Das Wichtigste auf einen Blick:
- Bei Liebherr‑Aerospace starten jedes Jahr rund 20 gewerblich‑technische Azubis eine praxisnahe Ausbildung in der Luftfahrt. Sie lernen an moderner Ausstattung.
- Die Ausbildung zum Industriemechaniker ist ein Allround-Beruf. Sie ist bewusst breit angelegt: Zerspanung, Montage, Maschinensteuerung und Präzisionsarbeit gehören dazu.
- Das Unternehmen investiert stark in seine Lehrwerkstätten, Labore und Maschinen. Es setzt auf Qualität, gutes Lernklima und Vielfalt – mit Azubis aus verschiedenen Ländern.
Aerospace im Allgäu. Ausbildung mit Bergblick, zwischen grünen Wiesen. In Lindenberg, Pfänderstraße, bringt Liebherr-Aerospace jungen Leuten alles bei, was man für eine Karriere in der Luftfahrt-Industrie wissen muss. Rund 20 gewerblich-technische Auszubildende starten hier jedes Jahr zum September. Liebherr, einer der führenden Systemlieferanten der Branche, ist als Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb in der Region bekannt. Jede Sekunde startet ein Flugzeug mit seiner Technologie an Bord. Wenn das nicht spannend ist …
Laurin Sutter ist voll dabei. „Luftfahrt ist cool“, sagt der Azubi. Wie die anderen trägt er den blauen Pulli mit Firmenlogo. Im dritten Lehrjahr ist er bereits in seiner Zielabteilung, der Fahrwerkfertigung, angekommen. Am Dreh- und Fräszentrum, wo Komponenten für mittelgroße Flugzeuge wie den Airbus A220 entstehen.
Industriemechaniker – der Beruf ist ein echter Allrounder
Mit dem Industriemechaniker hat Laurin einen zentralen M+E-Beruf gewählt. Liebherr hat ihn bewusst breit im Programm. Ausbildungsleiter Holger Herms sagt, warum: „Es ist einfach ein Klassiker. Der Beruf deckt alles ab – vom Zerspanen über das Fertigen von Teilen bis zu Montage und Demontage.“ Fähigkeiten, die im Unternehmen wichtig sind. Dazu kommt technisches Verständnis für Maschinen und Anlagen samt Steuerung und Elektrik. „Es geht um echte Allrounder.“
150 Azubis und dual Studierende betreut Liebherr in Lindenberg, davon mehr als 100 in Technikberufen
Doch zunächst beginnt alles hier, an den hölzernen Werkbankreihen im obersten Stockwerk der Lindenberger Lehrwerkstatt. Schrrr–schrrr, wird die Feile angesetzt. Gleichmäßig mit Druck nach vorn. Mit dem Finger prüfend über die Kante streichen, nachmessen, noch mal einspannen in den Schraubstock. Am Ende wird aus dem Metallrohling ein Werkstück mit exakten Maßen, wie es die Zeichnung am Klemmbrett verlangt. Feilen will gelernt sein. Genauso wie Drehen, Fräsen, Bohren und Schleifen ist es eine wichtige Fertigkeit im Metallberuf.
Die Liebherr-Azubis üben das im ersten Lehrjahr, von Hand und an konventionellen Maschinen. Das spricht durchaus auch junge Frauen an. So wie Anna Bantel und Denisa Janouskova, beide im ersten Lehrjahr als Industriemechanikerinnen. Anna kam durch Berufsbildungsmessen auf Liebherr, Denisa jobbte zuvor als Entgraterin in der Produktion, entschloss sich dann aber zu einer Ausbildung. „Das war eine gute Idee“, sagt sie und auch Anna, technikbegeistert, sagt: „Ich würd’s definitiv wieder machen.“
Kollege Hannes Göttlicher ist ebenfalls happy, er lobt die guten Arbeitsbedingungen im Betrieb. Hannes kommt von der FOS in Lindau und hat Fachabi gemacht. Vorbild ist sein Bruder, er arbeitet auch bei Liebherr, im selben Beruf. Hannes weiß, wie man die Feile ansetzt und freut sich jetzt aufs zweite Lehrjahr. Da kommt der „Umlauf“, die Azubis lernen die verschiedenen Abteilungen im Werk kennen. So können sie schauen, wo sie später mal arbeiten möchten. Denn die Übernahmechancen sind gut, wie Azubi Ben Burkhard formuliert. Auch das ist aus seiner Sicht ein dickes Plus.
„In unserer Lehrwerkstatt ist alles da. Man lernt hier, wie man präzise fertigt“
Ben Burkhard, 3. Lehrjahr Industriemechaniker bei Liebherr-Aerospace
Gut und gründlich, handfest und flexibel. Dafür steht die Ausbildung in der M+E-Industrie. Kirill Svarinskis (20), im dritten Lehrjahr als Industriemechaniker, begeistert sich fürs Schleifen. An der „Studer S30“, einer Rundschleifmaschine, fertigt er Ventilblöcke für Helikopter. Da ist Präzision gefragt. „Kein Problem“, sagt er und grinst.
Nicht minder genau geht es bei Ben zu. Der 19-Jährige ist ebenfalls im dritten Lehrjahr zum Industriemechaniker, bedient eine 5-Achs-Fräsmaschine in der Fertigung. „Wir fertigen Teile für Verkehrsflugzeuge, Businessjets und Hubschrauber“, zählt er auf. Auch die Radgabel für den Eurofighter – das Unternehmen ist im zivilen wie im militärischen Bereich unterwegs. Passt für Ben. Ihm gefällt das Technische an der Ausbildung und „dass man selbstständig was machen kann“.
