Fast 1.000 Gäste, führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Verbänden und Politik, trafen sich Ende Oktober beim Hessischen Unternehmertag im Kurhaus in Wiesbaden. Gleich zu Beginn nahm Gastgeber Wolf Matthias Mang die Teilnehmer gedanklich mit auf eine Reise in den Nordatlantik. Dort war im Frühjahr 2024 Oliver Heer, einer der besten Segler der Welt, bei einer Regatta über den Atlantik in Seenot geraten – 1.500 Kilometer vom Festland entfernt. Bei einem Funkkontakt mit seinem Coach riet der ihm: „Embrace the shit!“ Frei übersetzt: „Nimm diesen Mist an und kämpfe!“ Wie Heer später erzählte, rettete ihm dieser Satz wohl das Leben, weil er seine innere Stärke wiederfand und das Rennen zu Ende bringen konnte.

Die Industrie hat konkrete Handlungsvorschläge vorgelegt

Für Mang, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), ein Mut machendes Beispiel gerade in dieser Zeit. „Die Hütte brennt, aber die Berliner Feuerwehr diskutiert noch“, erklärte Mang. Was man jetzt brauche: „Haltung und Mut in stürmischen Zeiten.“

Man wolle Chancen für die gesamte Wirtschaft schaffen und das beginne bei der Industrie, an der in Hessen jeder fünfte Arbeitsplatz und jeder fünfte Euro hingen. Noch habe das Bundesland eine starke industrielle Basis, doch diese erodiere seit Jahren – 27.000 Arbeitsplätze weniger seit 2018. Der Unternehmer: „Was uns heute neben den hohen Standortkosten bremst, ist nicht der Mangel an Ideen, sondern der Mangel an Tempo. 

Wir brauchen weniger Bürokratie, ein besseres Innovationsökosystem und eine funktionierende Infrastruktur.“ Konkrete Handlungsvorschläge habe die Industrie vorgelegt. Nun suche man den Dialog mit der Politik. Mang: „Veränderung ist unbequem, aber wer wartet, verliert.“

Landesregierung will bessere Rahmenbedingungen schaffen

„Hessen braucht eine Industrie, die Zukunft gestaltet – nicht verwaltet“, erklärte auch Philipp von Hirschheydt, CEO von AUMOVIO. Das an der Börse notierte Unternehmen entstand aus der Automotive-Sparte von Continental. Für den Firmenchef steht fest: „Aufbruch entsteht nicht durch Warten, sondern durch Handeln.“ Entscheidend sei nun, dass die Industrie jetzt mutig vorangehe und gemeinsam mit der Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffe.

Auch Ministerpräsident Boris Rhein sieht die Industrie als starke Basis Hessens, die für Wertschöpfung, Innovationskraft und Wohlstand stehe: „Auf diese Stärke müssen wir uns besinnen, um das wirtschaftliche Wachstum in Zeiten wie diesen wieder anzukurbeln.“ Die Landesregierung setze alles daran, ihnen die passenden Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, etwa mit dem Investitionsbooster für Wachstum und Beschäftigung und dem Bürokratieabbaugesetz.

Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

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