Das Wichtigste auf einen Blick:
- Im Bayerischen Wald leistet die Bergwacht Hauzenberg-Waldkirchen jährlich rund 30 Einsätze. Schwerpunkt ist inzwischen der Sommer, da Schneemangel im Winter klassische Pistenunfälle zurückgehen lässt.
- Häufigste Aufgaben sind Vermisstensuche sowie Unfälle bei der Waldarbeit, oft mit Einsatz von Rettungshubschraubern.
- Ehrenamtler wie Bereitschaftsleiter Roland Biebl vom Unternehmen ZF sind für solche Fälle einsatzbereit.
Höllental und Watzmann-Ostwand,„so was haben wir hier nicht“, sagt Roland Biebl. Der Bayerische Wald ist dennoch anspruchsvoll, auch wenn es „nur“ ein Mittelgebirge ist. Auch hier gibt es unwegsames Gelände. Biebl: „Da ist schnell jemand abgerutscht und abgestürzt.“ Biebl, Ausbildungsleiter beim Automobilzulieferer ZF in Passau, ist ehrenamtlich Bereitschaftsleiter der Bergwacht Hauzenberg-Waldkirchen.
Immer mehr Einsätze im Sommer
Sein Einsatzgebiet erstreckt sich von Wegscheid bis Witzmannsberg, mit jeder Menge Bergwald. Höchste Erhebungen sind Oberfrauenwald (knapp 1.000 Meter) und Dreisessel (1.333 Meter), der Berg liegt bereits im Gebiet der Bereitschaft Passau. „Mit ihr arbeiten wir oft zusammen“, so Biebl, „ebenso mit Rettungsorganisationen, Katastrophenschutz und Feuerwehr.“
Die Bergwacht wird gerufen, wenn es um Einsätze in unwegsamem Gelände geht. Sie hat geschulte Leute, das nötige Wissen und Ausrüstung. 30-mal rückten Biebl und Team 2025 aus. „Die Einsätze verlagern sich immer mehr vom Winter in den Sommer.“ Stichwort Schneemangel: Der Schlepplift in Waldkirchen läuft nicht mehr so oft, das bedeutet weniger Unfälle auf der Piste, bei denen die Bergwacht Verletzte versorgen muss.
Ein Schwerpunkt ist die Vermisstensuche von betagten Menschen oder Personen mit Suizidgedanken. Die Suchen ziehen sich teils bis weit in die Nacht. Da kann es schnell kritisch werden, zu Erschöpfung kommt Unterkühlung, gerade bei kalter Witterung. „Bis jetzt ist es aber immer gut ausgegangen“, so Biebl. Alle Vermissten wurden gefunden. Auch zu Unfällen bei der Waldarbeit wird die Bergwacht gerufen. Oft sind Hubschrauber wie „Christoph 15“ aus Straubing beteiligt. Sie fliegen Luftretter zum Einsatzort, um Verletzte per Winde zu bergen.
„Umkehren bedeutet Umsichtigkeit und ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke“
Roland Biebl, Bereitschaftsleiter Bergwacht
Eile ist stets geboten. Am Handy sieht Biebl, wer sich zum Einsatz meldet. Sind es genug Leute? Oft spurtet er selbst los. Das hat aktiv beim Termin im ZF-Ausbildungszentrum im Frühjahr miterlebt. Interview und Foto für den Azubi-Bericht waren gerade im Kasten, da blickt Biebl sorgenvoll aufs Handy: Bergwacht-Alarm. „Tut mir leid, ich muss los.“
Ehrenamt in Deutschland
- Rund 27 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich – das entspricht gut einem Drittel der Bevölkerung. Sie sind in Sportvereinen, bei der freiwilligen Feuerwehr, in sozialen Einrichtungen, Rettungsorganisationen und vielen weiteren Bereichen aktiv.
- Der wirtschaftliche Wert dieses unentgeltlichen Engagements ist enorm: Würde man die geleisteten Stunden zu Marktlöhnen bewerten, ergäbe sich ein Gegenwert in zweistelliger Milliardenhöhe jährlich. Besonders im Rettungswesen, im Katastrophenschutz und in der sozialen Daseinsvorsorge ist das Ehrenamt unverzichtbar – staatliche oder privatwirtschaftliche Strukturen könnten es nicht ersetzen.
