Das Wichtigste auf einen Blick:

  • HLS Sacha in Gerstofen bei Augsburg plant und installiert automatisierte Roboter-Schweißanlagen für die Automobil-Industrie.
  • Das Geschäft damit wird aufgrund des Wettbewerbs und die Umstellung auf E-Autos schwieriger.
  • Aus diesem Grund versucht die Firma, ihre Kompetenzen auch auf andere Branchen zu übertragen, und bemüht sich um neue Kunden.

Wer seine Komfortzone verlässt, entwickelt sich weiter. Das gilt für Menschen, aber oft auch für Unternehmen. Die Firma HLS Sacha aus Gersthofen bei Augsburg, die in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen feiert, ist dafür ein gutes Beispiel. Neben dem traditionellen Geschäft mit automatisierten Roboter-Schweißanlagen für die Automobil-Industrie möchte sich HLS zunehmend neuen Branchen und Kunden zuwenden.

Denn die Automobil-Industrie befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Wandel. „Mit der E-Mobilität hat sich viel verändert“, sagt Betriebsleiter Attila Krenn. Produktzyklen seien heute weniger vorhersehbar als früher, zudem reduzierten viele Hersteller ihre Modellpalette. Dadurch werde der Markt kleiner und anspruchsvoller. Das ist auch für HLS eine große Herausforderung.

Die Rohkarosserie eines modernen Wagens hat bis zu 800 Bauteile

Gleichzeitig entstehen jedoch neue Möglichkeiten. HLS verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Automatisierung komplexer Produktionsprozesse. Die Rohkarosserie eines modernen Fahrzeugs besteht aus bis zu 800 einzelnen Bauteilen, von denen etwa 90 Prozent automatisiert verarbeitet werden. Genau hier liegt die Stärke des Unternehmens: HLS entwickelt Lösungen dafür, wie Bauteile effizient und präzise zusammengeschweißt werden können.

Immer häufiger wird HLS bereits in die Produktentwicklung eingebunden. Dabei unterstützt das Unternehmen Kunden schon früh bei der Frage, wie Bauteile konstruiert sein müssen, damit sie optimal automatisiert gefertigt werden können. Das eröffnet zusätzliche Chancen für langfristige Zusammenarbeit mit bestehenden Kunden.

„Mit unserer Erfahrung können wir überall einen Mehrwert bieten“

Attila Krenn, Betriebsleiter von HLS Sacha

Darüber hinaus arbeitet HLS intensiv daran, neue Märkte zu erschließen. Erste Projekte im Eisenbahnmarkt konnten bereits erfolgreich umgesetzt werden. Die Luftfahrt und die Verteidigungsbranche sollen folgen – auch wenn dort die Stückzahlen nicht immer groß genug für einen hohen Automatisierungsgrad sind.

Die Automatisierung wird weiter zunehmen

Die industrielle Welt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Produktionshallen, die früher von manueller Arbeit geprägt waren, verwandeln sich zunehmend in hochautomatisierte, digital vernetzte Umgebungen. Selbstlernende Industrieroboter übernehmen heute Aufgaben, die einst monotone Fließbandarbeit erforderten. Mithilfe künstlicher Intelligenz arbeiten sie schneller, präziser und effizienter und entlasten gleichzeitig die Beschäftigten. Was lange Zeit vor allem in der Automobil-Industrie Standard war, hat sich inzwischen in nahezu allen Fertigungsbranchen etabliert.

Auch die Chemie- und Pharma-Industrie, die Lebensmittelproduktion, die Medizintechnik sowie der Maschinen- und Anlagenbau profitieren von automatisierten Prozessen, die Qualität, Sicherheit und Produktivität deutlich steigern. Die Smart Factory ist damit längst kein Zukunftsversprechen mehr, sondern gelebte Realität: Intelligente Systeme, die miteinander kommunizieren, Daten in Echtzeit analysieren und Prozesse selbstständig optimieren.

Unternehmen stehen nun an der Schwelle zur nächsten Stufe, in der Produktionssysteme nicht nur automatisiert, sondern auch lernfähig sind. KI gestützte Roboter erkennen Muster, reagieren flexibel auf Veränderungen und verbessern ihre Abläufe kontinuierlich. Damit wird die intelligente Fabrik zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für die Industrie von morgen.

Im Maschinenbau, in der Medizintechnik sowie in der Verpackungs-, Lebensmittel-, Energie- und Umwelttechnik sieht das Unternehmen ebenfalls großes Potenzial. „Mit unserer Erfahrung aus der Automobil-Industrie können wir da überall einen Mehrwert einbringen“, betont Krenn.

Kunden halten sich aktuell mit Aufträgen eher zurück

Zwar beobachten viele Unternehmen derzeit eine zurückhaltende Investitionsbereitschaft. Zahlreiche Firmen zögern aktuell, am Wirtschaftsstandort Deutschland in neue Produktionsanlagen zu investieren. Dennoch blickt HLS optimistisch in die Zukunft und vertraut auf die eigene Stärke. „Mit technischer Kompetenz, Flexibilität und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen, schafft das Unternehmen wichtige Voraussetzungen, um auch in einem sich wandelnden Markt erfolgreich zu bleiben“, sagt Krenn.

Michael Stark
aktiv-Redakteur

Michael Stark schreibt aus der Münchner aktiv-Redaktion vor allem über Betriebe und Themen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Darüber hinaus beschäftigt sich der Volkswirt immer wieder mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Das journalistische Handwerk lernte der gebürtige Hesse als Volontär bei der Mediengruppe Münchner Merkur/tz. An Wochenenden trifft man den Wahl-Landshuter regelmäßig im Eisstadion.

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