Das Wichtigste auf einen Blick:
- Vom Schnuller bis zum Stoßfänger: Wenn etwas im Spritzgussverfahren hergestellt wird, kommen Systeme von Günther Heisskanaltechnik zum Einsatz.
- Eine große Herausforderung besteht darin, den Vorsprung vor den chinesischen Wettbewerbern zu halten.
- Dabei helfen eine neue Robotikanlage, Erfahrung, Know-how und ein motiviertes Team.
Unternehmen wie Günther Heisskanaltechnik in Frankenberg an der Eder sind ein Paradebeispiel für den deutschen Maschinenbau, der sich durch eine enorme Innovationskraft weltweit am Markt behauptet. aktiv sprach mit Dr. Stefan Sommer, dem Geschäftsführer des Unternehmens, über die Herausforderung, sich jeden Tag insbesondere gegen den Wettbewerb aus Fernost durchzusetzen.
Herr Dr. Sommer, was erhoffen Sie sich von diesem neuen Jahr 2026?
Gesundheit – alles andere bekommt man dann schon geregelt – und mehr Ruhe und Frieden in der Welt. Ansonsten hoffe ich, dass die demokratischen Parteien endlich erkennen, wie die deutsche Wirtschaft derzeit zu kämpfen hat, und sie in diesem Kampf besser unterstützen. Etwa durch echte Reformen und mehr Investitionen ins Bildungssystem sowie die Förderung von mehr Eigeninitiative. Menschen sollten endlich die gleichen Bildungschancen bekommen, damit sie Möglichkeiten wie eine gute Ausbildung ergreifen und ihr Leben eigenverantwortlich gestalten können. Ein Sozialstaat ist wichtig, er darf aber nicht jegliche Motivation nehmen. Auch das gehört dazu, damit Unternehmen wie wir den Innovationsvorsprung insbesondere vor dem chinesischen Wettbewerb halten können und Deutschland ein Industriestandort bleibt.
Was können Sie, was andere nicht können?
In unserer Welt sieht man überall Produkte aus Kunststoff und Silikon – vom Plastiklöffel oder Spielzeugauto bis zum Stoßfänger am Auto, von der einfachen Verpackung oder Einwegspritze bis zum Schnuller. All das wird im Spritzgussverfahren in Form gebracht. Und wir stellen Heißkanalsysteme her. Das ist die entscheidende Technik für das Spritzgießen, wenn es um komplexe oder auch besonders hochwertige Teile geht. Die werden zum Beispiel in der Medizintechnik-, Elektronik- und Automotive-Industrie gebraucht oder auch, wenn Konsumgüter wie Parfümflakons oder Lippenstifte sowie deren Verpackungen im Premiumbereich hergestellt werden.
„Der Vorsprung vor den Chinesen ist verdammt knapp“
Dr. Stephan Sommer, Geschäftsführer bei Günther Heisskanaltechnik
Welche Rolle spielen Heißkanalsysteme bei der Produktion von Kunststoffteilen?
Unsere Systeme halten den Kunststoff oder auch Silikon flüssig und sorgen dafür, dass das Material über spezielle Düsen zeitgleich in mehrere Formen gespritzt wird. Mit dem Einsatz unserer Heißkanalsysteme ist es möglich, energie- und rohstoffsparend hochwertige Kunststoffartikel herzustellen. Der Spritzprozess wird auch genau definiert beendet. Hierdurch ist es möglich, Artikel ohne Überstände oder störende Angussreste zu fertigen. Einfache Wegwerfartikel aus Kunststoff sind nicht in unserem Fokus. Unsere Kunden fertigen hochwertige Produkte wie Kanülen, edle Verpackungen oder technische Bauteile. Uns zeichnet besonders die Verarbeitung von gefüllten Kunststoffen im technischen Umfeld aus. Hierzu gehört auch die Produktion von Heißkanalsystemen zur parallelen Verarbeitung von Kunststoffen und Silikonen in einer Form, um beispielsweise Kunststoffdeckel mit Silikondichtungen in einem Werkzeug herstellen zu können. Die Herausforderung ist hierbei, den Kunststoff warm und das Silikon kalt zu halten.
Das kann kein chinesischer Wettbewerber?
