Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Ausgediente Batterien von E-Autos sind oft zu wertvoll, um recycelt zu werden.
  • Ihre hohe Restkapazität lässt sich für sogenannte Second-Life-Anwendungen nutzen, etwa für Solaranlagen oder als Zwischenspeicher im Stromnetz.
  • Die Firma Voltfang hat aus dem Umrüsten alter Batterien zu Stromspeichern ein Geschäftsmodell gemacht.

Wenn die Ampel grün leuchtet, erhält die Batterie eine zweite Chance. Diesmal nicht im E-Auto, sondern in einem großen stationären Stromspeicher – zusammen mit anderen ausgedienten Autobatterien. „Wir schauen uns alle genau an und prüfen Parameter wie Spannung und Temperatur“, erklärt David Mohnen, der beim Speicherhersteller Voltfang aus Aachen die Produktion leitet. Die Module werden mit der Platine „verheiratet“, mit Steckern versehen und in den sogenannten Rack geschoben, wie die modular aufgebauten Speicher im Fachjargon heißen. Zum Schluss wird getestet, ob auch das Gesamtsystem einwandfrei funktioniert.

Das Start-up Voltfang ist eine Ausgründung der RWTH Aachen – und bislang eine echte Erfolgsgeschichte. Die Gründer haben mehrere Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Vor gut sechs Jahren gegründet, beschäftigt Voltfang heute über 100 Mitarbeiter. Die Fabrik, in der die Aachener produzieren, ist Europas größte für Second-Life-Batteriespeicher.

Voltfang hat mehr als 7.000 Batterien vor dem vorzeitigen Ende gerettet

Die Idee, ausgediente Autobatterien weiterzunutzen, kam den drei Gründern in einem gemeinsamen Urlaub. Die Batterie ihres alten Campers schwächelte und die angehenden Ingenieure suchten Ersatz. Dabei entdeckten sie, dass es hochwertige Lithium-Ionen-Batterien von Fahrzeugherstellern günstig zu kaufen gibt. Wenn sie kein Auto mehr versorgen können, haben die meisten noch rund 80 Prozent Restkapazität. In einem stationären Speicher reicht das für weitere 15 bis 20 Jahre.

Derzeit verbaut Voltfang auch viele neuwertige Batterien, die nie in einem Auto waren. Sie haben kaum etwas von ihrer Kapazität eingebüßt. „Das sind Überschüsse aus der Produktion deutscher Autobauer, die den Ausbau der Elektromobilität falsch eingeschätzt haben“, erklärt Gründer und Firmenchef David Oudsandji.

Voltfang hat kürzlich einen riesigen Stromspeicher für einen Energieversorger im Rheinland gebaut

Nachhaltig ist das Ganze auch, da Importe von seltenen Rohstoffen und Ressourcenverbrauch entfallen. Voltfang hat bereits über 7.000 Batteriemodule vor einem vorzeitigen Ende gerettet und in Speicher verschiedener Größen für Gewerbe, Industrie, Kommunen und Netzbetreiber eingebaut. „Die typische Anwendung ist eine Supermarkt-Filiale mit Photovoltaik auf dem Dach“, erklärt Outsandji. „Nachts laufen die Kühlaggregate mit dem gespeicherten Strom weiter.“

Um den Eigenstrom bestmöglich zu nutzen oder alternativ billigen Strom aus dem Netz zu ziehen, hat Voltfang ein Energiemanagementsystem entwickelt. „Derzeit optimieren wir den Energiemanager mit einer KI, die Wetterdaten und Strommarktpreise einbezieht“, sagt Oudsandji. Ziel ist, dass die Kunden möglichst viel Geld und Energie sparen.

Gerade hat Voltfang einen sehr großen Stromspeicher für einen Energieversorger bei Aachen gebaut. Die riesige Batterie kann Elektrizität ein- und ausspeisen, um überschüssigen Ökostrom aufzunehmen und Lastspitzen zu kappen. Weitere Großprojekte in Deutschland und im Süden Europas stehen am Start. „Das Thema Speicher ist in Europa essenziell“, sagt der Firmenchef. „Je mehr Strom aus Sonne und Wind produziert wird, desto mehr Flexibilität brauchen wir.“

Warum Deutschland Batteriespeicher braucht

Batteriespeicher sind ein zentrales Element der Energiewende: Deutschland braucht künftig riesige Speicher, um die schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne ausgleichen zu können. Die Idee, ausrangierte Batterien von E-Autos als Stromspeicher für Unternehmen und Privathäuser weiterzunutzen, ist wirtschaftlich sinnvoll: 2030 werden Prognosen zufolge rund 15 Millionen E-Autos in Deutschland fahren – die Zahl der Alt-Batterien wird also massiv steigen.

Matilda Jordanova-Duda
Autorin

Matilda Jordanova-Duda schreibt für aktiv Betriebsreportagen und Mitarbeiterporträts. Ihre Lieblingsthemen sind Innovationen und die Energiewende. Sie hat Journalismus studiert und arbeitet als freie Autorin für mehrere Print- und Online-Medien, war auch schon beim Radio. Privat findet man sie beim Lesen, Stricken oder Heilkräuter-Sammeln.

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