- Arbeitsunfälle drohen im analogen ebenso wie im digitalen Raum.
- Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) prüft, wie sich Unfälle vermeiden lassen.
- Virtual Reality (VR) hilft Arbeitsschützern dabei, gefährliche Situationen ohne Risiko durchzuspielen.
Eine Computermaus – was kann es Harmloseres geben? Sollte man meinen. Diese Maus hier ist jedoch brandgefährlich, in ihr steckt ein manipulierter Chip. Er schreibt unbemerkt einen neuen Code, der die Industriesteuerung in einer Chemieproduktion angreift. Die Folge: Aus einem Tank lässt sich kein Gas mehr für die Prozesse entnehmen, der Füllstand steigt. Auf den Nothalt reagiert das System auch nicht mehr – und dann knallt’s!
Zum Glück spielt sich dieses Szenario nur in einem Prüflabor ab. Hier, im Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) in Sankt Augustin, haben Jonas Stein und Matthias Weitz den Hacker-Angriff auf ein Chemiewerk im Kleinen nachgebaut.
Kein abwegiges Szenario, versichern die beiden Security-Experten beim aktiv-Besuch: So ähnlich hat es sich vor einigen Jahren in einem Stahlwerk abgespielt! Der Hochofen ließ sich nicht mehr kontrolliert herunterfahren. Menschen kamen damals nicht zu Schaden, aber wirtschaftlich kostete die Attacke Millionen. Oft übersehen Unternehmen beim IT-Schutz vermeintlich harmlose, sogenannte periphere Komponenten: Das kann eine präparierte Maus sein, ein Ladekabel oder auch die Funksteuerung eines Krans.
Kann man Exoskelette täglich nutzen?
Das Prüflabor für Industrial Security ist eines von vielen im IFA. Einen Flur weiter, im Ergonomielabor, wird Theresa Braun gerade in hautenger Sportkleidung mit reflektierenden Punkten beklebt. Dann zieht sich die IFA-Mitarbeiterin ein Exoskelett an und macht sich an einer Kabelschiene zu schaffen. Die Punkte auf ihren Schultern, Ellenbogen und Handgelenken werden dabei von einer Kamera erfasst. Bewegungen lassen sich so zuverlässig messen.
„Der Simulator hilft, ins Gespräch übers Stolpern zu kommen“
Jan Zimmermann, Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA)
Im Labor ist dafür ein Montageplatz aus der Flugzeugproduktion nachgebaut, an dem man über Kopf arbeiten muss. In dem Job halten die Monteure oft bis zu vier Kilogramm schwere Geräte – das erhöht das Risiko für Schulterbeschwerden oder sogar -erkrankungen. Schulterunterstützende Exoskelette können die Belastungen, die in solchen Über-Kopf-Haltungen auftreten, punktuell dämpfen. Allerdings wirkt das System nicht generell entlastend, sondern nur für bestimmte Arbeitsschritte. Zudem ist es selbst recht schwer: Wie wirkt es sich also aus, dieses zusätzliche Gewicht eine Schicht lang zu tragen? Kann man damit hängenbleiben? Oder bei Alarm aus dem Werk rennen?
Virtuell über Kisten oder Paletten stolpern
Es sind Fragen wie diese, auf die das IFA-Team Antworten geben will. „Die ersten Modelle kamen 2018 auf den Markt, dann kam die Pandemie dazwischen. Erfahrungsberichte gibt es erst seit ein bis zwei Jahren“, erklärt Heinrich. Das Ergonomielabor gibt nun einen Leitfaden heraus für Betriebe, die Exoskelette einsetzen. „Wir beraten, ob der Einsatz an einem bestimmten Arbeitsplatz Sinn macht.“
17 Arbeitsunfälle auf je 1.000 Beschäftigte gab es 2024
(Quelle: DGUV)
Im Virtualizer wiederum geht es um Fälle, bei denen jede Vorsicht zu spät ist: Hier werden Unfälle simuliert – in einer virtuellen Welt. Andy Lungfiel und Jan Zimmermann lassen Beschäftigte Stolperfallen in ihrem Betriebsalltag suchen. Die Probanden setzen sich dazu eine VR-Brille auf und bewegen sich in einer Art Gehhilfe auf einer rutschigen Platte. In der virtuellen Umgebung, die die beiden IFA-Forscher entwickelt haben, stolpern die Testpersonen über herumliegende Paletten, stürzen über achtlos abgestellte Werkzeugkisten und rutschen auf Wasserlachen aus. Der Virtualizer steckt in einem Lkw. Mit ihm fährt die Berufsgenossenschaft, für die das IFA ihn entwickelt hat, von Betrieb zu Betrieb. Die Rutschpartie wird dabei auf die jeweilige Arbeitsumgebung angepasst. Ziel ist, Beschäftigte für Alltagsgefahren zu sensibilisieren, die man leicht übersieht. „Stürze verursachen rund 170.000 Arbeitsunfälle jährlich“, erklärt Zimmermann. „Der Simulator hilft, ins Gespräch zu kommen über das Thema Stolpern. Und wir können dort auch andere Gefahren einbauen.“ Damit Arbeit künftig noch sicherer wird.
Cybersicherheit: Was IFA-Experten da raten
- Auf dem Laufenden bleiben: Das IFA stellt die neuesten Handlungsempfehlungen für Unternehmen auf cert.dguv.de bereit.
- Nur den Personen digitalen Zugang gewähren, die ihn benötigen – die Schlüssel fürs Haus würde man ja auch nicht jedem geben.
- Nur die Komponenten vernetzen, die unbedingt vernetzt werden müssen.
- Vorbereitet sein: Ein internationaler Standard ermöglicht es Unternehmen, über die Datei security.txt auf ihrer Website einen Kontakt für den Ernstfall zu benennen.
Das IFA
- Das Institut für Arbeitsschutz (kurz IFA) in St. Augustin nahe Bonn ist ein Forschungs- und Prüfinstiut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.
- Es forscht zur Prävention von Arbeitsunfällen, zu Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren.
- Zu den IFA-Aufgaben gehört auch die Prüfung von Arbeitsmitteln und die Beratung von Unternehmen.

Matilda Jordanova-Duda schreibt für aktiv Betriebsreportagen und Mitarbeiterporträts. Ihre Lieblingsthemen sind Innovationen und die Energiewende. Sie hat Journalismus studiert und arbeitet als freie Autorin für mehrere Print- und Online-Medien, war auch schon beim Radio. Privat findet man sie beim Lesen, Stricken oder Heilkräuter-Sammeln.
Alle Beiträge der Autorin






