Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Mitarbeitende in Deutschland sind laut einer Umfrage mit den Bedingungen in ihren Unternehmen überwiegend sehr zufrieden.
  • Besonders gut bewertet werden die Zufriedenheit mit Kollegen und Führungskräften sowie die Vereinbarkeit von Job und Privatem.

Schlechte Nachrichten für die Wirtschaft sind inzwischen an der Tagesordnung: kaum Wachstum, steigende Arbeitslosenzahlen, gestörte Handelsbeziehungen im internationalen Umfeld. Wo es dagegen richtig gut aussieht, das sind die Bedingungen, die Mitarbeitende hier in Deutschland an ihrem Arbeitsplatz vorfinden – und zwar ihrer eigenen Einschätzung nach! 

So bewerteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Beschäftigtenumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ihren Arbeitsplatz anhand von neun Kriterien. 70 Prozent oder sogar mehr gaben dem Großteil der Arbeitsplatzmerkmale die Schulnoten „sehr gut“, „gut“ oder „befriedigend“. Wenn das mal kein gutes Zeugnis ist!

Vor allem die Zusammenarbeit mit Kollegen und Führungskräften sowie die Vereinbarkeit von Job und Privatem werden gut beurteilt

Aus den Einzelbewertungen bildeten die IW-Ökonomen den Arbeitsklima-Index. Demnach erleben nur 3 Prozent der Beschäftigten ihr Arbeitsklima insgesamt als „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Einen glatten Einserschnitt verteilen dagegen 6 Prozent der Befragten.

Zusammenarbeit im Team und mit Vorgesetzten klappt gut

Besonders gut schneiden zwischenmenschliche Faktoren ab. Sieben von zehn Befragten bewerten die Zusammenarbeit mit Kollegen als „gut“ und „sehr gut“. 

Etwa zwei Drittel empfinden auch die Zusammenarbeit mit der Führungskraft als positiv bis sehr positiv. Zudem schätzen zwei Drittel der Mitarbeitenden die Flexibilität, die ihnen die Betriebe bieten, etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Interessant ist, dass selbst in Betrieben, die in der Krise stecken, immer noch knapp 60 Prozent der Befragten die Zusammenarbeit mit den Kollegen als gut und sehr gut bezeichnen. 

Bildet man eine Durchschnittsnote über alle Merkmale hinweg, wird das Arbeitsklima in Krisen-Unternehmen allerdings insgesamt schlechter bewertet: Statt der Durchschnittsnote 2,6 bei wirtschaftlich gesunden Unternehmen erreichen Betriebe mit angespannter Wirtschaftslage einen Schnitt von 3,0.

Verbesserungspotenzial gibt es aus Sicht der Beschäftigten zudem beim Lohn und der persönlichen Weiterentwicklung.

Fakten & Hintergründe

Langzeitstudien zeigen hohe Werte der Zufriedenheit

Unternehmen in Deutschland scheinen in den Augen der Beschäftigten also vieles richtig zu machen. Die meisten gehen gerne zur Arbeit und fühlen sich dort wohl. Das gilt für Männer wie Frauen gleichermaßen. Die hohe Zufriedenheit mit der Arbeit belegen auch Langzeituntersuchungen, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Basis des Sozio-ökonomischen Panels regelmäßig durchführt. 

So bewerten die Beschäftigten ihre Zufriedenheit seit Jahrzehnten im Schnitt mit etwa sieben von zehn Punkten. Laut Befragungen von Bundesanstalt für Berufsbildung (BIBB) und Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ist die Anzahl der Menschen, die „sehr zufrieden“ mit ihrer Arbeit sind, zuletzt sogar gestiegen.

Interview: Warum gutes Arbeitsklima ein wichtiger Zukunftsfaktor für Firmen ist

Im Arbeitsklima-Index des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stellen die Beschäftigten ihren Unternehmen größtenteils ein gutes Zeugnis aus. Mit verantwortlich für die Untersuchung ist Andrea Hammermann, IW-Expertin für Personalökonomik. Sie ordnet im Interview die Ergebnisse ein.

Das IW hat erstmals in dieser Form einen Arbeitsklima-Index erstellt. Wofür nützen diese Aussagen?

Unternehmen in Deutschland stehen vor einer Reihe von Herausforderungen: Wirtschaftskrise, Fachkräftemangel, Transformationsdruck. Um sie zu stemmen, müssen Beschäftigte und Unternehmensleitung an einem Strang ziehen – und das klappt besser, wenn alle motiviert sind und mitmachen. Die Unternehmenskultur, das Arbeitsklima, spielen dabei eine große Rolle. Denn gutes Miteinander kann man nicht von oben herab anordnen. 

Die Zusammenarbeit bewerten die Befragten mit gut. Schlechte Noten gibt es etwa für die Vergütung. Ist das ein Grund zur Sorge?

Nein, da blinken noch keine Alarmlichter. Gut 70 Prozent sind mit ihrem Gehalt alles in allem zufrieden. Und einen guten Arbeitsplatz macht eben nicht nur der Lohn aus. Das Gesamtpaket muss stimmen. Man muss sich im Job auch wohlfühlen. Sorge bereitet eher, dass die Weiterentwicklungsmöglichkeiten nicht höher eingeschätzt werden.

Warum sollte der Blick auf Weiterentwicklung positiver sein?

Die Betriebe stehen unter einem hohen Transformationsdruck. Für den Wandel müssen auch Mitarbeitende neue Dinge tun und lernen. Wobei häufig nicht klar ist, was sich hinter dem Schlagwort „Weiterentwicklung“ versteckt. Fachliche Weiterentwicklung etwa ist oft das Lernen am Arbeitsplatz, das geschieht nebenbei und unbewusst und nicht unbedingt in langen Seminaren. Das reicht aber oft aus. Wer diese niederschwelligen Angebote in der Firma nutzt, kommt schon ein gutes Stück weiter. Dafür sollte man offen sein.

Inwiefern wirkt ein gutes Arbeitsklima stabilisierend?

Tatsächlich ist es so, dass Firmen mit einem guten Arbeitsklima besser durch Krisenzeiten kommen, es ist ein Resilienzfaktor. In Krisen ist eine hohe Bereitschaft gefordert, mehr als üblich zu leisten – und das mache ich, wenn ich mich im Betrieb wohlfühle.

Alix Sauer
Leiterin aktiv-Redaktion Bayern

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.

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