Das Wichtigste auf einen Blick:

  • In Bayern schreitet der Ausbau von Photovoltaik – also Strom aus Sonnenenergie – gut voran.
  • Problematisch ist, dass trotz der gelockerten Regeln nach wie vor viel zu wenig Windräder entstehen, die in sonnenarmen Winterzeiten die Energieversorgung sichern müssen.
  • Um die Klimaziele noch zu erreichen, ist nun ein sehr hohes Ausbautempo erforderlich.

Seit 2012 untersucht das Beratungsunternehmen Prognos jährlich im Energiewende-Monitoring im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), welche Fortschritte die Energiewende im Land macht und die von Bund und Staatsregierung gesetzten Ziele erreicht werden. Die Ergebnisse fallen jedoch jedes Jahr ernüchternd aus. Almut Kirchner, Direktorin und Partnerin von Prognos am Standort Basel, erklärt im Interview mit aktiv-online.de, wo es hakt.

Frau Kirchner, drei Viertel des Stroms in Bayern stammen aus regenerativen Quellen. Das ist doch ein gutes Zeichen!

Unbedingt. Wir sehen seit Jahren, dass vor allem der Ausbau der erneuerbaren Energien vorankommt. Was uns aber Sorge bereitet, ist, dass wir dies insbesondere in Bayern nur der Photovoltaik zu verdanken haben. Das ist zwar super im Sommer, doch im Winter brauchen wir den Wind. Genau dann entstehen nämlich kritische Situationen, wenn wenig Strom erzeugt, aber viel Energie nachgefragt wird.

Was bedeutet das für den weiteren Ausbau?

Zum einen benötigen wir Übertragungsnetze, die den Windstrom aus Norddeutschland in den Süden bringen. Wir brauchen aber auch mehr Windräder in Bayern, sie helfen zusätzlich, das Stromnetz stabil zu halten.

„Photovoltaik ist im Sommer super, im Winter eher nicht. Da brauchen wir Strom aus anderen Quellen wie Wind“

Almut Kirchner, Direktorin Prognos AG

Der Freistaat hat den Bau von Windkraftanlagen erleichtert. Spürt man das?

Jein. Seit 2022 wurden deutlich mehr Windanlagen in Bayern genehmigt. Zudem verkürzt sich die Zeitspanne bis zur Erteilung von Genehmigungen. Viele der seit 2022 geplanten Anlagen sollten daher in absehbarer Zeit ans Netz gehen. Wir dürfen aber nicht vergessen: Um die Klimaziele zu erreichen, muss pro Jahr eine bestimmte Zahl an Anlagen errichtet werden. Und weil wir in den vergangenen Jahren da nicht vorangekommen sind, müssen wir jetzt richtig Tempo machen.

Geht denn mehr Tempo überhaupt?

Unser Monitoring blickt in die Vergangenheit, nicht in die Zukunft. Dennoch sieht man, wo sich viel tut, auch wenn es vielleicht nicht so offensichtlich ist. Zum Beispiel wurden zuletzt sehr viele Batteriespeicher errichtet. Das reicht von Kleinspeichern für Balkonkraftwerke bis hin zu Großspeichern. Das Thema hat in kurzer Zeit sehr viel Fahrt aufgenommen. Und es zeigt: Da geht was. Doch die Zeit wird knapp. Um die selbst gesteckten Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien wie geplant zu erreichen, wird der Pfad daher immer steiler.

Erneuerbare Energien in Deutschland

  • Die installierte Leistung erneuerbarer Energien hat sich in Deutschland seit 2008 von rund 38 Gigawatt auf über 210 Gigawatt im Jahr 2025 mehr als verfünffacht.
  • 82 Prozent des Zubaus entfielen auf Photovoltaik-Anlagen, nur 42 Prozent auf Windenergieanlagen.
  • Um die Klimaziele der Bundesregierung für das Zwischenziel 2026 zu erreichen, hätten in Deutschland im Jahr 2025 insgesamt 10,3 Gigawatt an Windenergie zugebaut werden müssen sowie 13,8 Gigawatt bei Photovoltaik.
  • Dieses Ziel wird bei Windenergie nicht erreicht: 2025 wurden nur 4,6 Gigawatt zugebaut. Bei Photovoltaik waren es 16,3 Gigawatt – also 3 Gigawatt mehr als gefordert.
Alix Sauer
Leiterin aktiv-Redaktion Bayern

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.

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