Das Wichtigste in Kürze

  • Arbeitsmarkt im Umbruch: Die Arbeitslosigkeit steigt. Offene Stellen werden weniger. Dennoch bleiben Hunderttausende Stellen unbesetzt. Dies gilt besonders für Pflege, IT, Bau und Handwerk.
  • Die Passung verbessern: Einige Industrien bauen Jobs ab. Zukunftsbranchen hingegen wachsen. Entscheidend sind nun gezielte Qualifizierung, clevere Berufswahl sowie Mobilität.
  • Chance für Fachkräfte: Millionen Menschen gehen in Rente. Das erhöht die Nachfrage nach Fachkräften. Ausländische Fachkräfte können helfen, den Mangel abzumildern. Investitionen setzen gute Impulse für den Arbeitsmarkt.  

Wie ist die Lage am deutschen Arbeitsmarkt?

2025 gibt es im Vergleich zum Vorjahr mehr Menschen ohne Job: Knapp drei Millionen waren im September arbeitslos gemeldet. Das sind 148.000 mehr als im September 2024.

Erfahren Sie in diesem Video, was der Fachkräftemangel für jeden Einzelnen und für die Unternehmen bedeutet

Wegen der schwachen Konjunktur sinkt auch die Zahl der offenen Stellen: von im Schnitt knapp 700.000 im vorigen Jahr auf aktuell rund 630.000. 

Obwohl sehr viele Menschen arbeiten, fehlen in bestimmten Branchen Fachkräfte

Die Beschäftigung liegt weiter auf sehr hohem Niveau: Im August 2025 waren laut Statistischem Bundesamt rund 45,8 Millionen Menschen erwerbstätig. Dabei sind immer mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt: derzeit rund 35 Millionen Menschen. Das ist ein Plus von 60.000 im Vergleich zum Vorjahr.

Arbeitgeber haben immer mehr Probleme, offene Stellen zu besetzen. Dieses Jahr benötigen sie dafür im Durchschnitt 169 Tage, fast ein halbes Jahr! Besonders lange dauert es in Bau, Handwerk und IT, gute Leute zu finden. Auch Fahrer- oder Pflegestellen sind sehr schwer zu besetzen.

Wieso gibt es Arbeitslose, aber zugleich auch Fachkräftemangel?

In bestimmten Branchen und Regionen werden Jobs abgebaut. Das betrifft zum Beispiel

Andere Branchen dagegen benötigen mehr Leute. Dies gilt etwa für

  • Pflege und Gesundheit,
  • Biotechnologie und Pharma,
  • neue Energietechnik und KI.

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung haben doppelte Effekte

Künstliche Intelligenz (KI) und Digitalisierung ersetzen Menschen. Dies betrifft ganz besonders die Helfertätigkeiten. Inzwischen kann KI aber auch hochqualifizierte Aufgaben übernehmen. Daher sind alle Level von der KI betroffen, nicht nur einfache Jobs.

Zugleich entstehen neue Arbeitsplätze. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet mit einem Plus: Bis 2040 soll es demnach durch KI und Digitalisierung Millionen neuer Jobs geben. Und zwar mehr, als durch KI und Digitalisierung wegfallen. Das IAB spricht daher von einem positiven Nettoeffekt.

Allein aufgrund des mit der Digitalisierung einhergehenden Strukturwandels entstehen bis 2040 2,5 Millionen Arbeitsplätze

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Das Problem ist es, Arbeitssuchende und (neue) Arbeitsplätze zusammenzubringen. Oft wohnen Arbeitssuchende nicht dort, wo die Jobs sind. Oder sie verfügen nicht über die gesuchten Qualifikationen. Oder sie wissen über gefragte Berufe nicht Bescheid.
Dieses Problem nennt man „Mismatch“ (englisch). Es lässt sich mit „es passt nicht zusammen“ übersetzen.

Gegen das Mismatching helfen:

Wie sieht die mittelfristige Entwicklung am Arbeitsmarkt aus?

Es gibt positive Impulse. Anfang 2025 stimmte der Bundestag einem 500 Milliarden schweren Sondervermögen zu. Vor allem Infrastruktur und Verteidigung sollen davon profitieren. Das stärkt auch Unternehmen, die bisher noch nicht für die Rüstung produziert haben. 

Zugleich verlassen derzeit jedes Jahr Millionen Ältere den Arbeitsmarkt. Deutlich weniger Junge rücken nach. Das bedeutet: Der demografische Wandel verbessert die Chancen für Arbeitskräfte.

Besonders gefragt sind jetzt und in Zukunft Fachkräfte mit einer Berufsausbildung. Sie sind viel begehrter als beispielsweise Ungelernte. Sogar der Bedarf an Fachleuten mit Hochschulabschluss ist niedriger als der an Fachkräften.

