Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Produktion der Chemie- und Pharmaindustrie Baden-Württembergs ist im Jahr 2025 durchschnittlich nur um 0,5 Prozent gewachsen. In der Chemiesparte allein ist die Produktion um 2,5 Prozent zurückgegangen.
  • 86 Prozent der Unternehmen schätzen ihre wirtschaftliche Lage gleich oder sogar schlechter ein als 2024.
  • Laut den Verbänden ChemieBW kommt es jetzt entscheidend darauf an, dass die Tarifpartner an Lösungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit arbeiten.

Sie ist eine Schlüsselindustrie, auf der praktisch die gesamte Wirtschaft aufbaut: Die Chemie- und Pharmaindustrie. In Baden-Württemberg ist sie besonders wichtig für den Wohlstand – doch die Lage der Unternehmen im Südwesten ist ernst. 

Das zeigen neue Zahlen und Umfrage-Ergebnisse der Verbände ChemieBW: Dazu zählen der tarif- und sozialpolitisch tätige Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg und der wirtschaftspolitische Verband der Chemischen Industrie, Landesverband Baden-Württemberg. Die Produktion der Gesamtbranche stagniert seit Jahren auf niedrigem Niveau und ist im Jahr 2025 nur um 0,5 Prozent gewachsen. Die Chemiesparte steht besonders unter Druck – hier sank die Produktion um 2,5 Prozent. Sie ist schon das fünfte Jahr in Folge rückläufig.

Fakten & Hintergründe

Mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet frühestens in zwei Jahren mit einer Erholung

Das spiegelt sich auch in Umfrageergebnissen für das Jahr 2025 wider: 86 Prozent der Unternehmen in Baden-Württemberg schätzen ihre wirtschaftliche Lage gleich oder sogar schlechter ein als noch 2024. Nur 12 Prozent sahen für 2025 eine leichte Verbesserung. Mehr als die Hälfte der Unternehmer rechnet frühestens in zwei Jahren mit einer Geschäftserholung.

„Unsere Sozialpartnerschaft muss sich jetzt besonders beweisen“

Patrick Krauth, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Chemie Baden-Württemberg

Die Lage sei ernst, betonte Patrick Krauth, der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Chemie Baden-Württemberg. Gerade jetzt komme es darauf an, dass sich die Sozialpartner gemeinsam für die Zurückgewinnung der Wettbewerbsfähigkeit einsetzen: „Unsere Sozialpartnerschaft ist stabil und hat sich in der Vergangenheit immer wieder als konstruktiv und lösungsorientiert erwiesen. Jetzt muss sie sich in der Krise besonders beweisen.“ Wichtiger denn je sei ein Tarifabschluss, der den Unternehmen Zeit gebe, sich für die Zukunft so gut wie möglich aufzustellen.

Forderung nach grundlegenden politischen Reformen

Auch die Politik sei gefordert, damit die Unternehmen weiterhin investieren und nachhaltig Arbeitsplätze schaffen, so Krauth: „Wir brauchen grundlegende Strukturreformen mit einem klaren Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit.“ Die Branche stehe an einem Wendepunkt und brauche gerade im Transformationsprozess entschlossene Maßnahmen – „heute, nicht morgen“.

Thomas Reith, der Vorsitzende des Verbandes der Chemischen Industrie Baden-Württemberg, betonte: „Wenn wir den Unternehmen nicht endlich das geben, was sie zum Wachsen so dringend brauchen – nämlich verfügbare Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen, Planungssicherheit und vor allem deutlich einfachere und schnellere Genehmigungsprozesse –, dann werden die Investitionen endgültig anderswo getätigt.“

Barbara Auer
aktiv-Redakteurin

Barbara Auer berichtet aus der aktiv-Redaktion Baden-Württemberg vor allem über die Chemieindustrie. Nach dem Studium der Sozialwissenschaft mit Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre volontierte sie beim „Münchner Merkur“. Wenn Barbara nicht für aktiv im Einsatz ist, streift sie am liebsten durch Wiesen und Wälder – und fotografiert und filmt dabei, von der Blume bis zur Landschaft.

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