Der langfristig produktive Mitarbeiter ist gesund, anwesend und motiviert. „Nur das führt zum Glück“, sagt Matthias Redder vom Zentrum für Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit in Iserlohn. Das Problem: Diese Erkenntnis hat sich noch nicht überall herumgesprochen …

Mit durchschnittlich 24,9 Krankheitstagen steht Deutschland international schlecht da. Knapp 40 Prozent aller Fehltage entfielen 2024 auf Langzeiterkrankungen. Das kostet. Wie man mit Entgeltfortzahlungen etc. umgeht, war daher eine Seite des Themas „Hohe Krankenstatistik“ im Fachforum Arbeitsrecht beim Märkischen Arbeitgeberverband. Die andere: Was kann ein Unternehmen tun, um diese Kosten zu vermeiden?

Redder setzt auf das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) mit den drei Säulen Arbeitsschutz, betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) und betriebliche Gesundheitsförderung. Neben dem Blick auf betriebliche Faktoren lohne auch der Blick auf das Persönliche. Der Arbeitsmediziner ganz drastisch: „Fressen, saufen, rauchen ist eine private Angelegenheit, aber die Betriebe tragen die Folgekosten.“

Vorbeugen statt reparieren lohnt sich

Vorbeugen statt reparieren rechne sich. Man müsse sich aber klarmachen: „Prävention ist nicht sexy, dafür gibt es keinen Applaus.“

Das hat zunächst auch Nina Greitemann, Personalleiterin bei Vossloh Fastening Systems in Werdohl, gemerkt. In dem Bahntechnik-Unternehmen hat man das BGM mit dem groß angelegten Projekt „Fabrik der Zukunft“ verknüpft. Und mit dem Weihnachtsgeld: 25 Prozent der Auszahlung sind abhängig von der Abwesenheitsquote.

Auf der Basis einer Masterarbeit entwickelte ein fünfköpfiges Team 2021 die Strategie „Vossloh bleibt gesund“. Vier Themen stehen im Fokus: Muskel-Skelett-Gesundheit, Herz-Kreislauf-Gesundheit, Ernährung und mentale Stärke.

Teilnehmerzahl steigt, Krankheitsquote sinkt

Pro Quartal gibt es eine Gesundheitsaktion, die von der Marketingabteilung plakativ begleitet wird: Ernährungsberatungen, Vital-Werte-Check und Teilnahme am Stadtradeln, Stresstest, Yoga und Workshops zu psychischen Belastungen und Schlafproblemen, Ergonomie am Arbeitsplatz und Faszientraining.

Das Ergebnis anfangs: ernüchternd. „Die Beteiligung lag bei 12,6 Prozent“, berichtet Greitemann, „die Abwesenheitsquote im Betrieb bei 5,95 Prozent.“ Das hat sich geändert. Mit einem Bonusprogramm – Punkte für die Teilnahme an Gesundheitsaktionen – kann jetzt jeder seine Weihnachtsgeldzahlung individuell erhöhen. Die Teilnahmequote stieg auf 80 Prozent, der Krankheitsstand sinkt, aktuell auf 4,9 Prozent. Und in einer Mitarbeiterbefragung gaben 86 Prozent an, sich auch ohne Weihnachtsgeldaspekt beteiligen zu wollen. „Man muss dranbleiben“, sagt Greitemann: „BGM ist ein Marathon.“

Hildegard Goor-Schotten
Autorin

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten

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