Das Wichtigste auf einen Blick:

  • In Museen und Archiven ist immer noch ein Großteil der Bestände noch nicht digitalisiert.
  • Um historische Bücher, Dokumente und Kunstwerke ins Digitale zu überführen, braucht es Scanner mit hochauflösenden Kameras.
  • Das Unternehmen Microbox arbeitet schon seit 1958 an hochauflösenden Kameras und ist hier weltweit führend.

Herr Welp, was können Sie, was andere nicht können?

Tim Welp: Nun, wir bauen die schärfsten Kameras der Welt. Oder anders gesagt, die präzisesten mit der höchsten und besten Auflösung. Sie sind das Herzstück der Maschinen beziehungsweise Scanner, die wir entwickeln und produzieren.

Wofür werden Ihre Maschinen gebraucht?

Stephan Welp: Sie sind eine wichtige Schnittstelle zwischen der analogen und der digitalen Welt. Microbox wurde 1958 von meinem Vater gegründet. Er brachte die erste hochauflösende Großformatkamera auf den Markt. Mit ihr waren erstmals maßstabsgetreue und verzerrungsfreie Aufnahmen bis zum DIN-A0-Format möglich – eine Riesenerleichterung für das Vermessungs- und Katasterwesen. Zudem halfen wir bei der Miniaturisierung von Aktenbergen über Mikrofilm. Darauf aufbauend bringen wir heute Bücher und andere Kulturgüter in die digitale Welt.

Warum ist diese Digitalisierung wichtig?

Tim Welp: Zum einen will man Kulturschätze für die Nachwelt sichern. Zum anderen öffnet sich durch die Digitalisierung eine Welt, die oft nur Spezialisten in ihren jeweiligen Fachgebieten zugänglich ist. Ich glaube, diese Zeit, die wir gerade erleben, ist mindestens so spannend wie die Zeit Johannes Gutenbergs, als dieser im 15. Jahrhundert den Buchdruck erfand. Letztlich war der Buchdruck so was wie das Internet des Mittelalters. Durch ihn wurde das bis dahin in handgeschriebenen Büchern verborgene Wissen allen Menschen zugänglich, sobald sie lesen lernten. Und mit der Digitalisierung geht es nun noch einen Schritt weiter.

Was meinen Sie damit?

Stephan Welp: Historiker sind es gewohnt, sich auf der Suche nach Informationen tage- und wochenlang durch staubige Archive zu quälen. Durch die Digitalisierung wird man elektronisch per Suchfunktion darin stöbern können. Gerade haben wir zum Beispiel ein Spektralsystem ins Deutsche Bundesarchiv geliefert. Damit werden 87 Milliarden Dokumente, also etwa 1.000 Lkw-Ladungen Papier, aus den Jahren 1933 bis 1945 digitalisiert. Oder stellen Sie sich vor, die Urfassung des Koran könnte von jedem Menschen gelesen werden. Würde das unsere Welt verändern? Wie gesagt, wir leben in spannenden Zeiten.

„Die Zeit, die wir gerade erleben, ist mindestens so spannend wie die Zeit Johannes Gutenbergs“ 

Tim Welp, Co-Geschäftsführer von Microbox

Wo findet man Ihre Systeme überall?

Stephan Welp: In den Bibliotheken und Museen der Welt. Das beginnt beim Frankfurter Städel – denn auch die bildende Kunst setzt auf unsere Technik – und geht bis zur British Library in London oder der Nationalbibliothek der Vereinigten Staaten in Washington D. C. Alle großen Bibliotheken weltweit verwenden unsere Book2net-Scanner zur Digitalisierung ihrer Bestände. Aktuell sind etwa 6.000 Installationen von uns im Einsatz, allein rund 1.000 stehen in China, unserem stärksten Exportland. Dort werden damit neben Kulturgütern vor allem Gerichtsakten digitalisiert. Und auch die Tech-Giganten in den USA nutzen unsere Technik, um KIs mit Büchern zu trainieren.

Museen in Deutschland

Deutschland verfügt über eine der dichtesten Museumslandschaften der Welt: 2022 gab es hierzulande rund 4.120 Museen, so neueste Zahlen des Statistischen Bundesamts (2025). 466 davon sind naturwissenschaftliche und technische Museen – fast genauso viele (465) widmen sich der Kunst. Die allermeisten sind geschichtliche Museen.

Geht das alles automatisch?

Tim Welp: Bei industriell gefertigten Standardformaten: ja. Knifflig wird es, sobald es um alte Bücher geht. Da gab es noch keine DIN-Formate oder einheitliche Grammaturen beim Papier. Die besten Ergebnisse beim Scannen erzielen dann Mensch und Maschine gemeinsam.

„Wir sind ein Team von 50 Menschen, die gemeinsam 14 Sprachen beherrschen“ 

Stephan Welp, Co-Geschäftsführer von Microbox

Was ist die Herausforderung dabei?

Stephan Welp: Man muss die konservatorischen Anforderungen der Bücher mit industrieller Produktivität verknüpfen und das bei höchster Qualität. Oft genug geht es tatsächlich schneller, wenn der Mensch die Seiten von Hand umblättert, gerade bei seltenen oder einzigartigen Büchern, die zum Beispiel nur mit Handschuhen angefasst werden dürfen. Aber auch dann schafft man ein komplettes Buch in einem Tag.

Welche Rolle spielen bei all dem Ihre Mitarbeiter?

Stephan Welp: Die größte. Ohne sie wären wir nicht da, wo wir heute sind. Wir sind bei Microbox ein Team von 50 Menschen mit den verschiedensten Berufen, die gemeinsam 14 verschiedene Sprachen beherrschen, darunter auch Chinesisch und Arabisch. Internationale Kunden können bei uns mit hoher Wahrscheinlichkeit in ihrer Landessprache Auskunft bekommen. Jeder gibt hier jeden Tag vollen Einsatz, weil wir viel tun, damit sie gerne kommen und weil unsere Arbeit faszinierend ist.

Wie sieht die Zukunft von Microbox aus?

Tim Welp: Wir arbeiten weiter daran, die entscheidende Schnittstelle zu sein zwischen analoger und digitaler Welt. Dabei setzen wir auch auf KI. Weltweit warten Bücher und vieles mehr darauf, in die digitale Welt zu kommen. 13 Millionen Insekten sind es allein im naturkundlichen Museum in Berlin – wir kümmern uns darum.

Zu den Personen

  • Stephan Welp, geboren 1958 in Frankfurt.
  • Wirtschaftsingenieurstudium an der Fachhochschule Friedberg (heute Technische Hochschule Mittelhessen).
  • Auslandsstudium in den USA, anschließend Berufseinstieg in der Industrie.
  • 1986 Einstieg bei Microbox in Bad Nauheim.
  • Seit 1992 geschäftsführender Gesellschafter von Microbox.

     

  • Tim Welp, geboren 1991 in Frankfurt.
  • Wirtschaftsingenieurstudium an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Sachsen.
  • 2019 Masterabschluss nach Ingenieurstudium an der TU Darmstadt.
  • 2019 Einstieg bei Microbox in Bad Nauheim.
  • Seit 2020 Mitglied der Geschäftsleitung von Microbox.
Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

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