Das Wichtigste auf einen Blick:
- IBENA blickt auf 200 Jahre Unternehmensgeschichte zurück: Wandel und Anpassungsfähigkeit sind zentrale Erfolgsfaktoren.
- Neben Heimtextilien ist IBENA heute auch für technische Textilien bekannt, etwa für Feuerwehr, Militär oder die Automobilindustrie. Jeder zweite Feuerwehranzug in Europa stammt aus dem Unternehmen.
- Das Familienunternehmen setzt auf starke Mitarbeiterbindung und langfristige Perspektiven: Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit liegt bei mehr als 20 Jahren.
Anno 1826 erfand John Walker das Streichholz, Joseph Niépce schoss das weltweit erste Foto – und in Nordrhein-Westfalen gründete Josef Philipp Beckmann einen Textilhandel. Das Familienunternehmen überstand seitdem mehrere Kriege, alle möglichen Krisen und vor 20 Jahren sogar einen Konkurs. Nun kann IBENA – der Firmenname leitet sich ab von „Josef Beckmann Nachfahren“ – 200-jähriges Bestehen feiern.
„Und das haben wir gemeinsam und sehr gründlich getan“, sagt Geschäftsführer Ralph Beckmann beim aktiv-Besuch. Er leitet den familiengeführten Mittelständler mit Sitz in Rhede und Bocholt in sechster Generation. „Ich habe das Gefühl, die Energie der Feier wirkt immer noch nach und hat unsere Abteilungen noch enger zusammengeschweißt.“
Das Jubiläum stärkt Teamgeist und Unternehmenskultur des Mittelständlers
Seit März und noch bis Anfang November zeigt das LWL-Museum Textilwerk in Bocholt die Geschichte des Unternehmens. Dessen 292 Mitarbeitende durften sich die Ausstellung schon vorab anschauen, mit anschließender Party im Saal und in der Dach-Lounge des Museums. „Um drei Uhr morgens waren noch 150 Leute auf der Tanzfläche“, sagt Tim Hesseling, der bei IBENA das Marketing steuert.
Das international tätige Unternehmen steht auf mehreren Standbeinen und macht rund 85 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Bekannt sind vor allem die Heimtextilien wie Decken, Bettwäsche oder Kissen, die auch im firmeneigenen Lagerverkauf in Bocholt verkauft werden. Hinzu kommen Produktionsaufträge für Marken wie s.Oliver oder Bugatti.
„Die beeindruckende Geschichte, die Anekdoten der Mitarbeitenden: Das weckt Interesse, bei uns anzufangen“
Tim Hesseling, Marketing-Manager bei IBENA
Technische Textilien aus Deutschland: Sichere Feuerwehranzüge und Hightech-Stoffe
Relativ unbekannt ist dagegen das Können im Bereich technischer Textilien: Jeder zweite Feuerwehranzug in Europa stammt von IBENA! Auch Kunden etwa aus dem Militär, dem Motorsport oder der Polizei vertrauen auf die Sicherheitstextilien aus dem Westmünsterland. Darüber hinaus beliefert das Unternehmen die Automobil-Industrie, beispielsweise mit Bezugstoffen und Textilien für Airbags.
„Wir haben es geschafft, uns über 200 Jahre immer wieder neu zu erfinden und anzupassen“, betont Beckmann. Seit 1992 ist er im Unternehmen, da hatte IBENA gerade den Standort im rund sechs Kilometer von Bocholt entfernten Rhede aufgebaut – „ein Bekenntnis zur Region“. 1998 überschrieb sein Vater Josef Albert Beckmann ihm die Firmenanteile. „Als er in den 1950er Jahren einstieg, waren wir ein kleiner Deckenproduzent. Er hat das Angebot stark erweitert – das war ein entscheidender Schritt, der uns bis heute trägt.“
„Wir haben es geschafft, uns über 200 Jahre immer wieder neu zu erfinden und anzupassen“
Ralph Beckmann, Geschäftsführer von IBENA
Die Ausstellung im Textilwerk bildet die lange Geschichte und das große Können des Unternehmens ab. Am Eingang gibt es zum Beispiel eine Kollektion mit Deckendesigns – ein Design für jedes Jahrzehnt. Weiter hinten stehen Schutzanzüge der Feuerwehr Hongkong neben einem Formel-1-Rennanzug von Kimi Räikkönen.
Fachkräfte binden: Lange Betriebszugehörigkeit als Wettbewerbsvorteil
Einige Mitarbeiter sind als Zeitzeugen Teil der Ausstellung: Besucher können an einem historischen Telefon Nummern anwählen und bekommen durch den Hörer ein prägendes Erlebnis aus dem Arbeitsalltag nacherzählt. „Das Museum selbst war früher übrigens eine Lagerfläche von IBENA“, sagt Oliver Tatsch, Vertriebsleiter für technische Textilien.
Die Ausstellung hilft auch beim Recruiting: „Die beeindruckende Geschichte, die Anekdoten der Mitarbeitenden: Das weckt Interesse, bei uns anzufangen“, sagt Hesseling. Und wer bei IBENA arbeitet, bleibt in der Regel lange: Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit liegt bei mehr als 20 Jahren.
Im April ist mit Philipp Beckmann die siebte Generation der Familie ins Unternehmen eingestiegen. Er durchläuft zunächst alle Abteilungen der Produktion, wie sein Vater erklärt: „So lernt er die Prozesse kennen – und, ganz wichtig: die Menschen. Als Familienunternehmen ist die persönliche Bindung entscheidend.“ Mit seinem Master in Digital Transformation Management soll der Junior bald dabei helfen, Abläufe Schritt für Schritt digital zu verbessern.
„Ich hoffe, dass wir unseren Spirit erhalten: Innovationskraft, Anpassungsfähigkeit und Freude am Miteinander“, sagt Geschäftsführer Ralph Beckmann zum Abschied. Ein Foto von ihm sei übrigens nicht nötig für diesen Bericht: „Es geht doch nicht um mich, sondern darum, was hier jeden Tag geleistet wird.“
Technische Textilien: Innovation für die Sicherheit
- Technische Textilien zählen zu den innovativsten Bereichen der deutschen Industrie. Sie kommen in Anwendungen wie Feuerwehrschutzkleidung, Militär, Automotive oder Luftfahrt zum Einsatz und leisten einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit.
- Laut Umweltbundesamt entfallen inzwischen mehr als 50 Prozent der Textilproduktion in Deutschland auf technische Textilien. Das Segment erwirtschaftet laut einer Analyse der Hans Böckler Stiftung einen jährlichen Umsatz von rund 2,9 Milliarden Euro und beschäftigt mehr als 12.000 Menschen.
- Mittelständische Unternehmen wie IBENA treiben diese Entwicklung maßgeblich voran: Sie verbinden traditionelle Fertigung mit Hightech-Innovationen, sichern Arbeitsplätze in der Region und stärken die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.

Niklas Kuschkowitz schreibt bei aktiv über Wirtschafts- und Politikthemen. Studiert hat er Germanistik, Geschichte und Neuere Geschichte in Osnabrück und Köln. Nach einem journalistischen Fernsehvolontariat arbeitete er als Redakteur für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Sendungen der ARD und in der Unternehmenskommunikation. Privat lösen volle Fußballstadien und gemütliche Kinosäle große Freude in ihm aus.
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