Vereinte Nationen, dazu Friede und Zusammenarbeit: Für dieses Ziel gründeten sich 1945 die UN, direkt nach dem Ende der Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Nicht selten in ihrer Geschichte geriet die Weltorganisation danach an ihre Grenzen. Doch nimmt man ihr Wirken unter die Lupe, zeigt sich: Die Vereinten Nationen sind ein Geschenk an die Menschheit.

Außen- und Sicherheitspolitik

Blauhelme: Auf Friedensmissionen rund um den Globus.

Die Charta der Vereinten Nationen schreibt dem 1946 geschaffenen Weltsicherheitsrat „die Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit“ zu. Das UN-Organ scheitert aber oft am Vetorecht, mit dem jedes der fünf ständigen Mitglieder (USA, China, Russland, Frankreich, Großbritannien) Beschlüsse verhindern kann. So stoppten Russland und China Sanktionen gegen Syrien. Trotz allen Reformbedarfs aber ist der Rat ein wichtiges diplomatisches Gesprächsforum.

    Zudem entscheidet der Weltsicherheitsrat über den Einsatz der UN-Friedenstruppen. Diese 1948 gegründeten und als „Blauhelme“ bekannten bewaffneten militärischen Einheiten sind derzeit vor allem in Afrika und im Nahen Osten im Einsatz. Die derzeit rund 75.000 Soldaten und 15.000 Polizisten werden von 121 Staaten entsandt.

    Der Internationale Gerichtshof in Den Haag urteilt seit 1945 über Verstöße gegen das Völkerrecht, bei Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen. Allerdings haben sich bisher nur 73 Staaten in einer entsprechenden „Unterwerfungserklärung“ verpflichtet, die Urteile anzunehmen – darunter Deutschland, nicht aber die USA, China und Russland.

    Humanitäre Hilfe, Gesundheit und Bildung

    Pocken: Dank der WHO-Impfstrategie ausgerottet.

    Den Hunger bekämpfen, die Welt gesünder machen, die Bildung der Menschen verbessern – auch das haben sich die Vereinten Nationen vorgenommen. Das Welternährungsprogramm (WFP) erhielt für sein Engagement im Kampf gegen Hunger in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Die Mitarbeiter des WFP versorgen nach Naturkatastrophen, Dürren oder in Kriegssituationen Menschen mit Nahrungsmitteln. Wie etwa in Syrien. Die Welternährungsorganisation (FAO) dagegen will Produktion und Verteilung von Agrarprodukten in ihren Mitgliedsländern verbessern. Sie vermittelt technisches Know-how und betreut Tausende Projekte. Im letzten Jahr waren laut ihren Zahlen 690 Millionen Menschen unterernährt.

    Auf manchen Erfolg kann die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Sitz in Genf zurückblicken. Zum Beispiel bei der Bekämpfung der Pocken, die seit 1980 als ausgerottet gelten. Für die Kinderlähmung strebt die WHO das in den nächsten Jahren an. Kritik gab es an ihrem Zögern, Corona zur Pandemie zu erklären.

    Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) leistet humanitäre Hilfe für Flüchtlinge in Krisenregionen. Die Unesco fördert Bildung, Wissenschaft, Kultur. Und sie stuft die Welterbestätten ein. Auch sie entstand aufgrund der Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und will den „Frieden im Geist der Menschen“ verankern.

    Wirtschafts-, Handels-und  Entwicklungskooperation

    Faire Arbeit:
</p><p>Auch das ist
</p><p>ein Ziel, an
</p><p>dem die UN
</p><p>arbeiten.

    Ein dauerhafter Weltfrieden kann nur geschaffen werden, wenn er auf sozialer Gerechtigkeit beruht: Diese Überzeugung leitet die Internationale Arbeitsorganisation, kurz ILO oder IAO. Gegründet wurde sie nach dem Ersten Weltkrieg, während der Versailler Friedenskonferenz 1919. Die ILO ist die einzige UN-Organisation, in deren Organen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervereinigungen vertreten sind. Zentrale Aufgabe: die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Menschen in aller Welt.

