Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Mehr als eine Million Einsatzstunden leisten DLRG-Mitglieder in Bayern pro Jahr. Die Ehrenamtlichen sorgen für Sicherheit am, im und auf dem Wasser und tun ihr Möglichstes, um Unglücke zu verhindern.
  • Dennoch kommt es in Bayern aufgrund der zahlreichen Seen und Flüsse immer wieder zu Badeunfällen, allein im letzten Sommer ertranken 84 Menschen.
  • Wichtigste Regeln: Nie allein ins Wasser, beim Wassersport Schwimmwesten tragen. Und Kindern das Schwimmen beibringen – jedes fünfte Grundschulkind in Deutschland kann das laut DLRG-Umfrage nicht.

Spielenachmittag im Hallenbad. Ein Kind im Becken verlässt die Kraft, sein Kopf gerät immer wieder unter Wasser. Ein Rettungsschwimmer am Rand reagiert, springt rein und rettet es. Oder: Geburtstagsfeier am Schliersee. Ein junger Mann wird vermisst. Die DLRG kommt mit Tauchern und Boot. Bevor man es zu Wasser lässt: Entwarnung. Der Vermisste wurde wohlbehalten an Land gefunden.

Nicht alle Einsätze der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) gehen so gut aus. Wegen der vielen Seen und teils reißenden Flüssen gibt es im Freistaat immer wieder Badeunfälle. Allein 84 Menschen sind hier vergangenen Sommer ertrunken.

Eine Million Stunden für die Sicherheit am Wasser

Die DLRG tut ihr Möglichstes, um solche Unglücke zu verhindern, klärt auf, sorgt für Sicherheit am, im und auf dem Wasser. Ehrenamtliche DLRGler in Bayern leisteten 2024 mehr als eine Million Stunden. Einer von ihnen ist Jürgen Temmler, Prozesskoordinator für Business-Intelligence-Systeme beim Münchner Familienunternehmen Meiller-Kipper. Sein zweites Zuhause ist die Wasserrettungsstation Pöcking am Starnberger See. „Hier habe ich mit zwölf Jahren meine Ausbildung zum Rettungsschwimmer begonnen“, sagt er.

Inzwischen ist der Wirtschaftsingenieur Vizepräsident der DLRG Bayern. Trotz der vielen politischen und repräsentativen Aufgaben, die dieses Amt mit sich bringt, trifft man ihn häufig am Wasser. Er ist Einsatzleiter, Bootsführer, hat mehrere Fachausbildungen absolviert.

1,9 Millionen Mitglieder hat die DLRG. Sie ist die größte Wasserrettungsorganisation der Welt

Quelle: DLRG

Zudem ist Temmler aktiv als „Air Rescue Spezialist“ in der hubschraubergestützten Wasserrettung. Sie eilt etwa vom Hochwasser Eingeschlossenen zu Hilfe. Aus den vielen Einsätzen ist ihm einer, bei dem er Einsatzleiter war, besonders in Erinnerung geblieben. Im November 2023 kenterte vor Possenhofen ein Vierer mit Steuermann. Keiner der Wassersportler trug eine Rettungsweste, Wassertemperatur: 12 Grad, da zählt jede Minute. Vermutlich nur aufgrund der zufällig besetzten Wasserrettungsstation konnten alle gerettet werden.

Ersthelfer im Betrieb

Auch in Unternehmen gibt es Lebensretter. Nach Arbeitsschutz- und DGUV-Vorgaben muss jeder Betrieb sogenannte Ersthelfer benennen und ihre Erreichbarkeit sicherstellen (etwa per Aushang) sowie geeignete Erste-Hilfe-Ausstattung wie Verbandskästen und Notrufpläne bereitstellen. Ersthelfer sichern zum Beispiel Unfallstellen, leisten Erste Hilfe, versorgen Verletzte und sorgen dafür, dass professionelle Hilfe schnell nachalarmiert wird. Ihre Grundausbildung umfasst in der Regel mehrere Unterrichtseinheiten und wird von anerkannten Stellen wie zum Beispiel dem Deutschen Roten Kreuz durchgeführt. Wichtig: Ersthelfer handeln im Auftrag des Arbeitgebers und sind bei der Ausübung ihrer Tätigkeit unfallversichert sowie rechtlich geschützt.

Ein Fünftel der Grundschüler kann nicht schwimmen

Dem DLRGler liegt Sicherheit am Herzen: Nie allein ins Wasser, beim Wassersport Schwimmwesten tragen und den Kindern das Schwimmen beibringen: Einem Fünftel der Grundschüler fehlt laut DLRG-Umfrage diese lebensrettende Fähigkeit.

Das ist die DLRG

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist mit über 1,9 Millionen Mitgliedern die größte Wasserrettungsorganisation der Welt und setzt sich dafür ein, Menschen vor dem Ertrinken zu schützen. Seit 1950 haben fast 23 Millionen Menschen eine Schwimmprüfung abgelegt, rund fünf Millionen wurden zu Rettungsschwimmern ausgebildet. Allein in Bayern lernen jedes Jahr mehr als 30.000 Menschen Schwimmen und Retten. Mit Aufklärung, Ausbildung und einem dichten Netz an Einsatzkräften sorgt die DLRG für Sicherheit an Gewässern.

Dennoch gab es 2024 bundesweit 411 tödliche Badeunfälle, häufig in den Sommermonaten und oft bei älteren Menschen. Risiken wie der Sprung ins kalte Wasser oder Unterkühlung werden unterschätzt – pro Grad Wassertemperatur bleibt oft nur etwa eine Minute Überlebenszeit. Auch Unfälle mit Freizeitgeräten nehmen zu. Im Notfall sind schnelles Handeln und ein Notruf entscheidend. Besonders Männer verunglücken häufiger, da sie ihre Fähigkeiten oft überschätzen.

Sorge bereitet zudem, dass viele Kinder nicht sicher schwimmen können. Gleichzeitig gewinnt der Katastrophenschutz für die DLRG an Bedeutung, etwa bei Hochwasser oder auch im Wintereinsatz. Wer körperlich fit ist, kann sich bei der DLRG ausbilden lassen, Schwimmabzeichen und Lehrgänge machen. Die Rettungsfähigkeit wird regelmäßig überprüft, um die ehrenamtlichen Retterinnen und Retter bestmöglich auf die Einsätze vorzubereiten.

Friederike Storz
aktiv-Redakteurin

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.

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