Größer, höher, weiter, schneller – und teurer: Derzeit sind weltweit Dutzende gigantischer Verkehrsprojekte in Bau oder Planung. Dabei kennen die Planer der milliardenschweren und kühnen Vorhaben kein Hindernis mehr. Straßen und Eisenbahnen führen mitten durchs Erdgestein, über Meeresengen und unter tiefe Gewässer. Und in Norwegen soll sogar ein Tunnel für Hochseeschiffe gebohrt werden – ein absolutes Novum rund um den Globus.

Im Folgenden stellen wir Ihnen zwölf Projekte vor, die ganz neue Maßstäbe setzen.

Crossrail, London: Die größte Baustelle Europas

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Sie ist Europas gigantischste Baustelle und soll London vor dem Verkehrsinfarkt bewahren: Das Projekt Crossrail ist eine Bahn-Linie der Superlative, die mitten durch die Unterwelt der britischen Hauptstadt führt. Seit sechs Jahren treiben Tausende Arbeiter eine 118 Kilometer lange Expresszugstrecke vom Umland quer durch die Metropole – unter Häuser, Straßen und Parks. Sie verbindet unter anderem Europas größten Flughafen Heathrow mit dem Finanzviertel Canary Wharf im Osten Londons. Crossrail dürfte nach Fertigstellung eine der längsten innerstädtischen Regionalexpresslinien der Welt sein.

Kernstück ist ein 21 Kilometer langer Eisenbahntunnel zwischen den Bahnhöfen Paddington im Westen von London und Stratford im Osten der Stadt, einschließlich fünf neuer Bahnhöfe. In der Rushhour sollen auf dem innerstädtischen Abschnitt bis zu 24 Züge pro Stunde rollen. Die 200 Meter langen Regionalexpresszüge werden dabei mit bis zu Tempo 160 unter London hindurchrasen. Die Prognosen der Planer gehen von 200 Millionen Fahrgästen im Jahr aus. Bis Ende 2019 soll die neue Verbindung Zug um Zug in Betrieb gehen. Die gesamten Baukosten sind nicht von Pappe: umgerechnet rund 21 Milliarden Euro.

Brennerbasistunnel, Österreich und Italien: Die längste Eisenbahnröhre der Welt

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Noch ist der kürzlich eingeweihte 57 Kilometer lange Gotthard-Eisenbahntunnel in der Schweiz der längste der Welt – doch in zehn Jahren wollen ihn die Österreicher und Italiener mit ihrem Mega-Projekt übertrumpfen: Der Brennerbasistunnel soll auf einer Länge von 64 Kilometern den Brenner zwischen Innsbruck nördlich der Alpen und Franzensfeste im italienischen Südtirol unterqueren. Schnellzüge können dann mit bis zu Tempo 250 durch die Riesenröhre rasen. Was die Fahrzeiten deutlich nach unten schraubt: So wird der ICE etwa zwischen München und Verona nur noch drei statt heute fünfeinhalb Stunden unterwegs sein.

Profitieren wird auch der Güterverkehr. Künftig werden Güterzüge mit bis zu 150 Sachen unter dem Bergmassiv brausen und die stauträchtige Brennerautobahn vom Schwerlastverkehr entlasten. Über diese Fernstraße rollen jährlich mehr als zwei Millionen Lastwagen mit fast 50 Millionen Tonnen Waren. Die Kosten des Brennerbasistunnels werden auf insgesamt rund 9 Milliarden Euro geschätzt. 40 Prozent kommen von der EU, den Rest bezahlen Österreich und Italien.

U-Bahn in Dubai: Das längste komplett automatisierte Metro-Netz der Welt

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Die Wüstenmetropole Dubai ist für gigantische Bauten bekannt. Ein Beispiel ist die neue U-Bahn: Es ist mit einer Gesamtlänge von 76 Kilometern das längste vollkommen automatisierte Metro-Netz der Welt. Und, einzigartig rund um den Globus: Die futuristischen blauen Züge verfügen über drei Klassen. Die erste („Golden Class“) verwöhnt die Pendler – kein Scherz – mit Ledersesseln. Zudem gibt es eine eigene Klasse exklusiv für Frauen und Kinder, mit reichlich Platz für Kinderwagen und Taschen.

