Sie sind die Lebensadern der Gesellschaft: Ohne Straßen wäre die Menschheit im wahrsten Sinne nicht weit gekommen. Sie verbinden Kulturen, ermöglichen den Austausch von Gütern, erweitern den Horizont.

Der erste geordnete Straßenbau geht bereits auf die Bronzezeit 2600 bis 1800 vor Christus zurück. In Städten wie Mohenjo-Daro im heutigen Pakistan gab es bereits gepflasterte Straßen mit Abwasser-Kanalisation. Die Römer bauten feste Wege vor allem für militärische Zwecke. Heute gibt es allein in Deutschland mehr als 230.000 Kilometer überörtliches Straßenland – Autobahnen, Bundesstraßen, Landstraßen und Kreisstraßen.

So unterschiedlich die Landschaften und Städte, so kurios ihre Verkehrsachsen. Im Folgenden zeigen wir Ihnen die extremsten Straßen Deutschlands und der Welt:
 

Die steilste Straße der Welt: Die Baldwin Street in Dunedin (Neuseeland)

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Der Beton ist aufgeraut, damit die Autoreifen besseren Halt haben, dennoch wird der Postbote diese Straße verfluchen. Denn die Baldwin Street nahe der neuseeländischen Stadt Dunedin steht als steilste Straße der Welt im Guinness-Buch der Rekorde. Auf 350 Metern Länge überwindet sie 69,2 Meter Höhenunterschied, ihre maximale Steigung beträgt rund 35 Prozent. Der Bayer Thomas Hugenschmidt soll vor 16 Jahren mit seinem Fahrrad 117,3 Stundenkilometer schnell die Baldwin Street hinuntergesaust sein. Auch das gilt als Rekord.

Die kurvigste Straße der Welt: Lombard Street in San Francisco

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Die Lombard Street auf dem Russian Hill im amerikanischen San Francisco war bis Anfang der 1920er-Jahre so steil, dass manche Autofahrer und Fußgänger Probleme bekamen. Deshalb wurde sie in Serpentinenform angelegt. Nun ist sie nicht mehr so stark ansteigend, dafür aber laut Guinness-Buch der Rekorde die kurvigste Straße der Welt. Auf nur 400 Metern Länge schlängelt sich der Verkehr durch acht Haarnadelkurven bergab. Die Lombard Street ist ein Zubringer zur Golden Gate Bridge und eine der wichtigsten Verkehrsachsen San Franciscos. Die Haarnadel-Kurven dienten auch in mehreren Filmen als Kulisse: So saust etwa in „Ein toller Käfer“ der VW Herbie in Windeseile den Hügel herab.

Die engste Straße der Welt: Die Spreuerhofstraße in Reutlingen (Baden-Württemberg)

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Ein Käfer passt hier nicht durch, noch nicht einmal ein Kinderwagen hat genug Platz. Die Spreuerhofstraße im baden-württembergischen Reutlingen ist etwa 50 Meter lang – an ihrer engsten Stelle aber nur 31 Zentimeter breit. Das reichte 2007 für einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Die Gasse entstand nach dem großen Stadtbrand von 1728 und diente vermutlich als Fluchtweg und kühler Abstellplatz für Milchgefäße. Vor einigen Jahren war die Touristen-Attraktion jedoch in Gefahr: Das Gebälk des angrenzenden Hauses war so morsch geworden, dass die Gasse drohte, unpassierbar zu werden. Doch alles wurde gut: Die Stadt Reutlingen kaufte das Gebäude und sanierte es.

Die längste Straße der Welt: Die Panamericana

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Geradezu winzig ist die A 100 im Vergleich zur Panamericana. Die längste Straße der Welt ist etwa 25.000 Kilometer lang und verbindet Alaska mit dem Süden Argentiniens, führt also einmal quer durch den amerikanischen Kontinent. Die Qualität des Straßennetzes ist allerdings sehr unterschiedlich: Die Panamericana führt durch Dschungel und Hochgebirge, streckenweise kann sie nur in der Trockenzeit befahren werden. Zwischen dem Panama-Kanal und Nordwest-Kolumbien ist sie außerdem auf 90 Kilometern unterbrochen. Berühmt geworden ist die „Carrera Panamericana“ – eine ziemlich verrückte Oldtimerrallye auf öffentlichem Straßenland quer durch Mexiko.

