Das Wichtigste auf einen Blick:
- Der Baumaschinen- und -gerätehersteller Wacker Neuson will seine gesamte Flotte mittelfristig elektrifizieren und für jedes Produkt eine elektrische Alternative anbieten.
- Die „zero emission“-Geräte sind für einen ganzen Arbeitstag ausgelegt. Sie arbeiten emissionsfrei, leise und effizient.
- Eine neue Akku‑Generation ermöglicht dabei mehr Leistung bei gleichem Bauraum.
Christian Lange und Kollegen haben ein gutes Ziel: „Mittelfristig wollen wir unsere komplette Flotte elektrifizieren und zu jedem unserer Baugeräte und Maschinen mit Verbrennungsmotor eine elektrische Variante anbieten.“
Lange ist promovierter Maschinenbau-Ingenieur, leitet seit sechs Jahren die Forschung und Entwicklung vom Baumaschinen- und -gerätehersteller Wacker Neuson und zeigte aktiv den Standort Reichertshofen (500 Mitarbeitende). Hier werden die sogenannten handgeführten Baugeräte der Gruppe hergestellt. Sie beschäftigt weltweit rund 5.800 Mitarbeitende, stellt auch Bagger, Dumper, Radlader sowie Produkte für die Betontechnik her.
Der Bestseller sind Vibrationsplatten
Reichertshofen ist Kompetenzzentrum für Verdichtungstechnik. Wichtigste Produkte hier aus der Hallertau sind Vibrationsplatten („Rüttelplatten“) und Stampfer. Hier fertigt man Geräte für die Bodenverdichtung für den weltweiten Bedarf. Sie sind auf Baustellen rund um den Globus anzutreffen – erkennbar am leuchtend gelben Anstrich, dem Wacker-Neuson-Gelb.
Und seit dem Start der elektrischen Serie im Jahr 2014 hat sich einiges getan. Bis zur 200-Kilo-Klasse sind heute bereits viele elektrifizierte Modelle verfügbar. „Jetzt stoßen wir in die 500-Kilo-Klasse vor“, so Lange. Dafür wird eine ganz neue Akku-Generation entwickelt, mit mehr Leistung, aber auf gleichem Raum. Denn wie beim E-Auto auf der Straße geht es auch im Bauraum um Kapazität. Es muss möglichst viel Power in den Akku „rein“.
M+E ist mein Ding
Nachgefragt bei Christian Lange
- Dafür stehe ich morgens auf: Um den Wandel hin zur Elektrifizierung und Digitalisierung unserer Produkte aktiv voranzutreiben und zu gestalten.
- Das mag ich an meinem Job: Mir gefällt das „Entwickeln“ von Menschen und auch von Maschinen in einem positiven und agilen Umfeld.
- Das ist bei uns echt gut:Die echte Baustellen-DNA aus Jahrzehnten! Ich komme zwar ursprünglich vom Automobil, habe promoviert zu Assistenzsystemen. Doch Rüttelplatten sind für mich als Ingenieur mindestens ebenso spannend.
Ein ganzer Arbeitstag ohne nachzuladen
Die „zero emission“-Geräte, wie die Firma ihre E-Modelle nennt, sollen einen durchschnittlichen Arbeitstag durchhalten – ohne Nachladen. Mehr als 15 Kilogramm darf das Wechselsystem, ein kompakter Akku-Koffer mit ergonomischem Griff, nicht wiegen. Man denkt an die Bauarbeiter, die das mal tragen sollen.
„Unsere Technik ist prädestiniert für urbane Baustellen“
Helmut Bauer, Geschäftsführer Wacker Neuson Reichertshofen
Wacker Neuson setzt technologische Standards, baut seine Position als ein führendes Unternehmen im Bereich der Boden- und Betonverdichtung stetig aus und positioniert sich weiter für die Zukunft. „Die Elektrifizierung ist eine Riesenchance für uns“, so Lange. Klimaschutz auf der Baustelle kommt, das schont Anwender und Umwelt. Emissionsfrei, leise, wartungsarm – ideale Geräte für Baustellen in der Stadt.
Das Unternehmen
- Wacker Neuson stellt Maschinen und Baugeräte für Profis her. Hermann Wacker erfand 1930 den ersten Elektrostampfer. Bodenverdichtung wird seither auch als „wackern“ bezeichnet. Hier gibt es mehr zur Firmenhistorie.
- Am Standort Reichertshofen werden Innen- und Außenrüttler, Vibrationsstampfer und -platten, Frequenzumformer sowie Abbruchhämmer gefertigt.
- Hier sitzen zudem Forschung und Entwicklung, Versuchshalle und ein Schulungszentrum für Mitarbeitende, Kunden, Händler.
Beim Direktantrieb haben die Entwickler das Maximale herausgeholt. „Wir haben nicht einfach nur den Motor ausgetauscht, sondern das gesamte System neu gedacht“, erklärt Lange. „Das hebt uns von Wettbewerbern ab.“
Der Motor sitzt nicht oben, wie bisher bei der Verbrennerversion, sondern unten am Gerät, dort, wo es heftig rüttelt und stampft, wo die Bewegung entsteht. „Das ist maximal effizient“, so Lange. „Wir erreichen damit eine bis zu doppelt so lange Laufzeit – bei gleicher Akkukapazität.“ Auch bei einem weiteren zentralen Thema ist das starke Team aus Forschung und Entwicklung in Reichertshofen vorne dran: Es steht für die digitale Weiterentwicklung sämtlicher Produkte im Konzern.
Intelligente Steuerung von Maschinenparks
Intensiv wird an neuen Lösungen für datengetriebene Services gearbeitet, im eigenen Haus und mit Partnern. Mit den Anwendungen lassen sich ganze Flotten und Maschinenparks intelligent steuern, überwachen und disponieren.
Sie zeigen etwa, wo eine Baumaschine gerade steht, wie sie ausgelastet ist, wann der nächste Service ansteht und ob Anzeichen für Verschleiß erkennbar sind. Ein „digitales Gehirn“ sammelt, speichert und bereitet die Daten auf: Alles auf der Baustelle ist so im Blick.
Bau-Industrie in Deutschland
- Die Bau-Industrie zählt zu den wichtigsten Branchen in Deutschland und beschäftigt mehrere Hunderttausend Menschen. Sie umfasst Hoch-, Tief- und Ausbaugewerbe.
- Aktuelle Herausforderungen sind steigende Materialkosten, Fachkräftemangel und die schwankende Nachfrage – insbesondere im Wohnungsbau.
- Die Trends der Zukunft sind Digitalisierung, nachhaltiges Bauen sowie die Elektrifizierung von Maschinen. Sie gewinnen stark an Bedeutung, ebenso wie klimafreundliche Baustoffe oder energieeffiziente Bauweisen.

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.
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