Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Das aktuelle Gutachten des Aktionsrats Bildung widmet sich dem Umgang von jungen Menschen mit den sozialen Medien.
  • Das Expertengremium fordert eine Altersbeschränkung für Plattformen und empfiehlt, die Kinder und Jugendlichen zu einem verantwortungsbewussten Umgang anzuleiten.
  • Auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft sieht Gefahren für die Jugend, ist aber gegen Altersbeschränkungen und setzt stattdessen auf die Vermittlung von Medienkompetenz.

Social Media ist zu einem festen Bestandteil unserer Gesellschaft geworden. Instagram und Co. bereichern unser Leben. Die Nutzung der Plattformen birgt aber auch Gefahren – insbesondere für Kinder. Aus diesem Grund hat sich dem Thema der Aktionsrat Bildung in seinem aktuellen Gutachten „Social Media – Bildung – Integrität“ gewidmet. Die Vorschläge: unter anderem Altersbeschränkungen und das noch stärkere Vermitteln von Kompetenzen.

Die Experten des von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) initiierten Gremiums betonen dabei die enorme Bedeutung der sozialen Medien. „Kinder, Jugendliche und Erwachsene müssen aus diesem Grund von klein auf altersgerecht auf die vielfältigen Chancen und Risiken und die gezielte sinnvolle Nutzung von Social Media vorbereitet werden“, fordern sie.

Die jungen Menschen müssen Kompetenzen erlangen

Gefördert werden müsse etwa die Fähigkeit, im Netz verantwortungsbewusst und selbstreflektiert zu handeln. „Zudem bedarf es einer Stärkung der Medien- und Quellenbewertungskompetenz sowie des Verständnisses für die Funktionsweisen und Auswahltechniken digitaler Medien.“

Der Politik empfiehlt der Aktionsrat eine gesetzliche Altersbegrenzung für Social-Media-Plattformen. „Für eine stärkere rechtliche Regulierung von Social Media muss auf Bundesebene ein verbindlicher Rechtsrahmen geschaffen werden, der auch eine entwicklungspsychologische Perspektive berücksichtigt“, heißt es. Dazu gehöre es auch, für Minderjährige die Nutzungszeiten zu begrenzen. Hier seien die Anbieter in der Pflicht.

Bildungseinrichtungen müssen laut Aktionsrat Konzepte entwickeln, „um die Förderung von Integrität im Umgang mit Social Media systematisch und altersgerecht im Unterricht zu verankern“. Zudem gelte es, die medienpädagogische Qualifikation von Lehrkräften zu stärken. Auch Informations- und Beratungsmodule für Eltern und Familien sollen entwickelt werden.

Im Unterricht muss laut Aktionsrat der Fokus auf dem gesunden Umgang mit den sozialen Medien liegen. Das hieße etwa: die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme, die Empathie gegenüber anderen sowie das Verständnis für die Funktionsweisen von Social Media. Personen mit Erziehungs-, Bildungs- oder Lehrauftrag müssten einen bewussten Umgang mit Social Media vorleben und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein.

„Wir dürfen unsere Kinder und Jugendlichen in der digitalen Welt nicht sich selbst überlassen“

vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt

Die vbw sieht wie der Aktionsrat die Risiken und Gefahren, die von Social-Media-Plattformen für Kinder und Jugendliche ausgehen. Aber bevor neue Gesetze eingefordert werden, mache es Sinn, zunächst noch einmal mit den Plattformbetreibern ins Gespräch zu gehen und auf eine konsequente Umsetzung der Altersbegrenzungen hinzuwirken, wie sie bereits jetzt in deren AGBs festgelegt sind.

Damit ist es aber laut vbw nicht getan. „Wir dürfen unsere Kinder und Jugendlichen in der digitalen Welt mit ihren Untiefen aus Cybermobbing und Desinformation nicht sich selbst überlassen“, warnt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. „Darum müssen wir im Unterricht einen geschützten Raum schaffen, um ihnen schrittweise Medienkompetenz und die ethischen Grundlagen für den verantwortungsvollen Umgang mit Social Media zu vermitteln.“

Lehrer spielen entscheidende Rolle

Mit Blick auf den Freistaat ist aus Sicht der vbw ein umfassender Masterplan notwendig. „Bayern sollte hier mit einer landesweit agierenden, zentralen Servicestelle für das pädagogische Personal vorangehen, die Wissen und gute Praxisbeispiele zur Social-Media-Nutzung im Unterricht bündelt und allen am Bildungswesen Beteiligten beratend zur Seite steht“, fordert Brossardt. „Gerade das pädagogische Personal spielt beim digitalen Kompetenzerwerb eine zentrale Rolle.“

Michael Stark
aktiv-Redakteur

Michael Stark schreibt aus der Münchner aktiv-Redaktion vor allem über Betriebe und Themen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Darüber hinaus beschäftigt sich der Volkswirt immer wieder mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Das journalistische Handwerk lernte der gebürtige Hesse als Volontär bei der Mediengruppe Münchner Merkur/tz. An Wochenenden trifft man den Wahl-Landshuter regelmäßig im Eisstadion.

Alle Beiträge des Autors