Seit Anfang 2025 sind dafür im Schnitt bereits 3,6 Prozent des beitragspflichtigen Entgelts fällig. Bei einem Brutto von 4.000 Euro macht das jeden Monat 72 Euro für einen Arbeitnehmer mit einem Kind. Den gleichen Betrag muss auch der Arbeitgeber an die Pflegekasse löhnen. Im Jahr 2002 war der durchschnittliche Beitragssatz mit 1,7 Prozent nicht einmal halb so hoch! Ohne Reform ist diese Entwicklung nur ein schlechter Vorgeschmack auf kommende Zeiten.

Ausgaben haben sich mehr als verdreifacht

Kostentreiber war insbesondere der erhebliche Anstieg der Ausgaben für Pflegegeld. Alles in allem wuchsen die Ausgaben der Pflegeversicherung von unter 17 Milliarden Euro zu Beginn des Jahrtausends auf rund 60 Milliarden Euro. Kein Wunder: Die Zahl der offiziell pflegebedürftigen Personen hat stark zugenommen (auch wegen großzügigerer Regelungen seit 2017), auf fast sechs Millionen Menschen. Und ihre Zahl wird weiter deutlich steigen.

Aktuell rund 800.000 Heimbewohner

2024 verbuchte die Pflegekasse bereits ein Minus von rund 1,5 Milliarden Euro. 2026 dürfte der Fehlbetrag 3,5 Milliarden Euro erreichen, so erwartet es die Kranken- und Pflegekasse DAK. Trotz der rekordhohen Beiträge – und obwohl die Eigenanteile spürbar gestiegen sind, die die rund 800.000 Heimbewohner etwa zu den Investitionskosten der Pflegeeinrichtungen beitragen müssen.

Obendrein verschärfen sich die Engpässe beim Pflegepersonal. Laut Statistischem Bundesamt wächst die Lücke zwischen benötigten und verfügbaren Pflegekräften auf längere Sicht um zumindest 280.000 Köpfe.

Damit die Pflegeversicherung dauerhaft leistungsfähig und finanzierbar bleibt, muss sie auf Finanzierungs- wie auf Leistungsseite umfassend reformiert werden. Die Bund-Länder-Kommission „Zukunftspakt Pflege“ soll noch 2025 Vorschläge für entsprechende Reformen machen.

Für Wirbel sorgte gerade schon die durchaus sinnvolle Idee, den erst 2017 eingeführten Pflegegrad  1 einfach wieder abzuschaffen. Denn die Betroffenen können sich in aller Regel noch recht gut selbst versorgen und benötigen nur wenig Unterstützung. Sie sind damit eigentlich kein Fall für unseren Sozialstaat – der sich auf der Ausgabenseite inzwischen völlig übernommen hat.

Stephan Hochrebe
aktiv-Redakteur

Nach seiner Redakteursausbildung absolvierte Stephan Hochrebe das BWL-Studium an der Universität zu Köln. Zu aktiv kam er nach Stationen bei der Funke-Mediengruppe im Ruhrgebiet und Rundfunkstationen im Rheinland. Seine Themenschwerpunkte sind Industrie und Standort – und gern auch alles andere, was unser Land am Laufen hält. Davon, wie es aussieht, überzeugt er sich gern vor Ort – nicht zuletzt bei seiner Leidenschaft: dem Wandern.

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