Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Heck + Becker entwickelt und produziert Werkzeuge für die Automobil-Industrie.
  • Kunden wie VW, Ford und Mercedes stellen damit zum Beispiel Karosseriebauteile im Aludruckguss her.
  • Dank erfolgreicher Transformation konnte das Unternehmen eine kritische Phase meistern.

Heck + Becker im mittelhessischen Dautphetal ist ein international führender Formenbauer für Aluminium-Druckgusswerkzeuge mit über 90 Jahren Erfahrung. Trotz der hohen Expertise geriet das Familienunternehmen in Turbulenzen. Wie die gemeistert wurden, erzählte Geschäftsführer Andre Weißbenner, der die Firma heute in der vierten Generation leitet, beim aktiv-Besuch.

Herr Weißbenner, hinter Ihnen liegen turbulente Zeiten. Wie kam es dazu?

Letztlich ist für so eine Entwicklung ein ganzer Strauß von Gründen verantwortlich. Unsere Kunden sind Automobilhersteller wie VW, Ford, Mercedes und Jaguar Landrover, aber auch Zulieferer wie Nemak und ZF. Mit unseren Werkzeugen stellen sie Bauteile, zum Beispiel für die Karosserie, im Aludruckguss her. In diesem Markt steht man im harten Wettbewerb. Bei Heck + Becker wurde schon immer kontinuierlich investiert. 

Unsere Auftragslage war gut und alle hier haben wirklich viel gearbeitet. Aber es blieb einfach immer weniger hängen bei gleichzeitig steigenden Kosten – von der Materialbeschaffung über die Energie bis zu den Lohnnebenkosten. Zudem dauerten manche Prozesse bei uns zu lang und man überlegte schon, wie man dann auch noch notwendige Investitionen im Zuge der digitalen Transformation stemmen sollte.

Grundlagen für mehr Innovationen aus Hessen

Exzellente Hochschulen und innovative Unternehmen arbeiten in Hessen erfolgreich zusammen. Dieses „industrielle Innovationsökosystem“ sollte weiter gestärkt werden. Dazu rät eine Studie der Kölner Unternehmensberatung IW Consult im Auftrag des Arbeitgeberverbands Hessenmetall. Die Studie, die in der Landesregierung auf großes Interesse stieß, basiert auf Experteninterviews in der Forschung und bei rund 200 Unternehmen. Zu den erforderlichen Rahmenbedingungen, die es zu schaffen gelte, zählen unter anderem Pilotflächen, Reinräume oder Labore, um die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Wissenschaft weiter auszubauen.

Wie haben Sie das Unternehmen gerettet?

Das war keine Leistung einer einzelnen Person, sondern ein gemeinsamer Kraftakt vieler Beteiligter im Unternehmen. Ich bin 2015 als Projektingenieur eingestiegen und habe mich neben dem Projektgeschäft auch früh mit Prozessen und Strukturen beschäftigt. In den darauffolgenden Jahren geriet unsere Branche durch mehrere Faktoren massiv unter Druck – von strukturellen Veränderungen in der Automobil-Industrie über zunehmenden internationalen Wettbewerbs- und Preisdruck bis hin zur Corona-Krise. 

Vor diesem Hintergrund haben wir uns Ende 2020 entschieden, das Unternehmen über ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu sanieren. Dabei ging es ausdrücklich nicht darum, mit weniger Mitarbeitern einfach so weiterzumachen wie zuvor, sondern Heck + Becker strategisch neu auszurichten und auf unsere wettbewerbsfähigen Kernbereiche zu fokussieren. Im Ergebnis konnten wir rund 90 Arbeitsplätze erhalten und das Unternehmen auf eine stabilere Basis stellen. Nach Abschluss des Verfahrens haben wir zudem einen extern besetzten Beirat als Sparringspartner für das Management etabliert, um bewusst auch einen Blick von außen in unsere Entscheidungen einzubeziehen.

Mir ist wichtig zu betonen: Das war nur möglich, weil viele Kolleginnen und Kollegen sowie externe Unterstützer gemeinsam Verantwortung übernommen haben.

