Offenbach. „Ruhiges und recht kaltes Hochdruckwetter“ oder „kaum Niederschläge und häufig Dauerfrost“ – was so vertraut und einfach klingt, sind präzise Resultate eines gigantischen Rechenprozesses.

Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach (DWD) liefert enorm zuverlässige Vorhersagen: Die Treffgenauigkeit der Meteorologen beträgt inzwischen fast 100 Prozent, wenn es um die nächsten 24 Stunden geht. Und sie liegt beim Blick vier Tage in die Zukunft immer noch bei über 90 Prozent.

Wie machen die das? AKTIV hat sich das in der DWD-Zentrale zeigen lassen.

Unzählige Messdaten aus aller Welt

Eine Antwort liegt in dem gigantischen Rechenzentrum. Mannshohe, schwarze Serverschränke reihen sich auf einer Fläche von rund 1.000 Quadratmetern aneinander. Damit lassen sich mal eben eine Trillion Operationen pro Sekunde bewältigen – unvorstellbar viele Rechenschritte. „Gefüttert wird die Maschine mit unzähligen Messdaten aus aller Welt“, erklärt Meteorologe Franz Molé. Die Daten kommen von Wetterstationen, aber auch von Satelliten. Wetterballons in unterschiedlicher Höhe messen Wind, Temperatur, Feuchtigkeit, dazu noch 30 weitere meteorologische Parameter.

Entscheidend ist aber nach wie vor der Mensch: Es gilt, die Daten einzuordnen und zu interpretieren. Das macht ein Stab studierter Meteorologen. Im Schichtdienst überwachen sie das Wetter rund um die Uhr.

Der frühe Vormittag ist die Rushhour

Zu diesen Fachleuten gehört Molé, stellvertretender Leiter der Vorhersage- und Beratungszentrale. An diesem Vormittag arbeitet er mit sieben weiteren Meteorologen im Team. Etliche Bildschirme zeigen die aktuelle Wetterlage an. „Der frühe Vormittag ist bei uns die Rushhour“, sagt Molé. Dann wollen besonders viele wissen: Wie wird denn nun das Wetter?!

Mehrmals am Tag aktualisieren die DWD-Profis ihre Vorhersagen. Außerdem im Angebot: Unwetterwarnungen, Statistiken, Gutachten, Broschüren – und, und, und.

Etwa 200 fremde Computersysteme bekommen ungefiltert die wichtigen Daten aus Offenbach: Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk. Transportunternehmen wie Lufthansa und Deutsche Bahn, Ministerien und Stromanbieter. Es geht da vor allem um die Sicherheit der Bevölkerung – aber auch um Wirtschaftlichkeit und Effizienz.

Die Wirtschaft profitiert

„Für Energieunternehmen etwa sind unsere Daten wichtig, wenn es darum geht, ob Tage wind- und sonnenarm werden“, erklärt Molé. „Piloten machen ihre Berechnung der Treibstoffreserve vor jedem Flug von der Windgeschwindigkeit und der Windrichtung in Flughöhe abhängig.“ Straßenmeistereien brauchen den DWD zum Beispiel, um im Winter schnell reagieren zu können und teuren Stillstand zu vermeiden.

Dass die Landwirtschaft von guten Wetterberechnungen profitiert, liegt auf der Hand. Und manchmal können Prognosen sogar Leben retten. „Wetterkatastrophen können wir natürlich nicht verhindern“, so der Meteorologe, „aber die Schäden lassen sich enorm verringern, wenn man zum Beispiel Hilfseinsätze frühzeitig plant.“

DWD-App warnt in erster Linie vor Unwettern

Übrigens: Auch alle privaten Wetterdienste beziehen die amtlichen Daten des DWD. Aber warum weichen die Vorhersagen dann voneinander ab? Warum erscheinen manche Wetterdienstleister oder -Apps glaubwürdiger als andere? „Wir liefern nur Daten“, betont Molé, „wie andere Dienstleister oder auch Medien diese interpretieren und für Verbraucher in Worte fassen – darauf haben wir keinen Einfluss mehr.“

Apropos App: Eine App vom DWD selbst heißt WarnWetter. Auch sie wird vom Supercomputer gespeist, ganz automatisch. 

Bundesoberbehörde mit 2.300 Mitarbeitern

  • Den Deutschen Wetterdienst gibt es seit 1952. Er gehört zum Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.
  • Insgesamt arbeiten rund 2.300 Beschäftigte beim DWD, 900 davon am Hauptsitz Offenbach. Niederlassungen gibt es in Essen, Hamburg, Leipzig, München, Potsdam und Stuttgart.
  • Zur Infrastruktur der meteorologischen Messungen in Deutschland gehören 182 hauptamtlich betreute Wetterstationen, dazu kommen etwa 1.800 weitere Messstellen.