro. „Diese Angst gab es in Deutschland damals auch, sie hat sich hierzulande aber bekanntlich nicht bewahrheitet“, erinnert Kolev-Schaefer. „Länder wie Spanien, Italien und Griechenland haben dagegen nach der Euro-Einführung durch steigende Preise an Wettbewerbsfähigkeit verloren, weil der Wechselkurs als Anpassungsmechanismus nicht mehr da war.“

Dieses Risiko hat Bulgarien nicht: „Der Lew wurde nach einer Wirtschaftskrise schon 1997 an die deutsche Währung gekoppelt. Es gibt also seit fast 30 Jahren einen stabilen Wechselkurs.“

Warum der Euro als stabile Währung gilt

  • Unabhängige Geldpolitik: Der Euro wird von der politisch unabhängigen Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt gesteuert. Sie ist nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank geschaffen worden. Das wichtigste Ziel der EZB ist es, die Preise stabil zu halten – das bedeutet: Keine starken Preisschwankungen und niedrige Inflation.
  • Niedriger Zielwert für die Teuerung: Die EZB strebt rund 2 Prozent Inflation an. Weniger wäre riskant: Bei Preissteigerungen nahe null oder gar sinkenden Preisen warten viele Menschen mit größeren Käufen. Das bremst die Wirtschaft – und Deflation ist historisch viel schwerer zu bekämpfen als Inflation. Mit dem 2-Prozent-Ziel schafft die EZB deshalb einen Sicherheitspuffer.
  • Solide Wirtschaftsbasis: Der Euro ist nach dem US-Dollar die zweitwichtigste Währung der Welt. Hinter dem Euro stehen derzeit 20 Staaten der Europäischen Union. Mit Bulgarien kommt 2026 das 21. Land dazu. Die Zusammenarbeit sorgt für Vertrauen und unterstützt die Stabilität der Währung.
  • Schutz vor Währungsschwankungen: Mitglieder der Euro-Zone müssen keine gegenseitigen Wechselkursrisiken mehr fürchten. Das erleichtert Handel, Investitionen und Reisen zwischen den Ländern.
  • Krisenerprobtes Konzept: Seit seiner Einführung hat der Euro viele Krisen überstanden – von der Finanzkrise bis zur Corona-Pandemie – und sich immer wieder als verlässliche Währung bewährt.
Niklas Kuschkowitz
aktiv-Redakteur

Niklas Kuschkowitz schreibt bei aktiv über Wirtschafts- und Politikthemen. Studiert hat er Germanistik, Geschichte und Neuere Geschichte in Osnabrück und Köln. Nach einem journalistischen Fernsehvolontariat arbeitete er als Redakteur für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Sendungen der ARD und in der Unternehmenskommunikation. Privat lösen volle Fußballstadien und gemütliche Kinosäle große Freude in ihm aus. 

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