Im Moment kann ich beruhigt Nein sagen, aber unser Vorsprung vor den Chinesen ist verdammt knapp. 2019 war ich das erste Mal auf der China Plas, Asiens größter Kunststoff- und Kautschukmesse. Damals war alles sehr überschaubar und die angebotene Technik auf einem relativ niedrigen Niveau. Inzwischen ist das eine Riesenmesse mit mehr als 2.500 Ausstellern im vergangenen Jahr. Und die Innovationen, die ich dort entdeckt habe, kamen alle von rein chinesischen Unternehmen. Das gibt einem schon zu denken, zumal die Produktionstechnik der rein chinesischen Firmen immer besser wird. Wir Europäer dürfen uns nicht auf dem bisher Erreichten ausruhen.
Woher kommt Chinas rasante Entwicklung?
Das Land und auch die Menschen dort sind hungrig. Das Ziel, international führend zu sein, wird vom Staat und von den Unternehmen konsequent verfolgt. Dazu gehört auch, dass inzwischen seit Jahrzehnten junge Menschen in die Technologiehochburgen der Welt geschickt werden, damit sie an führenden Universitäten studieren und an unserem Wissen partizipieren können. Staatliche Stipendien bekommen junge Chinesen ausschließlich für MINT-Fächer, sehr selten für Politik, Soziologie oder ähnliche Studiengänge. Inzwischen verfolgen auch Indien und andere asiatische Staaten dieses Konzept. Wir müssen also aufpassen, unser Know-how nicht in die Welt zu tragen, ohne selbst davon zu profitieren.
Exporte stark rückläufig
Die deutschen Exporte nach China sind 2025 massiv eingebrochen. Um mehr als 12 Prozent sind sie in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres zurückgegangen. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Als Gründe nennt das Institut der deutschen Wirtschaft zum einen, dass chinesische Anbieter in wichtigen Industriezweigen massiv aufgeholt haben. Hinzu kommen staatliche Subventionen, mit denen das Regime in Peking die eigene Industrie stärkt. Außerdem gilt Chinas Währung Yuan gegenüber dem Euro als unterbewertet.
Wie wollen Sie in diesem harten internationalen Wettbewerb auf Dauer gegenhalten?
Mit Investitionen wie unserer neuen Robotikanlage für eine mannlose Fertigung, aber vor allem mit guten Ideen, unserer Erfahrung und unserem Know-how. Aktuell arbeiten wir zum Beispiel gemeinsam mit einem Hersteller an einer Heißkanaltechnik für das Spritzen von unterschiedlichen Farben eines PET-Rezyklats. Hauptproblem ist, dass PET nicht gleich PET ist und die Rezyklate daher nie so rein sein können wie ein Neumaterial. Dadurch ist es enorm schwer, bei jeder Charge trotzdem den gleichen Farbton zu reproduzieren.
Welche Rolle spielen bei all dem Ihre Beschäftigten?
Gute Ideen, Erfahrung und Know-how sind für mich letztlich gleichbedeutend mit großartigen engagierten und motivierten Beschäftigten. Ich bin schon sehr stolz auf unser Team hier, das diese ganze Problematik sehr gut verstanden hat. Jeder bei uns gibt jeden Tag sein Bestes und es gehört sicher mit zu meinem Job als Geschäftsführer, dass das so bleibt. Ich sehe meine Aufgabe darin, ein entsprechendes Arbeitsumfeld zu ermöglichen und alles zu kanalisieren.
Wollten Sie bei Günther Heisskanaltechnik schon immer Geschäftsführer werden?
Meine Mutter Siegrid Sommer war mit die erste Mitarbeiterin, die Herbert Günther einstellte, nachdem er 1985 Günther Heißkanal gegründet hatte. 2004 wurde sie Geschäftsführerin. Herr Günther kennt mich von klein auf als einen Technikfreak und wollte mich gerne im Team haben. Tatsächlich machte er mir dann bei meiner Promotionsfeier ein konkretes Angebot. Und heute bin ich selbst immer wieder erstaunt, wie viel Freude mir meine Arbeit jeden Tag macht.
Zur Person
Dr. Stefan Sommer, geboren 1988 in Frankenberg (Eder)
- Abitur in Frankenberg (Eder).
- Physik- und Mathe-Studium an der Philipps-Universität in Marburg mit anschließender Promotion zum Dr. rer. nat.
- Günther Heisskanaltechnik: 2018 Assistent der Geschäftsleitung, 2019 Prokura, 2022 Leiter FuE Regeltechnik.
- Geschäftsführer und CEO von Günther Heisskanaltechnik seit Januar 2023.

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.
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