Einfach mal machen lassen

Berufsorientierung: Wie Eltern ihre Kinder dabei wirklich unterstützen können

Drei Viertel der Jugendlichen suchen bei der Berufswahl den Rat ihrer Eltern. Unser Autor hat mit seinem Sohn einen Selbstversuch gestartet – und gelernt: Je mehr Berufe Kinder kennen, desto besser.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Horizonte erweitern statt Berufe vorgeben: Eltern helfen ihren Kindern am meisten, wenn sie ihnen möglichst viele verschiedene Berufe vorstellen – nicht einen bestimmten nahelegen.
  • Vorbilder prägen die Berufswahl stark: Kinder aus Akademikerfamilien studieren häufiger, Unternehmerkinder gründen öfter – was man nicht kennt, sucht man später auch nicht.
  • Offenheit ist der wichtigste Zukunfts-Skill: Laut Forschern ist die Fähigkeit, offen zu bleiben und Neuem positiv zu begegnen, entscheidend – für Jugendliche und deren Eltern gleichermaßen. 

Fragen Sie sich auch manchmal, was Ihr Sohn oder Ihre Tochter später mal beruflich machen wird? Ob sein oder ihr aktueller Traumberuf in ein paar Jahren überhaupt noch gefragt ist? Dann willkommen im Klub. Ich bin Vater eines 15-Jährigen. Und frage mich das auch manchmal.

Schon klar: Eltern sollten ihren Kindern nicht reinreden. Wir leben ja nicht mehr im Mittelalter: Ehen werden nicht mehr arrangiert – und Berufe nicht mehr vererbt. Raus aus der Verantwortung beim Thema Berufsorientierung sind wir Eltern natürlich trotzdem nicht. 

Laut der neuesten Jugendbefragung der Bertelsmann Stiftung nennen drei Viertel der Jugendlichen Mama und Papa als wichtigste Unterstützer bei der Ausbildungsplatzsuche. Freunde (44 Prozent) und Lehrkräfte (38 Prozent) folgen da erst mit einigem Abstand.

Die wichtigste Aufgabe von Eltern bei der Berufsorientierung: Horizonte erweitern

Noch stärker ist der indirekte Effekt der Familie: Kinder, deren Eltern studiert haben, studieren nämlich deutlich häufiger als solche, die aus Arbeiterfamilien kommen. Wer in einer Unternehmerfamilie aufwächst, gründet eher selbst. Und knapp die Hälfte der Medizinstudierenden an österreichischen Hochschulen hatte laut einer Studie Ärztinnen oder Ärzte in der Verwandtschaft.

Fakten & Hintergründe

Woran das liegt? Man lernt halt am Vorbild. Und was man nicht kennt, danach sucht man später auch nicht. Ich habe daraus den Schluss gezogen: Das Beste, was ich als Vater tun kann, ist für Horizonterweiterung zu sorgen. Meinem Kind nicht einen Beruf nahebringen. Sondern viele. Genau das ist gelebte Berufsorientierung.

Auch deshalb haben wir kürzlich einen Familienausflug zur IdeenExpo nach Hannover gemacht. Außentemperatur an dem Tag: 38 Grad. In den Hallen von Europas größtem MINT-Festival war es zum Glück deutlich kühler. Die Besucher konnten Roboter programmieren, Muster in Reifen fräsen oder als Astronauten zum Mond fliegen (mit VR-Brille). 

Unser Sohn probierte einiges aus. Was hat ihm am besten gefallen? Schulterzucken. Mit 15 hat man so viel anderes im Kopf als den künftigen Job. Auch das muss man als Eltern akzeptieren. Und trotzdem weiter Angebote machen.

Welche Jobs entstehen durch KI? Keiner weiß, welche Jobs KI entstehen lässt

Im InfoTruck der Metall- und Elektro-Industrie machte der Junior einen Test: Welche der 40 Ausbildungen in der M+E-Industrie passt zu mir? Ergebnis: Informatiker. „Aber schreibt die Künstliche Intelligenz den Code denn in Zukunft nicht selbst?“, fragte ich den Berufe-Coach im Truck. 

Offen bleiben und Neuem positiv begegnen. Das gilt nicht nur für Schüler, die sich bald für einen Berufsweg entscheiden müssen. Sondern auch für ihre Eltern 

Michael Aust, aktiv-Redakteur

Seine Antwort: „Tätigkeiten ändern sich, aber Berufe werden bleiben.“ Den Fachinformatiker etwa gebe es heute schon in vier Varianten. Wer weiß: Vielleicht kommt bald der KI-Architekt hinzu?

Niemand kann vorhersagen, wie KI die Berufswelt noch durcheinanderwirbeln wird. Glaubt man Forschern, ist der wichtigste Zukunfts-Skill deshalb: offen bleiben und Neuem positiv begegnen. Das gilt nicht nur für Schüler, die sich bald für einen Berufsweg entscheiden müssen. Sondern auch für ihre Eltern.

Michael Aust

aktiv-Redakteur

Michael Aust berichtet bei aktiv als Reporter aus Betrieben und schreibt über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Nach seinem Germanistikstudium absolvierte er die Deutsche Journalistenschule, bevor er als Redakteur für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Mitarbeiter-Magazine diverser Unternehmen arbeitete. Privat spielt er Klavier in einer Band. 

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