Wieso werden die Arbeitslosen nicht umgeschult zu Fachkräften?

Es gibt eine Menge Qualifizierungsangebote für Arbeitslose und Arbeitssuchende. Der Sozialstaat hilft dabei. 

Unterstützung erhält beispielsweise, wer

  • vom Strukturwandel betroffen ist,
  • seine Skills anpassen möchte,
  • aufsteigen will,
  • nachträglich einen Berufsabschluss anstrebt,
  • in einen Zukunftsjob umsatteln will.

Man muss sie nur nutzen!

Die Bundesagentur für Arbeit fördert Unternehmen und Einzelpersonen. Das Aufstiegs-Bafög gibt es ohne Altersgrenze.
Oft kommen Betriebe den Aufstiegswilligen entgegen. Das gilt nicht nur für diese Beispiele aus Bayern.

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Welche Qualifikationen werden gerade besonders gesucht?

Besonders gesucht werden diese Fachleute:

  1. Pflegefachkräfte, Erzieherinnen und Erzieher,
  2. Berufskraftfahrerinnen und -fahrer,
  3. Informatik- und Wirtschaftsinformatik-Fachleute,
  4. Führungskräfte in Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik,
  5. Führungskräfte in Bauplanung, -überwachung und Architektur.

Die Bundesländer sind unterschiedlich stark von der MINT-Fachkräftelücke betroffen. Das Kürzel „MINT“ steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die Fachkräftelücke ist das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen.

Besonders groß ist die MINT-Fachkräftelücke in:

  1. Bayern – hier kommen 210 offene MINT-Stellen auf 100 MINT-Arbeitslose,
  2. Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern (187),
  3. Sachsen-Anhalt und Thüringen (183).

Brauchen wir mehr Fachkräfte aus dem Ausland?

Ja, Deutschland braucht dringend weitere Fachkräfte aus dem Ausland. Und zwar rund 400.000 zusätzlich pro Jahr. Sonst kommen die Unternehmen nicht gegen den Fachkräftemangel an.

„Wir müssen Zuwanderung gezielt fördern. Dazu gehört, Verfahren zu verschlanken.“

Oliver Stettes, Leiter des Clusters Arbeitswelt und Tarifpolitik, Institut der deutschen Wirtschaft

Viele ausländische Fachkräfte leben bereits hier. Allerdings wandern Hunderttausende wieder in ihre Heimat oder in andere Länder ab. Denn dort gibt es ebenfalls Chancen für sie. 

Internationale Studierende oder Azubis könnten häufiger bleiben – wenn man ihnen entsprechende Angebote macht. 

Manche ausländischen Arbeitskräfte in Deutschland sind derzeit nicht berufstätig. Es gilt, sie zu aktivieren – und zu qualifizieren, falls nötig.

Erfahren Sie in diesem Video, wie der Fachkräftemangel die Wirtschaft ausbremst. Und was dagegen helfen könnte.

Auch Inländerinnen und Inländer könnten sich mehr einbringen

Mütter würden gern mehr arbeiten. Das setzt gute Kinderbetreuung voraus.

Und mit dem Rentenalter muss der Job nicht enden. Ältere könnten bei entsprechenden Anreizen länger arbeiten.

Was kann ich tun, um meinen Job nicht zu verlieren?

Die Arbeitswelt verändert sich schnell. Wer für die Zukunft gerüstet sein will, sollte sich fit halten. Und zwar den Kopf und den Körper. Das braucht man nicht allein zu tun: Denn am Ball bleiben müssen viele. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen macht es mehr Spaß.

Ein paar Beispiele:

  • Viele Unternehmen bieten Weiterbildungen an. Oft stellen sie Interessierte dafür frei oder übernehmen die Kosten. Sprechen Sie mit Ihrer Führungskraft.
  • Teilqualifizierungen sind für viele Berufe möglich. Das Schöne: Es funktioniert im laufenden Betrieb.
  • Betriebliche Gesundheitsprogramme fördern Fitness und Teamgeist. Auch Eigeninitiative und Gesundheitswissen zahlen sich aus. 
Elke Bieber
Elke Bieber
Autorin und Redakteurin

Elke Bieber schreibt bei aktiv vor allem über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Sie studierte Geschichte, Politik und Publizistik in Mainz, Berlin und Washington, D.C. Nach einem Magazinvolontariat in Berlin zog es sie in die Unternehmenskommunikation, print und digital, mit den Schwerpunkten Industrie und Logistik. Jenseits des Schreibtisches umgibt sie sich gern mit Büchern, aktiven Menschen und Natur.

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Alix Sauer
Leiterin aktiv-Redaktion Bayern

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.

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