    Der Internationale Währungsfonds (IWF oder auch IMF) sowie die Weltbank sind 1944 gegründet worden, also während des Zweiten Weltkriegs. Vereinfacht gesagt, hilft der IWF heutzutage vor allem kriselnden Staaten mit erheblichen Krediten. Er unterstützt aber auch arme Länder mit Geld zu günstigen Konditionen. Die Weltbank-Gruppe wiederum soll vor allem die Armut bekämpfen: Sie ist der wichtigste Geldgeber für konkrete einzelne Projekte in Entwicklungsländern. Zuletzt machte sie innerhalb eines Jahres Kreditzusagen über insgesamt 77 Milliarden Dollar.

    Bald nach dem Zweiten Weltkrieg trat eine zentrale Vereinbarung über den möglichst freien Welthandel in Kraft, kurz GATT genannt: Der Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen soll den globalen Wohlstand mehren. 1995 wurde GATT von der Welthandelsorganisation (WTO) abgelöst. Sie bemüht sich auch um die Schlichtung von Handelskonflikten.

    Wie die WTO in Genf ist auch die OECD in Paris keine UN-Organisation – aber auch sie ist wichtig für die globale Wirtschaft. In der OECD, das ist das englische Kürzel der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, haben sich mittlerweile 37 meist reichere Industriestaaten zusammengeschlossen. Aufgenommen werden nur Länder, die der offenen Marktwirtschaft und der pluralistischen Demokratie verpflichtet sind.

    Und sonst noch so? Weitere wichtige UN-Organisationen

    UNEP: Eine Stimme der Umwelt sein – das ist das Selbstverständnis des UN-Umweltprogramms (United Nations Environment Programme). Ziel: die Erde durch Nachhaltigkeit zu schützen und den Klimawandel zu bekämpfen.

    UNIDO: Reicher Norden, armer Süden – dieses Wohlstandsgefälle zu überwinden, war 1966 Anlass zur Gründung der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (United Nations Industrial Development Organization). Heute unterstützt die Organisation Entwicklungsländer insbesondere beim Aufbau einer umweltgerechten Infrastruktur.

    WPO: Weltpostverein – klingt schrullig. Wurde aber schon 1874 gegründet. Damit ist der Verein deutlich älter als die UN, zu denen er seit 1947 gehört. Aufgabe seit jeher: die weltweite Zusammenarbeit der Postunternehmen zu regeln. Nicht unwichtig in Zeiten von internationalem Online-Shopping …

    Zahlen und Fakten

    • 193 Staaten sind aktuell Mitglied der UN
    • 196 gewaltsame Krisen oder Kriege gab es im Jahr 2019 auf der Welt
    • 4.000 UN-Blauhelme starben bisher im Einsatz für den Frieden
    • 15 Milliarden Mahlzeiten teilt das WFP pro Jahr aus
    • 7,8 Milliarden Menschen leben zurzeit auf der Erde
    • 2,2 Milliarden haben keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser
    • 1 Prozent der gesamten Weltbevölkerung ist aktuell auf der Flucht
    • 300 Nothilfeeinsätze leistet das Kinderhilfswerk Unicef pro Jahr
    • 43 Millionen Kinder hat Unicef in den letzten drei Jahren mit Unterrichtsmaterialien ausgestattet

    Weitere Artikel des aktiv-Schwerpunkts Kooperation:

    Unsere Welt ist kompliziert. Umso wichtiger, dass Konflikte und Missstände gerade jetzt von internationalen Organisationen behandelt werden. Was diese tagtäglich leisten, wie sie aufgebaut sind und auf was es jetzt ankommen wird, hat aktiv in diesem Schwerpunkt zusammengefasst.