- Für Unternehmen der Industrie bietet das Ehrenamt eine doppelte Chance: Mitarbeitende, die sich ehrenamtlich engagieren, bringen oft ausgeprägte Teamfähigkeit, Führungskompetenz und Krisenresilienz mit, Fähigkeiten, die direkt im Berufsalltag wirken.
Und plötzlich sackte der Kollege zusammen
Ein Routineeinsatz: Betanken eines Rettungshubschraubers. Ein Anhänger mit Kerosin steht bereit, falls ein „Hubi“ mehr Sprit für eine Suchaktion oder einen Winchgang (Bergung mittels Seilwinde) braucht. Die Bergwachtler richten am Landeplatz alles her. So auch diesmal. Gerade als der Heli frisch betankt wieder starten will, fällt auf: Einem Bergwachtler geht es plötzlich schlecht, Atemnot, er sackt zusammen. „Dann ist das richtig eskaliert“, so Biebl. EKG, Defi, Reanimation. „Zum Glück war der Heli mit dem Notarzt noch nicht abgeflogen.“ Dem Bergretter geht es inzwischen wieder gut, seine Kameraden haben schnell reagiert.
Biebls Bergwacht-Ausrüstung liegt immer im Kofferraum: „Der ist dann voll, da schimpft meine Frau immer, wenn sie mit dem Auto zum Einkaufen will“, lacht er. Auch die rot-blaue Bergwacht-Jacke hängt im Büro bereit. Die Bergwacht ist für Biebl eine gute Abwechslung: „Ich sitz ja sonst so viel.“
Die Bergwacht Bayern
Die Bergwacht Bayern wurde 1920 gegründet und ist heute eine der größten Bergrettungsorganisationen Deutschlands, überwiegend ehrenamtlich getragen und rund um die Uhr im Einsatz. Knapp 5.000 Einsatzkräfte sind in 107 Bereitschaften und 86 Bergrettungswachten organisiert. 2025 verzeichnete die Organisation mit 9.068 Einsätzen einen neuen Höchststand gegenüber 7.864 im Vorjahr. Besonders im Sommer steigen die Zahlen: Allein zwischen Mai und Oktober 2025 rückten die Helfer 3.504 Mal aus, um erschöpften oder verletzten Wanderern, Bergsteigern und Mountainbikern zu Hilfe zu eilen.
Im Winter dominiert das Pistengeschäft: Im Winter 2024/25 entfielen 88 Prozent der 5.162 Einsätze auf Skifahrer und Snowboarder. In über 100 Skigebieten ist die Bergwacht fester Bestandteil des Rettungsdienstes.
Die Einsätze reichen von alpiner Rettung und Notfallmedizin über Lawinen- und Vermisstensuche bis hin zu Spezialrettungen in Höhlen, Canyons und Seilbahnen sowie Katastrophenschutz bei Hochwasser oder Waldbränden. Fast 900 Luftretter ergänzen die bodengebundenen Kräfte.
Finanziert wird die Organisation durch Fördermittel des Freistaats Bayern, Versicherungserstattungen sowie Spenden. Die Aufgaben wachsen – mit dem Projekt „Bayerisches Zentrum für Alpine Sicherheit" investiert die Bergwacht gezielt in die Rettungsinfrastruktur der Zukunft.
Bergwacht live gibt es in der TV-Serie „In höchster Not“ zu sehen. Die Doku schildert echte Einsätze. Die Bergwachten Grainau und Ramsau haben sich dazu über die Schulter schauen lassen. Für ihr Engagement wurden sie mit dem Bayerischen Engagiert-Preis ausgezeichnet. Es gibt bereits zwei Staffeln, die dritte Staffel wird aktuell gedreht und soll 2027 abrufbar sein. Als dritte Bergwacht ist diesmal auch Oberstdorf im Allgäu beteiligt.

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.
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