Digitaldruck in neuer Dimension: So entstehen bei Hertel edle Verpackungen aus Karton
Seit 75 Jahren fertigt Hertel Kartonagen Verpackungen. Der moderne Digitaldruck macht besondere Verpackungen mit Prägungen, Folien und 3D-Effekten möglich. Dafür hat das Familienunternehmen aus Bayreuth kräftig investiert.
- Hertel Kartonagen hat mehr als 1 Millionen Euro in den Ausbau seines modernen Anlagenparks investiert.
- Der 50-Mann-Betrieb feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Firmenjubiläum.
- Für die Zukunft setzt das Familienunternehmen auf moderne Fertigungsanlagen und nachhaltige Fertigung.
Wer Stefan Riedl bei der Arbeit zuschaut, merkt schnell, wie begeistert er von der neuen Anlage ist, die er nun bei Hertel Kartonagen in Bayreuth betreut. Was die „Scodix Ultra 6500 SHD“ alles kann, zeigt der Maschinen- und Anlagenführer beim aktiv-Besuch gerne und auch anhand einer Musterkarte.
Digitaldruck bei Hertel macht außergewöhnliche Effekte mögich
Stolz erklärt Riedl mögliche Prägungen und 3D-Hologramme, den Einsatz von Gold- und Silberfolien, Glitzer- oder Kristall-Effekte – und so weiter. „Das hier ist Digitaldruck in einer neuen Dimension“, betont er, „denn hier bekommen Druckbogen in einem Durchgang ein luxuriöses Design – ohne dass man Klischees oder Werkzeuge wechseln muss. Jeder Bogen kann komplett anders sein!“ Die mehr als 1 Million Euro teure Anlage ist nach Angabe des Herstellers Scodix die weltweit fortschrittlichste digitale Veredelungslösung für die Druck-Industrie. Und bei Hertel steht seit Anfang des Jahres eine der ersten Anlagen dieser Art für die Verpackungsherstellung in Deutschland.
„Sie ging pünktlich zum 75-jährigen Firmenjubiläum in Betrieb“, freut sich Geschäftsführer Andreas Hertel, der das Unternehmen gemeinsam mit seinen Eltern leitet. Der Betrieb mit knapp 50 Beschäftigten hat sich zu einem führenden Spezialisten für maßgeschneiderte Verpackungs- und Kartonagenlösungen entwickelt. Gefertigt werden etwa Werbemittel wie Puzzles oder Memos inklusive Kartonverpackung und Stülpdeckelkartons für Brett- und Gesellschaftsspiele, die manchmal sogar Teil eines Spielaufbaus sind. Auch Firmen unter anderem aus der Medien-, Spiele-, Porzellan-, Kosmetik- und Bekleidungsindustrie zählen zum Kundenstamm.
Investition bringt neue Möglichkeiten für die hochwertigen Produkte
Für die Musikbranche produziert Hertel unter anderem Sammlerboxen für LPs, CDs und DVDs. Nach einem seiner Lieblingsprodukte gefragt, muss Andreas Hertel nicht lange nachdenken: Er zeigt eine schillernde LP-Box mit den besten Songs, die in den vergangenen Jahrzehnten beim Kunst- und Musikfestival Tomorrowland zu Hits wurden. Auf dem Cover sind sogar die zum Event gehörenden wabernden Rauchschwaden zu erkennen. „Schon so was kann längst nicht jeder drucken“, weiß der Unternehmer.
Die Packmitteltechnologin Anna Bayerl ist ebenfalls begeistert von den zusätzlichen Möglichkeiten, die die neue Anlage hier bringt. Bayerl arbeitet in der Konstruktionsabteilung und liebt es, hochwertige Verpackungen auszutüfteln. Dank Retro-Trends sind darunter zunehmend auch aufwendige Hüllen und Boxen für Songs von Kultbands vergangener Zeiten. „Viele Fans etwa der Beatles, von Queen oder Led Zeppelin wollen sich eben was Schönes ins Regal stellen. Und für mich sind das schon Highlights, wenn wir solch tolle Sachen für Weltstars machen dürfen“, sagt Bayerl.
Neue Verpackungen aus Karton: Wie Hertel den Digitaldruck nutzt und auf Nachhaltigkeit setzt
Sie und ihre Kollegen sind gefragt, wenn es um die erste Umsetzung von Kundenideen geht. „Mal soll eine Box im Dunkeln leuchten, mal wie ein Edelstein glitzern oder mit einer Carbon-Optik beeindrucken.“ Dann wieder geht es um eine fortlaufende personalisierte Nummerierung von Schachteln oder auch edlen Eintrittskarten.
Damit solche speziellen Dinge schnell und rentabel hergestellt werden können, setzt man bei Hertel schon traditionell auf kontinuierliche Investitionen in neue Technologien – aber auch in eine nachhaltige Produktion. So wurde zur Ergänzung der neuen Scodix Ultra eine vollautomatische Überzugsanlage angeschafft: Sie verarbeitet Kartonagen-Formate, die bisher nur durch aufwendige Handarbeit hergestellt werden konnten. „Damit setzen wir neue Maßstäbe bei der Veredelung von Bezugskartonagen“, betont Andreas Hertel.
Auch das Thema Nachhaltigkeit ist dem Unternehmen wichtig. 2010 ist Hertel in ein durchweg nach ökologischen Gesichtspunkten konzipiertes neues Werk am Stadtrand umgezogen. Im Jubiläumsjahr hat man noch einen neuen Stromspeicher in Betrieb genommen, um die Leistung der eigenen Photovoltaik-Anlage noch besser nutzen zu können.
„Mit der vollautomatischen Überzugsanlage setzen wir neue Maßstäbe bei der Veredelung von Bezugskartonagen“ Andreas Hertel, Geschäftsführer
„So stärken wir die energieeffiziente Fertigung und unterstreichen unser langfristiges Engagement für ressourcenschonende Produktionsprozesse“, sagte der Geschäftsführer im Rahmen der gemeinsamen Jubiläumsfeier für die Kunden, die Lieferanten und die Beschäftigten. Für ihn bedeutete das Jubiläum nicht nur den Rückblick auf eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte, sondern auch das Bekenntnis zu Innovation, Nachhaltigkeit und regionaler Verbundenheit: „Wir feiern einen Meilenstein – und können gleichzeitig den Blick auf die kommenden Jahrzehnte richten.“
Digitaldruck macht Verpackungen wettbewerbsfähiger
Das Verfahren eignet sich nach Angaben des internationalen Marktforschungsunternehmens Smithers aus den USA besonders für Etiketten, Faltschachteln, flexible Verpackungen, Wellpappe und Metallverpackungen. Es ermöglicht kleine Auflagen, viele Varianten, Sondereditionen und personalisierte Verpackungen. Weil Druckplatten und lange Rüstzeiten entfallen, können Unternehmen schneller und mit geringeren Vorlaufkosten produzieren. Das stärkt ihre Wettbewerbsfähigkeit, besonders bei häufigen Motivwechseln und kleinen Stückzahlen. Für große, gleichbleibende Auflagen bleiben klassische Verfahren meist günstiger. Ökologisch kann Digitaldruck Rüstabfälle, Überproduktion und Lagerbestände verringern. Die Gesamtbilanz hängt jedoch auch von Material, Farben, Energieverbrauch und Recyclingfähigkeit ab.
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