Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Optalio in Eschborn wurde 2021 gegründet.
  • Das Start-up unterstützt Industrie-Unternehmen mithilfe von KI bei der digitalen Transformation.
  • Noch 2026 will Optalio eine neue KI auf den Markt bringen, die per Chat bei der Lösung von Problemen hilft.

Optalio in Eschborn optimiert die Produktionsprozesse und Maschinenparks von Firmen in Echtzeit. aktiv sprach mit Benedikt Sturm, dem Technikchef (CTO) und Mitgründer von Optalio darüber, wie das ehemalige Start-up vor allem kleine und mittlere Unternehmen bei der digitalen Transformation unterstützt und dabei auch auf künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen setzt.

Zur Person

  • Benedikt Sturm, geboren 1990 in Frankfurt am Main
  • Abitur in Frankfurt, anschließend freiwilliges soziales Jahr im Sportbereich
  • Mathematik-Studium an der Goethe-Universität in Frankfurt mit Masterabschluss
  • Software-Entwickler und Mathematiker beim Frankfurter Ingenieurunternehmen FCE
  • 2021 Mitgründung von Optalio mit Alexander Brehm und Julian Höser

Herr Sturm, Optalio ist ein PLM-Anbieter. Was muss man sich darunter vorstellen?

PLM steht für Product Lifecycle Management. Das ist die englische Bezeichnung für die Verwaltung und Steuerung eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Also von der Idee, Entwicklung und Produktion bis zur Entsorgung. Während des kompletten Zyklus entsteht eine gewaltige Menge von Daten, die man sammeln, aufbereiten und analysieren sollte. Denn aus den Daten kann man einen gewaltigen Nutzen ziehen.

Welchen Nutzen kann man daraus ziehen?

Sie helfen Firmen Kosten zu senken, die Effizienz zu verbessern und ihre Rentabilität zu steigern. Dafür muss man Daten sammeln, sichtbar machen und analysieren. Und genau dabei helfen wir.

Was heißt das genau?

Wir begleiten den Weg vom Auftrag bis zum versandfertigen Produkt mithilfe unserer KI-Plattform, einer Rundum- oder 360-Grad-Lösung für die Produktion. Dabei greifen alle Prozesse, von der Produktions- und Mitarbeiterplanung über Materialfluss und Arbeitsplatzmanagement bis hin zu Echtzeitanalysen, nahtlos ineinander. Selbst bei dem meist unberechenbaren Ausfall eines Beschäftigten weiß die KI sofort, wer alternativ die Aufgabe übernehmen könnte und ob diese Person verfügbar ist oder es weitere Alternativen gibt.

Mit der KI lassen sich Engpässe frühzeitig erkennen

Das heißt, Sie sorgen für einen permanenten guten Überblick?

Ja. Unser integriertes Ausfallmanagement und Arbeitssicherheitsfunktionen sorgen dafür, dass man selbst bei unvorhergesehenen Ereignissen den Überblick behält. Mit Simulationen, Absatzprognosen und Visualisierungen lassen sich Engpässe frühzeitig erkennen. Abläufe werden optimiert und man kann fundiertere Entscheidungen treffen.

Nützlliches Wissen

Warum ist das wichtig?

Bisher waren Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen nur mit einem großen innerbetrieblichen Aufwand zu erreichen. Mit unserer Lösung, die wir als SaaS-Plattform anbieten, hält sich dieser Aufwand wirklich in Grenzen dank der von uns entwickelten künstlichen Intelligenz und maschinellen Lernalgorithmen. Sie helfen, die Prozesse im Unternehmen zu optimieren, Durchlaufzeiten zu verkürzen und darüber eben mehr Effizienz in die Produktion zu bringen. Übrigens ist das auch für die Schonung von Ressourcen und geringeren Energieverbrauch eine feine Sache.

Was bedeutet SaaS?

SaaS steht für Software as a Service. Statt ein Software-Programm zu kaufen und auf dem eigenen PC zu installieren, nutzt man die angebotene Software übers Internet, in diesem Fall unsere eigens entwickelte Software-Plattform, und zahlt zum Beispiel monatlich für die Leistung. Die Plattform entwickeln wir kontinuierlich weiter, angepasst auf die Herausforderungen unserer Kunden.

Wie kamen Sie auf die Idee, Optalio zu gründen?

In großen Unternehmen ist PLM längst Standard, arbeiten Konstruktion, IT, Produktion und andere eng zusammen. Viele Konzerne haben sogar eigene Kompetenzzentren dafür. Von all dem kann der Mittelstand nur träumen. Was die digitale Transformation angeht, hinken viele kleinere Unternehmen einfach noch hinterher. Die Digitalisierung lastet auf den Schultern der Führungskräfte noch on top neben den vielen anderen Aufgaben, die das Management zu leisten hat. Dabei entwickeln sich allein schon das Thema KI und die damit verbundenen Möglichkeiten in einem unglaublich rasanten Tempo weiter.

Woher kommt der Name Optalio?

Es ist der Mix aus Optimieren, Algorithmus, Input und Output. Der Name sollte zu uns passen, gut klingen und durfte noch nicht geschützt sein. In einer launigen Runde kamen wir dann auf Optalio.

Wann sind Sie mit Optalio gestartet?

Die Idee, mit intelligenter Software die digitale Transformation des produzierenden deutschen Mittelstands voranzutreiben, hatten Mitgründer Alexander Brehm und ich 2020. Wir sind beide im gleichen Hockeyklub und waren dort auch ehrenamtliche Trainer. Also hatten wir immer mal Zeit, um über Tools und Modelle zu diskutieren, die für den Mittelstand interessant sein könnten. Alexander ist Betriebswirt und auch in der Finanzwelt unterwegs. Ich entwickelte damals als Mathematiker in einem Ingenieurbüro entsprechende Programme für die Großindustrie. Für uns beide war absehbar, dass der Mittelstand bei der Digitalisierung nur schwer hinterherkommen würde. 2021 gründeten wir dann Optalio und haben inzwischen schon viele spannende Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation unterstützt.

Wie sind die Pläne für die Zukunft?

Noch in diesem Jahr wollen wir eine neue KI an den Start bringen, mit der der Kunde chatten kann und die auch aus eigenem Antrieb Probleme aufgreift und Rückfragen stellt. Die kann man dann fragen, was zu tun ist, weil Mitarbeiter XY ausfällt. Alternativ soll die KI auch Rückfragen stellen, wenn sie mögliche Probleme entdeckt. Zudem arbeiten wir an strategischen Partnerschaften für die Einbindung von ERP-Systemen, damit wir zukünftig neben der reinen Produktion auch die anderen Bereiche im Unternehmen mit begleiten können. Denn eins ist klar: Die Digitalisierung geht mit Riesenschritten weiter.

Gründerboom bei Start-ups in Hessen

2025 wurden in Hessen 247 Start-ups neu gegründet. Das sind 56 mehr als 2024, so der Bundesverband Deutsche Start-ups. Unter allen Bundesländern steht Hessen damit auf Platz vier, nach Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Die meisten Neugründungen fanden mit 22 Prozent im Bereich Software statt. Ein wachsender Trend sind hier KI und Rechenzentren. 12 Prozent der neuen Unternehmen arbeiten im Bereich Medizin, 7 Prozent im Finanzwesen. Hier liegt Hessen deutlich vor dem Bundestrend (3 Prozent).

Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

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