„Wir legen Wert aufs Detail“, betont Ausbildungsleiter Herms. „Qualität, Sorgfalt und Eigenverantwortlichkeit, das zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausbildung.“ Und natürlich soll der Spaß nicht zu kurz kommen. „Wir wollen ein gutes Lernklima schaffen, in dem man sich offen mit unseren Ausbildern austauschen kann“, so Herms. „Schließlich sollen die jungen Leute morgens gerne zur Arbeit kommen.“
„Wir bieten unseren Azubis Unterstützung an, zum Beispiel mit Kursen zu Lernpsychologie“
Holger Herms, Ausbildungsleiter
Liebherr achtet auf moderne Ausstattung für seinen Nachwuchs. Im Bildungszentrum stehen dieselben Anlagenfabrikate wie drüben in der Fertigung, nur in klein. Auch die Steuerungen (von Siemens) sind dieselben. „Unsere Auszubildenden werden in der Lehrwerkstatt vorgeschult und kennen die Systeme dann schon“, so Herms und zeigt auf zwei markierte grüne Flächen am Boden. „Da kommen die neuen Dreh- und Fräsmaschinen hin.“ Nach der Sommerpause, zum Ausbildungsstart.
Das ist Liebherr-Aerospace
- Die Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH ist einer der führenden europäischen Hersteller von Flugzeugausrüstungen. Er zählt zur Firmengruppe Liebherr (Krane, Baumaschinen, Kühlschränke und Weiteres) und beschäftigt rund 3.700 Mitarbeitende.
- Die in Lindenberg entwickelten und gefertigten Fahrwerke sowie Flugsteuerungs- und Betätigungssysteme stecken in Flugzeugen, Jets und Helikoptern aller großen Hersteller, militärisch wie zivil.
- Die Nachfrage in der Luftfahrt steigt, daher wird der Standort Lindenberg (Bild oben) 2026 ausgebaut. In dem Zusammenhang ist auch die Einstellung mehrerer Hundert neuer Mitarbeitender geplant.
In der Pandemie war Flaute – jetzt wird kräftig investiert
Herms ist froh und verschweigt es nicht: In der Pandemie bekam die Luftfahrt einen kräftigen Dämpfer. Doch jetzt wird aufgeholt und investiert. Das ebenfalls zum Unternehmen gehörende Werk in Friedrichshafen bekam eine neu konzipierte Lehrwerkstatt mit modernen Maschinen für die Azubis, in Lindenberg entsteht ein Labor zur galvanischen Oberflächenbehandlung und – das Neueste – ein Mechatroniklabor, mit Smartboard. Am großen Bildschirm lassen sich Schaltpläne und Unterrichtsmaterialien gemeinsam bearbeiten und betrachten.
Und nicht nur der Maschinenpark ist modern. „Wir sind auch gesellschaftspolitisch ‚modern‘“, sagt Herms, will heißen offen und divers. Im Betrieb sind einige Azubis, die von weiter herkommen: Südkorea, Ecuador, Marokko. Dort hat Youssef Slimani sein Abi gemacht und sich dann im Allgäu beworben. „Läuft alles gut“, sagt er und grinst.
Die duale Ausbildung
- Die duale Berufsausbildung kombiniert Theorie in der Berufsschule mit Praxis im Betrieb und hat in Deutschland ein gutes Image. 86 Prozent der Jugendlichen sehen darin eine solide Basis für die berufliche Karriere.
- Für die Unternehmen ist sie nach wie vor das zentrale Mittel zur Fachkräftesicherung. Knapp neun von zehn Betrieben sehen die duale Ausbildung als unverzichtbar für die eigene Nachwuchssicherung. Unternehmerisches Interesse und Verantwortung für die junge Generation gehen Hand in Hand, so eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft für die Bertelsmann-Stiftung: Die Mehrheit der Firmen bildet aus gesellschaftlicher Verantwortung aus.
- Über 300 anerkannte Ausbildungsberufe stehen jungen Menschen zur Wahl, 486.700 neue Ausbildungsverträge wurden im Lehrjahr 2024/25 abgeschlossen. Allerdings konnte rund ein Drittel der Ausbildungsplätze nicht besetzt werden, meist aus Mangel an geeigneten Bewerbern.
- Die duale Ausbildung bereitet gründlich auf den Job vor, schafft hohe Übergangsquoten in den Arbeitsmarkt und sorgt so für eine relativ niedrige Jugendarbeitslosigkeit. Mit 6,8 Prozent hat Deutschland EU-weit hier die niedrigste Quote, so Eurostat.
- Die meisten Ausbildungen dauern 3,5 Jahre, einige sind auf zwei Jahre angelegt. Vier von zehn Azubis haben einen mittleren Schulabschluss, ein Viertel die Berufsreife (Haupt- oder Mittelschule) und etwa ein Drittel bringt Abitur oder Fachhochschulreife mit. Jeweils 3 Prozent starten ganz ohne oder mit einem im Ausland erworbenen Schulabschluss.
- Hohe monatliche tarifliche Ausbildungsvergütungen von 1.200 Euro und mehr werden im Schnitt in 50 Berufen gezahlt. Darunter sind 32 Berufe aus Industrie und Handel, so der Berufsbildungsbericht 2025.


Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.
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