Der Bildschirm bleibt schwarz, die Maus funktioniert nicht, die Festplatte ist hin – ein klarer Fall für die IT. Bei Linamar Plettenberg gehört Kevin Degenhard seit August 2024 zu den „Ticket-Mastern“, die sich kümmern. Der 24-Jährige macht bei dem Automobilzulieferer eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration.

Linamar Plettenberg, eine der größten Schmieden Europas, gehört zur Mobility-Sparte des kanadischen Linamar-Konzerns mit über 32.000 Mitarbeitern an 75 Standorten. In Plettenberg arbeiten rund 1.000 Menschen, die Produktion von Präzisionskomponenten für die Antriebs- und Fahrwerktechnik ist hochtechnisiert und vernetzt. Da gibt es für die IT einiges zu tun.

„Es gibt Tage, da schafft man es kaum, die Tickets abzuarbeiten und allen Mitarbeitern zu helfen“, erzählt Kevin Degenhard. „Und dann ist es auch mal wieder ruhiger und man kann an Langzeitprojekten arbeiten wie dem testweisen Aufbau eines Firmennetzwerks oder der Einführung eines neuen Systems.“ Diese Vielseitigkeit gefällt ihm. In der Kombi aus Programmieren und Schrauben fühlt er sich wohler als in seinen ersten Berufsjahren. „Werde Schlosser, schrauben kannst du“, hatte sein Vater ihm nach der Realschule in Attendorn geraten.

Zweite Ausbildung fürs gewachsene IT-Interesse

Er wurde Industriemechaniker für Maschinen- und Anlagenbau und verdiente als Facharbeiter gutes Geld. Damit konnte der Auto- und Motorsportfan sein Hobby finanzieren: in der eigenen Halle am Auto basteln, Fahrzeuge fotografisch aufwendig in Szene setzen. „Aber wenn man den ganzen Tag auf der Arbeit geschraubt hat, fehlt nach Feierabend ein bisschen die Lust dazu.“ Außerdem wuchs das Interesse an der Computertechnik. Der Neustart in der IT passte da perfekt.

Die Ausbildung sei sehr intensiv, meint Kevin Degenhard. Er habe zwar die private Vorerfahrung, aber vieles sei neu: „Wer hat schon ein Netzwerk mit Datenbank, Switch, Server, Firewall, VLANs und kilometerlangen Kabeln zu Hause?“ Gestartet ist er direkt mit dem Projekt Umstellung von Windows 10 auf Windows 11. In den drei Azubi-Jahren schnuppert er in alle Bereiche der IT rein, von den Kabelwerfern bis zu den Netzwerkern.

Sein Traumjob: die Arbeit an der Systemsicherheit

„Man muss schon fasziniert sein und bereit, sich mit dem System auseinanderzusetzen“, sagt er. Ihm hat es vor allem der Sicherheitsaspekt angetan. Das Netzwerk gegen unerwünschte Eingriffe schützen – in die Richtung möchte er gehen. Eine Ausbildung dafür gibt es noch nicht, dafür aber andere Spezialisierungen bei den Fachinformatikern. Bei Linamar in Plettenberg wird neben der Systemintegration die Anwendungsentwicklung angeboten. Und für 2026 erstmals gesucht: Fachinformatiker für digitale Vernetzung.

Hildegard Goor-Schotten
Autorin

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten

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