Wie funktioniert die Insolvenz in Eigenregie?

Entscheidend ist, dass man sich gut darauf vorbereitet und schon vorher weiß, was zu tun ist. Man braucht einen guten Sanierungsplan, denn Gericht und Gläubiger müssen davon überzeugt werden, dass man das wirklich packt und am Ende keinem Gläubiger was schuldig bleibt. Das ist uns gelungen. Leider haben dabei einige Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren. Das war der bittere Preis. Aber wir haben einen guten Teil unserer Transformation gepackt und bleiben auch weiter dran.

Fakten & Hintergründe

Wie sieht es heute bei Heck + Becker aus?

Wir treiben die Transformation weiter voran, kooperieren eng mit Hochschulen und achten auf eine extrem schlanke Verwaltung. Neben dem Formenbau zeichnet uns besonders unser Prototyping-Verfahren aus, mit dem wir die Entwicklung neuer Fahrzeugplattformen unterstützen. Wir liefern seriennahe Prototypen aus Aluminium-Druckguss in maximal zwölf Wochen. Das spart bis zu einem Jahr Entwicklungszeit. 

So kann ein OEM (Original Equipment Manufacturer) oder eine Gießerei mit unserem Prozess Teile schneller testen, schneller zur Serienreife kommen und so einen entscheidenden Vorteil im internationalen Wettbewerb sichern. In einer Zeit, in der die Automobil-Industrie weltweit unter enormem Innovationsdruck steht, ist diese Geschwindigkeit ein echter Gamechanger.

„Reden Sie mit Ihren Mitarbeitern und hören Sie ihnen auch zu“

Was raten Sie Unternehmen, die noch nicht so weit sind mit der Transformation?

Ich rate ihnen: Hinterfragen Sie Ihre Prozesse und schauen Sie auch nach den „low hanging fruits“. Die findet man, wenn man mit offenen Augen durch den Betrieb geht, mit den Mitarbeitern redet und ihnen auch zuhört. Dann lassen sich oft sogar mit minimalem Aufwand tolle Erfolge erzielen. Und sorgen Sie dafür, dass das Wissen in den cleveren Köpfen Ihrer Leute nicht verloren geht, wenn sie in den Ruhestand gehen. Packen Sie es besser mit deren Unterstützung und der Hilfe von KI in unternehmensinterne Datenbanken. Und nicht zuletzt: Schaffen Sie Raum, damit man gemeinsam im positiven Sinne an neuen Ideen spinnen kann.

Was muss sich in Deutschland ändern, damit sich Firmen im internationalen Wettbewerb besser behaupten können?

Am wichtigsten sind sicher die Punkte Energie, Bürokratie und Digitalisierung. Die Energiekosten müssen dringend runter, denn für Strom oder Gas zahlen wir fast doppelt so viel wie Wettbewerber in den USA oder China. Die Bürokratie muss radikal entschlackt werden. Der Dokumentations- und Verwaltungsaufwand bei Genehmigungsverfahren, Umweltauflagen und Berichtspflichten ist kaum noch zu stemmen. Wir brauchen eine Verwaltung, die Unternehmen als Partner sieht und nicht als Antragsteller, die man verwalten muss. Und es muss mehr getan werden für die digitale Infrastruktur.

Was stimmt Sie zuversichtlich?

Wir haben hier im Unternehmen bewiesen, dass wir uns anpassen können. Und wir haben erkannt: Die kontinuierliche Transformation eines Unternehmens kann dazu beitragen, dass man das oft von außen vorgegebene Tempo erreichen, halten und auch übertreffen kann. So sichert man die Zukunft.

Zur Person

  • Andre Weißbenner, geboren 1989 in Frankenberg.
  • Abitur in Biedenkopf, anschließend Zivildienst.
  • Studium Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau an der Universität Paderborn, studienbegleitend Praktika und Ferienjobs bei Heck + Becker.
  • 2015 Berufseinstieg als Projektingenieur bei Heck +Becker in Dautphetal.
  • Seit 2024 Geschäftsführer von Heck + Becker.
Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

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