Das Wichtigste auf einen Blick:
- Der Familienbetrieb Dres Faltschachteln besteht seit über 75 Jahren. Derzeit investiert das Unternehmen 4 Millionen Euro in eine neue Produktionshalle in Schifferstadt.
- Hier arbeitet ein internationales Team mit 20 Beschäftigten aus sechs Nationen.
- 60 Millionen Faltschachteln werden hier jährlich produziert.
Sehr viel Geld in die Hand nehmen, um die Firma für die Zukunft fit zu machen. Und Menschen aus vielen Nationen zu einem produktiven Team formen, das die tägliche Arbeit effizient bewältigt: Beides ist typisch für den deutschen Mittelstand. Das zeigt sich auch beim aktiv-Besuch in einem rheinland-pfälzischen Unternehmen, das seit gut 75 Jahren Faltschachteln produziert.
Verpackung mit vielfältigen Vorteilen
Faltschachteln vereinen Produktschutz, Hygiene, Nutzerkomfort und logistische Effizienz, da sie erst beim Befüllen aufgerichtet werden und dadurch platzsparend transportiert sowie gelagert werden können. So bringt es der Fachverband Faltschachtel-Industrie, kurz FFI, auf den Punkt. Allein dessen Mitglieder stellen an etwa 80 Standorten in Deutschland jährlich fast eine Million Tonnen Faltschachteln her, mit einem Produktionswert von rund 2,2 Milliarden Euro.
Afrim Perizi arbeitet in einer großen Halle – mit bunten Wänden. Was früher mal ein Spieleparadies für Kinder war, ist seit bald zehn Jahren die Produktionshalle der Firma Dres in Schifferstadt. Perizi schiebt einen mit fertigen Faltschachteln gefüllten Karton nach dem anderen auf ein Fließband: die letzte Station vor dem Versand. Präzise wie ein Uhrwerk klebt die neue Etikettiermaschine ein Etikett auf jeden Karton, immer auf die gleiche Stelle. „Vorher haben wir hier per Hand etikettiert“, sagt Perizi. „Mit der neuen Maschine geht das deutlich schneller und genauer.“
Großprojekt im Bau: Neue Produktionshalle soll 2026 endlich fertig werden
Nur ein paar Meter weiter rollen die Bagger: Auf rund 2.000 Quadratmetern entsteht eine zweite Produktionshalle. Sie macht es auch möglich, die Büroräume aus Speyer nach Schifferstadt zu verlegen. „Dann haben wir endlich alles an einem Ort“, sagt Petra Dres. Sie ist eine Enkelin des Firmengründers, leitet seit 2010 die Geschäfte gemeinsam mit ihrem Ehemann Jürgen. Ihre beiden Kinder Nathalie und Christoph haben inzwischen auch Prokura. Sie können also eigenverantwortlich geschäftliche Entscheidungen treffen.
Die Familie hofft, dass der Umzug bis Herbst vollzogen ist. Schon seit 2021 hält Nathalie Dres Interessierte mit einem Bautagebuch auf der Website über die größte Investition der Firmengeschichte auf dem Laufenden. „Verschiedene bürokratische Wirrungen haben das Projekt leider sehr in die Länge gezogen“, sagt sie. Auch die Kosten seien dadurch massiv gestiegen: „Statt der geplanten 3 Millionen Euro gehen wir jetzt von rund 4 Millionen aus. Aber wir müssen das jetzt trotzdem riskieren, um die Zukunft unseres Unternehmens und seiner Arbeitsplätze zu sichern.“
Derzeit produziert der Betrieb rund 60 Millionen Faltschachteln im Jahr, mit seinen 20 Beschäftigten macht das Unternehmen rund 5 Millionen Euro Umsatz.
„Verschiedene bürokratische Wirrungen haben den Neubau leider sehr in die Länge gezogen“
Nathalie Dres, Prokuristin bei Dres Faltschachteln
Faltschachteln bedrucken: Anspruchsvolle Verpackungslösungen von Standardboxen bis zu Sonderformen
Über 3.000 Artikel umfasst das Sortiment, versendet wird europaweit. Die Verpackungsvarianten reichen von klassischen Faltschachteln bis hin zu Sonderformen mit Sichtfenster. Mithilfe von Folien, Farben, Lacken oder Prägungen sind nahezu alle Effekte möglich.
Etwa drei Viertel der Kundenanfragen kommen aus dem sehr anspruchsvollen medizinischen Bereich. Die Dres-Verpackungen für Bandagen, Binden oder Kompressen sind dann vor allem in Kliniken, Arztpraxen und Apotheken zu finden – und manchmal sogar auf der Kino-Leinwand:„Ich habe mir den Blockbuster ‚Black Widow‘ mit Scarlett Johansson und Florence Pugh angeschaut“, sagt Christoph Dres. „In einer Szene decken sich die beiden Heldinnen mit Verbandszeug ein. Und auf einmal ist eine Faltschachtel, die von uns gefertigt wurde, groß im Bild.“
Jede Charge wird hier auf Kundenwunsch hergestellt. „Unsere Kunden kommen zurück. Die Ware nicht“, wirbt die Firma auf der Website. Ein Versprechen, das offenbar gehalten wird: „Wir haben weniger als 1 Prozent Reklamationen“, erklärt Petra Dres zufrieden. „Das zeigt, wie effizient unsere Abläufe sind – und wie zuverlässig unsere Mitarbeiter.“
Internationales Team: Mit Weltoffenheit und Pragmatismus gegen den Fachkräftemangel
Bei der Personalgewinnung setzt die Unternehmerfamilie auf Weltoffenheit und Pragmatismus. „Zuletzt haben wir per Personalleasing qualifizierte Mitarbeiter zu uns geholt, die wir dann zum Teil intern weitergebildet haben“, erklärt Personalleiterin Nathalie Dres. Die 20 Beschäftigten kommen aus sechs Nationen.
Afrim Perizi zum Beispiel ist Albaner, seine Schicht hat er heute gemeinsam mit dem Ukrainer Serhii Alieksieiev, der nach Ausbruch des Kriegs nach Deutschland kam. Dres Faltschachteln hatte da gerade eine Stelle zum Maschinen- und Anlagenführer ausgeschrieben. „Serhii sprach am Anfang kaum Deutsch“, erinnert sich Nathalie Dres, „aber mithilfe eines Übersetzungsprogramms auf seinem Handy hat er uns von sich überzeugt. Und tatsächlich ist er schnell ein wichtiger Mitarbeiter für uns geworden.“

Niklas Kuschkowitz schreibt bei aktiv über Wirtschafts- und Politikthemen. Studiert hat er Germanistik, Geschichte und Neuere Geschichte in Osnabrück und Köln. Nach einem journalistischen Fernsehvolontariat arbeitete er als Redakteur für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Sendungen der ARD und in der Unternehmenskommunikation. Privat lösen volle Fußballstadien und gemütliche Kinosäle große Freude in ihm aus.
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