Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Das Fachkräfteprogramm talentnavigator.ukraine hilft Geflüchteten in Nürnberg und München, einen Job zu finden.
  • Damit sichert es einerseits den Fachkräftebedarf bei den Unternehmen, hilft aber auch den geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern, sich in die deutsche Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren.
  • Das Unternehmen Siemens Energy in Nürnberg hat durch das Programm mehrere ukrainische Mitarbeitende gewonnen und will die Zusammenarbeit mit dem Projekt fortsetzen.

Olena Harmata hat ein gutes Gefühl: „Mir gefällt die Arbeit bei Siemens Energy sehr gut“, sagt die 35-jährige Ukrainerin. Und sie gehört endlich dazu: zu den Menschen in Deutschland, die einer geregelten Arbeit nachgehen, ihr eigenes Geld verdienen und dadurch am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Ermöglicht hat ihr diesen Erfolg unter anderem das Programm „talentnavigator.ukraine“.

Das Projekt ist ein Baustein der Initiative „Fachkräftesicherung FKS+“. Es unterstützt geflüchtete Menschen aus der Ukraine bei ihrem Weg in den bayerischen Arbeitsmarkt. Dabei setzt es auf individuelle Begleitung – etwa Vermittlung in Betriebe, Qualifizierungsmaßnahmen oder Sprachkurse sowie Unterstützung. Davon profitieren auch die Unternehmen, indem sie dringend benötigte Fach- und Arbeitskräfte bekommen.

So wie etwa Olena Harmata. Die junge Frau flüchtete vor vier Jahren zu Beginn des russischen Angriffskriegs gemeinsam mit ihrem Bruder und dem inzwischen 15-jährigen Sohn aus der Ukraine. Für sie war klar: Sie will sich hier ein Leben aufbauen. Bei einer Veranstaltung des Jobcenters Nürnberg erfuhr sie vom Projekt „talentnavigator.ukraine“ – und kam darüber in Kontakt zum Transformatorenhersteller Siemens Energy.

Rund 1.200 Mitarbeitende beschäftigt das Unternehmen derzeit im Werk in Nürnberg, Tendenz steigend. Neue Mitarbeitende sind willkommen und so stellte das Unternehmen mehrere geflüchtete Menschen aus der Ukraine ein. Personalleiter Christian Nowak erklärt: „Für unser Unternehmen ist Vielfalt sehr wertvoll, menschlich wie fachlich.“ So war es selbstverständlich, dass sich Siemens Energy Zeit für die Neuen nahm, sie eng begleitete und einarbeitete.

Arbeit ermöglicht es Geflüchteten, für sich selbst zu sorgen

Bei Olena Harmata ist das gut gelungen. Inzwischen arbeitet sie als Quereinsteigerin im Schichtbetrieb in der Produktion fest mit. Seither verbessern sich auch ihre Deutschkenntnisse stetig. Für Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), bestätigt sich damit der Sinn des Projekts: „Die Integration in unsere Gesellschaft gelingt am schnellsten über eine Beschäftigung. Arbeit hilft Geflüchteten, zügig unsere Sprache zu lernen, und ermöglicht es ihnen, für sich selbst zu sorgen.“

„Die Integration in unsere Gesellschaft gelingt am schnellsten über eine Beschäftigung. Arbeit hilft Geflüchteten, zügig unsere Sprache zu lernen, und ermöglicht es ihnen, für sich selbst zu sorgen“

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw)

Auch Olena Harmata fühlt, dass sie in Deutschland angekommen ist. Das überträgt sich auf ihren Sohn: „Er ist neugierig, was ich mache, fragt auch, wie es mir in der Firma gefällt“, sagt sie. Elektronik interessiert ihn: „Er möchte in dem Bereich später eine Ausbildung machen.“

Um Elektronik in ganz großem Stil geht es auch bei Siemens Energy. Der Konzern fertigt als einer der wenigen weltweit Großtransformatoren. Die Nachfrage danach boomt, etwa von Betreibern riesiger Rechenzentren, die Anwendungen künstlicher Intelligenz verarbeiten. Siemens Energy exportiert rund die Hälfte der Transformatoren ins Ausland, häufig per Schiff über den Main. Der Bau der Transformatoren erfordert Spezialwissen. Daher setzt der Standort auf eigenen Nachwuchs: Im Herbst will das Werk die Zahl der neuen Azubis deutlich erhöhen. Auch mit „talentnavigator.ukraine“ wird weiter zusammengearbeitet.

Das Projekt talentnavigator.ukraine

  • Das Projekt talentnavigator.ukraine ist ein Baustein der Initiative „Fachkräftesicherung FKS+“ der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) und der bayerischen Staatsregierung, um bayerische Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften zu unterstützen.
  • Seit 2023 hilft das Projekt Ukrainerinnen und Ukrainern in München und Nürnberg dabei, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu finden und ist zugleich zentraler Ansprechpartner für Betriebe und die Geflüchteten.
  • FKS+ sucht auch passende Qualifizierungsmaßnahmen.
  • 63 Prozent der Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer wurden bisher erfolgreich vermittelt.
Alix Sauer
Leiterin aktiv-Redaktion Bayern

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.

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