Im Hohenlimburger Nahmertal walzte 1830 Johann Peter Hüsecken als Erster runden Draht zwischen zwei gehärteten Walzen, von Alfred Krupp geliefert, zu einem dünnen Band flach. Und das passiert hier, mit fortgeschrittener Technik, aber nach gleichem Prinzip, noch heute.
Klar ist: Ohne die Mitarbeiter hätte das nicht geklappt. „Die Insolvenz 2013 war ein großer Schnitt“, erinnert sich Jana Lob aus der Personalabteilung. Die Übernahme durch die schwedische Hörle Wire Gruppe 2014 brachte den Betrieb wieder in die Spur. Die Flut, die sieben Jahre später einen Schaden von rund 8 Millionen Euro verursachte, war dann eine ganz andere Herausforderung. „Alles stand unter Wasser, nichts ging mehr“, sagt Lob. Aber: Alle hätten mit angepackt, gemeinsam über Wochen und Monate geackert. „Das hat uns echt zusammengeschweißt und den Zusammenhalt in der Firma extrem gefördert.“
Markus Scholz, seit eineinhalb Jahren Geschäftsführer, hat das selbst nicht miterlebt. Aber er betont mit Nachdruck: „Die Mitarbeiter haben so viel mitgemacht. Wir brauchen sie.“ Ihre Zufriedenheit steht für ihn deshalb ganz oben.
Er setzt damit eine Entwicklung der vergangenen Jahre fort, die jetzt durch die Auszeichnung mit dem „Prädikat Familienfreundliches Unternehmen“ auch nach außen deutlich sichtbar wird.
Familienfreundlichkeit ist zertifiziert
Dieser Titel, verliehen unter anderem von der agentur mark und dem Märkischen Arbeitgeberverband, hebt ein besonderes Engagement für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hervor. Ein Thema, das bei Huesecken Wire schon länger im Fokus steht. „Gelebte Familienfreundlichkeit“, nennen das Jana Lob und ihre Kollegin im Personalbüro, Helga Weidemann.
Mitarbeiter aus der Produktion in die Elternzeit gehen zu lassen gehört dazu, auch wenn es für den Betrieb schwierig sein kann. Die Bedürfnisse dreier alleinerziehender Väter im Schichtbetrieb zu berücksichtigen ebenso. Aber es geht nicht nur um Eltern mit kleinen Kindern. Helga Weidemann hat sich zur Pflegelotsin ausbilden lassen, um Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen noch besser unterstützen und beraten zu können. Flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice, Gesundheitsförderung – eine Bandbreite an Angeboten, passend zur jeweiligen Lebensphase, steht den rund 60 Mitarbeitern zur Verfügung. „Wir haben die Baby-Boomer und die Generationen X/Y/Z im Betrieb. Die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse zu berücksichtigen, ist unsere Stärke“, sind die beiden Personalerinnen überzeugt. „Wir versuchen, vieles möglich zu machen.“
Nicht viele Mitbewerber in der Produktnische
Gebraucht werden schließlich alle Generationen, um das Unternehmen weiter nach vorne zu bringen. „Wir möchten unseren Geschäftsbereich erweitern und neue Märkte erschließen, um die ganze Gruppe noch besser zu positionieren“, sagt Geschäftsführer Scholz. Der Flachdraht, der in Hohenlimburg in verschiedenen Abmessungen und Güten auf sechs Kaltwalzanlagen gefertigt wird, kommt in den verschiedensten Bereichen zum Einsatz. Ein wichtiger ist die Bauindustrie mit Fenster-, Tür- und Möbelbeschlägen. Die schmalen Bänder bis maximal 35 Millimeter Breite werden aber auch im Auto, in Fahrradschlössern, Notenständern oder Gitterrosten verarbeitet.
„Wir haben uns verschiedene Felder angesehen“, erklärt Scholz: „Es gibt einige Zukunftsbranchen, die für uns interessant sind und Möglichkeiten bieten.“ Die Wettbewerbssituation sei überschaubar. „Wir bewegen uns schon in einer Nische. Es gibt nicht so viele, die Flachdraht aus Walzdraht herstellen.“ Der Vorteil dieses Verfahrens im Vergleich zur Verarbeitung von Spaltband: Andere Abmessungen und Kantenausführungen sind möglich. Zudem wird oft kundenspezifisch gefertigt, nicht nur bei profiliertem Flachdraht. Dessen hohe Belastbarkeit bewährt sich unter anderem im Werkzeugbereich.
Gutes Miteinander von Jung und Alt
Dass die Qualität stimmt, die schon immer ein Markenzeichen von Huesecken Wire war, dafür sorgen die umfangreichen Prüfmöglichkeiten im Labor. Dafür stehen aber eben auch die Mitarbeiter mit ihrem Know-how und ihren Erfahrungen. Das geben die Älteren gerne an den Nachwuchs weiter.
Maschinen- und Anlagenführer, Industriemechaniker, Mechatroniker und Werkstoffprüfer werden regelmäßig ausgebildet. Das Miteinander stimmt. „Es herrscht hier eine schöne familiäre Atmosphäre. Auch die Kollegen untereinander verstehen sich gut und haben Verständnis füreinander. Springen ein, wenn es nötig ist“, sagt Betriebsrat Jörg Lingnau. Und das nicht nur während der Flutkatastrophe 2021 – als nach Feierabend noch den Kollegen geholfen wurde, deren Wohnungen weiter unten an der Straße ebenfalls unter Wasser standen.

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten.
Alle Beiträge der Autorin








