Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Das Verarbeitende Gewerbe an der Saar hat in den ersten sieben Monaten 2025 fast 10 Prozent weniger erwirtschaftet als im Vorjahreszeitraum – so neueste Daten des Statistischen Landesamts. In der saarländischen Metall- und Elektro-Industrie gingen die Umsätze sogar um 22 Prozent zurück. Hauptgrund dafür: Das Autoland Saarland steckt mitten in der Transformation hin zu Elektromobilität und Wasserstoff-Wirtschaft. Das Problem dabei: Der Hochlauf der neuen Technologien geht viel zu langsam voran. Wie geht es jetzt weiter? aktiv hat dazu ME-Saar-Präsident Oswald Bubel befragt.

Herr Bubel, seit 2018 befindet sich die Metall- und Elektrobranche in der Krise. Gibt es positive Signale?

Die Lage ist weiterhin ernst. Unsere Branche befindet sich in der Rezession, wir haben eine weiter rückläufige Produktion und einen fortgesetzten Arbeitsplatzabbau. Im Vergleich zum letzten konjunkturellen Höhepunkt im Jahr 2019 haben wir in der Branche mehr als 250.000 Arbeitsplätze verloren. Es ist nicht übertrieben, von der längsten Wirtschaftskrise in der Geschichte der Bundesrepublik zu sprechen. Positiv ist die Hoffnung, dass es mit der neuen Bundesregierung zu Reformen kommen kann.

Wie ist denn die Lage im Saarland?

Das Saarland ist sehr stark auf die Auto-Industrie ausgerichtet und mit diesem industriellen Schwerpunkt besonders von der Transformation betroffen. Wir sehen dies bei vielen Unternehmen, die nun nach neuen Geschäftsmodellen suchen. Leider entwickeln sich die E-Mobilität und die Wasserstoff-Technik nicht in der erhofften Geschwindigkeit. Deshalb sind auch die Unternehmen, die frühzeitig in diese neuen Themen investiert haben, in einer schwierigen Situation. Leider trifft uns auch hier das Thema Arbeitsplatzabbau, weil einige Geschäftsmodelle nicht mehr tragfähig sind.

Auto-Industrie im Saarland

Die Automobil-Industrie ist eine der Kernbranchen im Saarland. Einer IW-Studie zufolge sind aktuell rund 22.000 Menschen direkt oder indirekt im saarländischen Fahrzeugbau tätig – 2019 waren es noch 25.000. Knapp 19.000 stellen Komponenten oder Teile des traditionellen Antriebsstrangs her, das sind 4,8 Prozent aller Beschäftigten. Hersteller und Zulieferer sind von der Transformation in Richtung Elektromobilität stark betroffen und arbeiten deshalb daran, Zukunftsthemen wie die Wasserstofftechnologie zu besetzen. Das macht sie abhängig von der Politik, die bei Themen wie der Energiewende oder dem Hochlauf der Elektromobilität die Weichen stellen muss.

Gibt es aus Ihrer Sicht einen Ausweg?

Es ist immer eine Kernaufgabe der Unternehmen, Zukunftskonzepte zu entwickeln. Das gilt besonders in Zeiten, in denen sich die Marktsituation deutlich ändert. Aktuell erleben wir aber auch strukturelle Verwerfungen, auf die die Unternehmen selbst keinen Einfluss haben.

„Die Gefahr einer De-Industrialisierung ist groß“

Oswald Bubel

Ich meine beispielsweise das politisch beschlossene Aus der Verbrennertechnologie bei Automotive, die Folgen der überstrengen EU-Vorgaben bei der CO2-Reduktion oder die hohen Energiekosten. Wenn die Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig sind, stehen das Geschäftsmodell oder der Standort infrage. Hier sind Verbände wie wir in der Pflicht, der Politik diese Dramatik immer wieder vor Augen zu halten.

Welche Sorgen haben Sie mit Blick auf die aktuelle Situation?

Meine Sorge ist einerseits wirtschaftlicher Natur – die Gefahr einer De-Industrialisierung ist groß. Sie ist andererseits aber auch gesellschaftlicher Natur. Die Menschen haben an die Politik eine Gelingens-Erwartung. Wenn diese aber den Eindruck vermittelt, dass sie die Probleme der Zeit nicht lösen kann oder sie sogar ignoriert, dann werden die Menschen sich nach Alternativen umsehen, die oft zweifelhaft sind. Das ist eine Gefahr für unsere Demokratie.

Was ist aus Ihrer Sicht zu tun?

Wir fordern seit langer Zeit eine Agenda der Politik, die den Unternehmen hilft, wieder wettbewerbsfähig zu sein. Schmerzpunkte der Unternehmen sind unter anderem hohe Arbeitskosten, teure Energie und eine überbordende Bürokratiebelastung. Hier erwarten wir, dass die Politik handelt. Wir sehen auch, dass etwas passiert. Aber es passiert noch nicht genug und auch nicht schnell genug.

Wie könnte eine solche Agenda-Politik aussehen?

Letztlich ist es die Rückkehr zur Grundidee der Sozialen Marktwirtschaft. Wir haben zu lange den Fokus auf das Soziale gelegt und die Marktwirtschaft vernachlässigt. Wir haben die Infrastruktur verfallen lassen und gleichzeitig den Sozialstaat aufgeblasen. Jetzt sehen wir, dass das nicht mehr zu tragen ist. Wir brauchen wieder die Grundhaltung, dass Leistung notwendig und etwas Gutes ist und dass sie sich lohnen muss. Dass derjenige, der arbeitet, am Ende mehr in der Tasche hat als der, der nicht arbeitet. Und eine Haltung, die Unternehmertum nicht per se als etwas Schlechtes ansieht.

Wir müssen also wieder die Ärmel hochkrempeln?

So kann man es sagen.

Zur Person

  • Oswald Bubel war 30 Jahre lang Mitglied der Geschäftsführung in der Hager Group in Blieskastel.
  • Im Ehrenamt ist er seit 2010 Präsident des Verbands der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (ME Saar) und Präsident der Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU).