Köln/Stuttgart. Ford, Hella, Bilstein und viele andere – in Nordrhein-Westfalen produzieren bekannte Unternehmen Autos und Kraftfahrzeugteile. Das Auto hat eine große Bedeutung für den Wohlstand. Doch wohin geht die Reise? aktiv sprach über die Entwicklung mit dem Branchenexperten Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.

Steckt die Auto-Industrie mitten in einer Krise?

Jedenfalls ist schon seit 2018 auf dem Automarkt einiges in Unordnung geraten. Die deutsche Automobil-Industrie hat ja in den letzten zehn Jahren ein goldenes Zeitalter erlebt, weil sie sich sehr international aufgestellt hat und dadurch stark von der Globalisierung profitieren konnte. Doch diese Phase ist jetzt erst mal vorbei.

Was sind die Gründe dafür?

Vor allem der Protektionismus in der internationalen Handelspolitik! Früher war die Globalisierung der Erfolgsfaktor der Branche, jetzt werden Handelshemmnisse zum Problem. Dazu kommen die strengen Vorgaben zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes: Die Unternehmen müssen sehr viel in die Entwicklung alternativer Antriebe investieren. Das schmälert die Gewinne zusätzlich.

IW-Forscher Thomas Puls: „Seit 2018 ist auf dem Automarkt einiges in Unordnung geraten.“

Wie schwierig ist es, Zukunftslösungen zu entwickeln, bei denen man nicht weiß, ob sie beim Verbraucher überhaupt ankommen?

Das ist ein riesiges wirtschaftliches Risiko – denn am Ende bestimmt der Kunde, was gekauft wird. So verschwand beispielsweise das erste Drei-Liter-Auto schnell wieder in der Versenkung – während das SUV wider Erwarten groß den Markt eroberte.

Die Bundesregierung will, dass bis 2030 zehn Millionen Elektroautos auf unseren Straßen fahren …

Umso mehr ist die Politik gefordert, eine ausreichende Lade-Infrastruktur aufzubauen. Erst damit bekommt der Kunde ja die Sicherheit, dass er sein Elektroauto auch wirklich fahren kann. Fest steht: Die Hersteller müssen in der Lage sein, das Feld zu bespielen, wenn sie an der Spitze bleiben wollen. Die nächsten zwei, drei Jahre werden da sehr spannend, es wird sich einiges tun – und es wird im Übrigen eine Vielzahl alternativer Antriebe geben.

Wird das Autoland Nordrhein-Westfalen den Wandel packen?

So ein Wandel birgt natürlich gerade für Technologieführer Risiken. Es wird Gewinner und Verlierer geben. Doch die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen sind insgesamt nicht mal so schlecht aufgestellt. Die Firmen investierten zuletzt 1,3 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. 19 Prozent aller Aufwendungen für neue Produkte oder Patente werden in NRW von der Automobil-Branche getätigt. Sie hat die Innovationskraft, um den Wandel zu meistern.