Das Wichtigste auf einen Blick:
- Die Arbeit von Textillaborantinnen und Textillaboranten ist vielschichtig. Sie erstreckt sich von der Faserprüfung, über Belastungstests von Werkteile bis hin zu chemischen Analysen.
- Fachkräfte mit diesem speziellen Know-how können in der Qualitätskontrolle von Textilien, in der Chemie- und Faserindustrie oder in unabhängigen Prüflaboren arbeiten.
- Die Ausbildung zur Textillaborantin oder zum Textillaboranten dauert in der Regel 3,5 Jahre.
Jetzt ist Konzentration gefragt. Mit ruhiger Hand lässt Britta Lauts Tropfen für Tropfen einer klaren Flüssigkeit aus einem langen Glasrohr – einer Bürette – in ein Probenglas rinnen. Sie beobachtet den Inhalt des Glases genau. Plötzlich, als hätte sich ein Schalter umgelegt, schlägt die Farbe der Probe um: von transparent auf blau!
Autoneum in Bocholt bringt Lärm- und Hitzeschutz ins Auto
„Die Salzsäure in der Bürette hat mit der Lauge im Glas vollständig reagiert“, erklärt die Textillaborantin beim aktiv-Besuch im Labor von AutoneumAutoneum in Bocholt, einem Hersteller multifunktionaler, leichtgewichtiger und nachhaltiger Komponenten für Lärm- und Hitzeschutz in Fahrzeugen. Dazu gehören etwa Isolationen, Verkleidungen und Teppiche.
Im Probenglas ist jetzt pH-neutrales, einfaches Kochsalz. „Gerade solche Arbeiten haben mich an dem Beruf gereizt“, sagt die 22-Jährige. „Ich wollte unbedingt chemisch-analytisch tätig sein.“ Diesen Traum hat sie sich erfüllt – sogar mit Auszeichnung.
Die Karriere fest im Blick: Ausbildung und Studium gleichzeitig
Die gebürtige Friesin aus Jever hat im Sommer 2025 erfolgreich ihre Ausbildung beendet und ist laut DIHK derzeit die beste junge Textillaborantin Deutschlands – mit satten 94 Punkten in der Abschlussprüfung!
Gleichzeitig mit der Ausbildung hat sie ein duales Studium des Chemieingenieurwesens an der Hochschule Niederrhein in Krefeld begonnen. „Im nächsten Jahr mache ich meinen Bachelor-Abschluss“, sagt Lauts. Dann ist es vier Jahre her, dass sie mit einem Praktikum im Frühjahr 2023 bei Autoneum in die Berufswelt gestartet ist.
„In meiner nördlichen Heimat hatte ich nicht die Möglichkeit, ein duales Studium in dem Bereich zu beginnen“, so Lauts. Deshalb stand für sie damals schnell fest: „Ich will nach Bocholt gehen.“ Im Sommer 2023 bekommt sie dort die Chance, die Ausbildung zur Textillaborantin zu beginnen und parallel zu studieren. Seither pendelt sie zwischen Krefeld und Bocholt, wo sie eine kleine Wohnung hat. Während des Semesters sitzt sie in Vorlesungen, in den Semesterferien arbeitet sie Vollzeit im Labor.
„Ich wurde ab dem ersten Tag unglaublich gut aufgenommen, habe mich hier sofort wohlgefühlt“, berichtet Lauts. Zusammen mit vier weiteren Auszubildenden erlernt sie unterschiedliche Test- und Prüfungsverfahren: Zug-, Biege- sowie Abrieb-und Echtheitsprüfungen.
Labor unterstützt Entwicklung und Fertigung
Auch chemische Analysen gehören dazu. Ein Beispiel dafür ist Lauts durchgeführte Maßanalyse mit dem Färbeeffekt, Titration genannt. Sie ist wichtig, um die Konzentration von Emissionen zu bestimmen. Diese Prüfung wird an Textilien durchgeführt, die Autoneum in der Innen- und Kofferraumdämmung von Pkws einsetzt.
„Man muss neugierig und präzise sein – das liebe ich an der Arbeit im Labor“
Britta Lauts, Textillaborantin
Zusätzlich wird der pH-Wert von Flüssigkeiten ermittelt. „Er muss auf die enthaltenen flammenhemmenden Bindemittel abgestimmt sein“, erklärt Ausbilderin Nicole Kreutz. Sonst bestehe die Gefahr, dass das Mittel bei der Veredelung des Textils ausflockt und nicht mehr verarbeitet werden kann. Die Arbeit der Textillaborantin und ihrer Kollegen sorgt also nicht nur für Sicherheit im Auto, sie ist ebenso entscheidend für die Qualität, die Fertigung sowie die Entwicklung bei dem Automobilzulieferer!
Autoneum beschäftigt in Bocholt über 550 Menschen und bildet seinen eigenen Fachnachwuchs aus. „Wir brauchen ihn dringend, um solche wichtigen Prüfungen machen zu können“, erklärt Kreutz. Lauts kann bei solchen Tests ihrer Wissbegierde freien Lauf lassen: „Man muss neugierig und präzise sein. Genau das liebe ich an der Arbeit. “
„Wir bilden hier unseren eigenen Fachnachwuchs aus, den wir dringend brauchen“
Nicole Kreutz, Ausbilderin im Labor
Als Textillaborantin auch andere Autoneum-Standorte besucht
Dabei führt sie nicht nur Titrationen durch oder testet Faserproben, um die von Lieferanten dokumentierte Qualität zu prüfen. Autoneum lässt seinen Nachwuchs auch in die Labore anderer Standorte schnuppern. Das Unternehmen hat Niederlassungen in elf europäischen Ländern. „Ich war im Frühjahr an einem Standort in Polen und konnte mir dort Verfahren der Qualitätsprüfung anschauen“, sagt Lauts.
Zurück nach Bocholt ist sie gern gekommen. „Ich habe hier Anschluss gefunden, nicht nur bei der Arbeit, auch in der Freizeit.“ Zusammen mit anderen Azubis fährt sie Rennrad. Ausdauer kann sie brauchen, auch für ihre Zukunftspläne: „Ich möchte auf jeden Fall ein Masterstudium machen, am besten berufsbegleitend.
Duales Studium
Praxisnah und beliebt Derzeit studieren in Deutschland über 113.000 junge Menschen dual. Das heißt, sie studieren an einer Hochschule und sind gleichzeitig praktisch in einem Betrieb tätig. Nach einer aktuellen Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) gab es 2024 über 1.800 duale Studiengänge, in denen mehr als 52.000 Unternehmen mit Hochschulen kooperierten. Besonders stark vertreten sind Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, die zusammen über 90 Prozent des Angebots ausmachen.

Anja van Marwick-Ebner ist die aktiv-Expertin für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie. Sie berichtet vor allem aus deren Betrieben sowie über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Nach der Ausbildung zur Steuerfachgehilfin studierte sie VWL und volontierte unter anderem bei der „Deutschen Handwerks Zeitung“. Den Weg von ihrem Wohnort Leverkusen zur aktiv-Redaktion in Köln reitet sie am liebsten auf ihrem Steckenpferd: einem E-Bike.
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