Die kälteste Straße der Welt: Die Kolyma-Straße

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Entlang der Strecke wurden Temperaturen niedriger als minus 60 Grad gemessen: Die 2031 Kilometer lange Kolyma-Straße im Osten Russlands führt von Nischni Bestjach nach Magadan und hat es als kälteste Straße der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Gebaut wurde der erste Teil der nach dem Fluss Kolyma benannten Route zwischen den 1930er- und 1950er-Jahren. Weil dabei viele der eingesetzten Häftlinge der sowjetischen Straflager ums Leben kamen, bekam die unterkühlte Strecke gruselige Spitznamen: „Straße der Knochen“ etwa oder „Straße des Todes“.

Die längste Eisstraße der Welt: Die Tibbitt to Contwoyto

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Winter Road Ziemlich frostig und nicht ganz ungefährlich geht es auch auf dieser Straße zu: Die Tibbitt to Contwoyto Winter Road dient der Versorgung der Minen in den kanadischen Nordwest-Territorien und im Territorium Nunavut. Sie ist etwa 600 Kilometer lang und führt zu 87 Prozent über zugefrorene Seen. Die laut Guinness-Buch der Rekorde längste Eisstraße der Welt trägt ihren Namen, weil sie auf dem Tibbitt Lake beginnt und am Contwoyto Lake endet. Seit 1982 wird sie in jedem Winter aufs Neue angelegt. Es dauert etwa fünf bis sechs Wochen, bis die Route vom Schnee befreit ist. Nach der Dicke des Eises richtet sich das maximale Gewicht der Trucks. Außerdem gibt es strenge Tempolimits. Damit Diesel, Reifen oder Baumaterial in die rar besiedelten Polargebiete gebracht werden können, bleibt die Eisstraße etwa acht bis zehn Wochen geöffnet.

Die höchste Straße der Welt: Der Karakorum Highway

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In Kanada kann das Eis dünn werden – im Fernen Osten die Luft: Der Karakorum Highway ist eine 1.284 Kilometer lange Fernstraße, die Kaschgar in der westchinesischen Provinz Xinjiang mit Havelian im Nordwesten Pakistans verbindet. Ihren höchsten Punkt bildet auf 4.693 Metern Höhe der Kunjirap-Pass. Und damit ist der Karakorum Highway die höchstgelegene Fernstraße der Welt mit spektakulären Ausblicken. So führt sie unter anderem am Achttausender Nanga Parbat im westlichen Himalaya-Gebirge entlang.

Der tiefste Straßentunnel der Welt: Der Eiksundtunnel

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Wer lieber ganz tief unten unterwegs ist, sollte mal nach Norwegen fahren. Dort befindet sich mit dem Eiksundtunnel der tiefste Straßentunnel der Welt, so das Guinness-Buch der Rekorde. Das 2008 fertiggestellte, etwa 7,7 Kilometer lange Bauwerk liegt etwa 350 Kilometer nördlich von Bergen und bis zu 287 Meter unter dem Meeresspiegel. Es verbindet die im Westen Norwegens gelegene Insel Hareidlandet mit dem Festland. Schon kurz nach Eröffnung des Eiksundtunnels kam es zu einem folgenschweren Unfall: An seiner tiefsten Stelle stießen zwei Autos zusammen, fünf Menschen kamen ums Leben.

Die erste Autobahn Deutschlands: Die A 555

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Das Gerücht hält sich hartnäckig, aber es waren nicht die Nazis, die die Autobahn erfanden. Die erste öffentlich zugängliche Autobahn Deutschlands gab bereits Anfang August 1932 der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer für den Verkehr frei, so der Verein Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte. Es war die heutige A 555 zwischen Köln und Bonn. Sie hieß damals offiziell Kraftwagenstraße und ermöglichte ein kreuzungsfreies Fortkommen zwischen den beiden Städten des mit Verkehr überlasteten Rheinlands. Die Nazis ignorierten die „Nur-Autostraße“ und verkauften die Idee der Autobahn als ihre eigene. Heute wird die A 555 von täglich bis zu 80.000 Fahrzeugen genutzt.

Die längste und die kürzeste Autobahn Deutschlands: Die A 7 und die A 252

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Sie beginnt an der dänischen und endet an der österreichischen Grenze: Die A 7 ist laut Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte mit rund 960 Kilometern Deutschlands und sogar Europas längste Autobahn. 1937 wurde der erste Abschnitt zwischen Kassel und Göttingen eröffnet (oben im Bild: Autobahnkreuz bei Ulm). Heute führt die A 7 durch sechs Bundesländer. In Hamburg kommt sie übrigens der kürzesten Autobahn Deutschlands sehr nahe: Es ist die A 252 mit gerade einmal 1,5 Kilometern Länge.