Das Wichtigste auf einen Blick:
- Über das neue Portal „EinfachMachen“ können Bürger seit Dezember 2025 anonym melden, wo Verwaltung unnötig kompliziert ist.
- Viele digitale Dienste wie BundID, i Kfz oder Digitale Rentenübersicht erleichtern Behördengänge – werden aber noch viel zu wenig genutzt.
- Weitere Schritte sind geplant: Das Führungszeugnis wird ab 2026 digital, der Steuerbescheid ab 2027 standardmäßig online bereitgestellt.
Keine Lust auf unnötigen Papierkram? Deutschland will da umsteuern. Auch deswegen hat das Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung im Dezember das Portal „Einfach machen“ an den Start gebracht. Unter einfach-machen.gov.de können Sie melden, wo die Bürokratie Sie persönlich nervt – ohne Anmeldung und anonym.
Vorschriften sollen dafür sorgen, dass der Staat fair und nachvollziehbar handelt. Doch zu viele Regeln bremsen eben unnötig aus. Laut Berechnungen des Ifo-Instituts entgehen Deutschland durch überbordende Bürokratie pro Jahr bis zu 146 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung!

Wildberger sammelt Bürgerhinweise für digitale Lösungen
Digitalminister Karsten Wildberger soll das ändern. Er sagte beim Start des Portals: „Wir setzen auf die Beteiligung der Menschen in Deutschland, denn sie wissen am besten, wo das Leben zu kompliziert geworden ist.“ Tatsächlich sind in den ersten zwei Monaten rund 17.000 Hinweise eingegangen. Mit Abstand am häufigsten geht es um aufwendige Behördengänge.
„Wir hören mithilfe des Portals noch genauer hin und richten unsere Prioritäten nach den Bedarfen der Bevölkerung“, so Wildberger. „Das ist ein weiterer Beitrag zur Staatsmodernisierung.“ Mithilfe von künstlicher Intelligenz ordnet das Ministerium die eingegangenen Meldungen jetzt nach Themen, Dringlichkeit und Relevanz.
„Wir setzen auf die Beteiligung der Menschen in Deutschland, denn sie wissen am besten, wo das Leben zu kompliziert geworden ist“
Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung
Allerdings: Es gibt schon viele amtliche digitale Angebote – die werden aber bisher noch zu wenig genutzt. Für die Digitale Rentenübersicht zum Beispiel haben sich nach Angabe der Deutschen Rentenversicherung bisher erst rund 320.000 der über 35 Millionen Pflichtversicherten registriert. aktiv meint: Da geht noch viel mehr! Und hat hier noch ein paar weitere Hinweise für die ganz persönliche Digitalisierung.
BundID, eID, i-Kfz: Digitale Tools, die Behördengänge leichter machen
1. BundID
Die BundID gibt es schon seit 2019. Sie ist das zentrale Online-Konto für digitale Behördengänge. Ob Eltern-, Kinder- oder Wohngeld: Mit der BundID beantragen Sie diese und weitere Leistungen einfach vom Sofa aus. Behörden können über das zentrale Bürgerpostfach (ZBP) Bescheide rechtssicher und digital zustellen. Besonders praktisch: Der Statusmonitor zeigt jederzeit den Bearbeitungsstand an.
Der Log-in klappt mit der eID, nötig ist also der elektronische Personalausweis. Wie der funktioniert, erklärt aktiv hier: aktiv-online.de/eID
Alternativ sind auch diese Anmeldemethoden möglich: o Weitere europäische Online-Ausweise, o Benutzername und Passwort mit Zwei-Faktor-Authentifizierung, o ELSTER – das steht für „ELektronische STeuerERklärung“ und ist das Zertifikat für Online-Finanzämter.
Rund 5,8 Millionen Nutzer sind laut Bundesdigitalministerium angemeldet. Im März 2025 waren es schon mal so viele – bis ein Viertel der User plötzlich verschwand. Der Grund: Inaktive Konten werden nach zwei Jahren automatisch gelöscht. Viele Schüler und Studenten hatten sich im Jahr 2023 für die 200-Euro-Energiepauschale angemeldet, ihr Konto dann aber nie wieder genutzt. Dabei lässt sich darüber auch das Bafög beantragen.
2. Fahrzeugschein
Hektisch die richtigen Papiere im Handschuhfach suchen? Muss nicht mehr sein: Mit der seit Herbst 2025 angebotenen amtlichen App i-Kfz haben Sie den Fahrzeugschein immer auf dem Smartphone griffbereit. Ende 2026 soll der digitale Führerschein folgen.
Bereits seit 2023 können Sie Ihr Fahrzeug über die i-Kfz-Portale ohne Wartezeit an-, ab- oder ummelden. Zulassungsbescheid holen und sofort (weiter-)fahren: bmv.de/i-Kfz
3. Führungszeugnis
Ein Führungszeugnis – auch „polizeiliches Führungszeugnis“ genannt – ist eine Urkunde, die bescheinigt, ob man Vorstrafen hat oder nicht. Man braucht ein Führungszeugnis für Jobs mit Sicherheitschecks, etwa in der Kita oder der Luftfahrt. Laut Bundesjustizministerium werden rund fünf Millionen davon jährlich ausgestellt.
Noch 2026 soll das digital laufen: PDF online statt Papier per Post, mit QR‑Code gegen Fälschungen.
Der Log-in funktioniert mit dem elektronischen Personalausweis. Zum Auslesen wird die kostenlose „AusweisApp2“ des Bundes benötigt. Die gibt es im App-Store auf dem Smartphone oder hier: ausweisapp.bund.de.
Die Gebühr beträgt 13 Euro. Bezahlt werden kann per Giro-Pay oder mit Kreditkarte.
4. Steuerbescheid
Ab 2027 stellt das Finanzamt den Steuerbescheid im amtlichen Portal elster.de bereit. Wer dann immer noch Papier will, muss dem widersprechen.
Übrigens: Wer per Steuererklärung Geld zurückbekommt, kassiert so im Schnitt rund 1.200 Euro.

Niklas Kuschkowitz schreibt bei aktiv über Wirtschafts- und Politikthemen. Studiert hat er Germanistik, Geschichte und Neuere Geschichte in Osnabrück und Köln. Nach einem journalistischen Fernsehvolontariat arbeitete er als Redakteur für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Sendungen der ARD und in der Unternehmenskommunikation. Privat lösen volle Fußballstadien und gemütliche Kinosäle große Freude in ihm aus.
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