Vor sieben Jahren wurde der erste Strecken-Abschnitt, die sogenannte „Rote Linie“, eröffnet, 2011 folgte die „Grüne Linie“. Beide haben zusammen umgerechnet rund 7 Milliarden Euro gekostet. 2030 soll das Streckennetz 420 Kilometer umfassen. Und wer so klotzt, macht auch in der Architektur auf mega-groß: Die Station „Union Square“ ist 18 Meter tief und hat drei Etagen, die jeweils 230 Meter lang und 50 Meter breit sind. Die Gesamtfläche beträgt 25.000 Quadratmeter. Er ist der größte U-Bahnhof der Welt.

Magnetbahn Maglev, Japan: Der schnellste Zug der Welt

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Dieser Zug ist fast so schnell je ein Jet! Die japanische Magnetschwebebahn Maglev ist bei einer Testfahrt im April 2015 schon mit 603 Sachen gerast, in einem Tunnel – Weltrekord für einen Zug. Rund zehn Sekunden lang donnerte der Maglev oberhalb der magischen Grenze von 600 Kilometern in der Stunde. Um solche Geschwindigkeiten zu erreichen, schwebt das Fahrzeug dank der Kraft extrem starker Magnete zehn Zentimeter über der Fahrbahn.

Schon 2027 soll das weiß-blaue Geschoss Tokio mit der Industriestadt Nagoya verbinden – allerdings „nur“ mit Spitzentempo 500. Rund 40 Minuten wird die Fahrt dauern. Und bis 2045 soll die Strecke bis zur Millionenstadt Osaka verlängert werden.

Der rasante Plan ist keine Spinnerei: Vor zwei Jahren starteten die Bauarbeiten für den schwebenden Pfeil. Auch die Kosten sind spitze: Sie summieren sich allein für die Strecke nach Nagoya auf fast 100 Milliarden Euro. Denn das Gros der 286 Kilometer langen Strecke soll durch Tunnel führen

Stadtbahn in Singapur: Ein Bus- und Bahndepot der Superlative

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Die asiatische Millionenstadt Singapur will eine grüne Zukunftsmetropole werden und investiert deshalb gewaltige Summen in den Nahverkehr: 50 Milliarden Euro sollen in den Ausbau des Stadtbahnnetzes fließen. Am Projekt beteiligt sind Weltunternehmen wie zum Beispiel Siemens. Derzeit sind fünf Linien mit einer Streckenlänge von insgesamt 170 Kilometern in Betrieb, bis 2025 sollen weitere 75 Kilometer folgen.

Der flächenarme Stadtstaat muss bei seinen Bauvorhaben den Geländeverbrauch minimieren – so auch bei einem geplanten Depot für Nahverkehrsfahrzeuge: Der 1,3 Milliarden Dollar teure Bau bietet auf drei Stockwerken Platz für 220 Züge und 550 Busse. Eine solche Konstruktion ist weltweit einmalig.

Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke, China: Die größte Meeresquerung der Welt

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Dieses Terrain ist eine echte Herausforderung für Verkehrsplaner: Zwischen der Hochhaus-Metropole Hongkong und dem Glücksspielparadies Macau erstreckt sich das Perlflussdelta, eine gewaltige Ansammlung flacher Flussgewässer und kleiner Inseln am Meer. Und eben dieses Delta sollen Autofahrer künftig ganz lässig passieren, auf einer sechsspurigen Konstruktion. China baut hier auf 50 Kilometern Strecke eine Kombination aus Brücken, Tunneln und künstlichen Inseln – es ist die größte Meeresquerung weltweit.

Der Brückenschlag in Südchina wäre vergleichbar mit einer durchgehenden Überführung zwischen Hamburg und Lübeck. Die Eröffnung des Giga-Projekts war eigentlich für dieses Jahr gedacht, wurde jetzt aber auf 2017 verschoben. Die Kosten: fast 10 Milliarden Euro.

Istanbul-Kanal, Türkei: Mega-Wasserstraße am Bosporus

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Der türkische Präsident Erdogan ist ein Fan spektakulärer Projekte. Mit dem Istanbul-Kanal will er eine künstliche Wasserstraße zwischen Ägäis und Schwarzem Meer graben lassen. So würde der viel befahrene Bosporus entlastet. Diesen passieren täglich etwa 255 Schiffe, darunter zahlreiche Öltanker.

Der Istanbul-Kanal soll 50 Kilometer lang, 145 Meter breit und 25 Meter tief sein und parallel zum Bosporus verlaufen. Das 10-Milliarden-Euro-Projekt soll 2023 fertig sein, pünktlich zum 100. Jahrestag der Gründung der Türkei.

Neuer Flughafen Istanbul, Türkei: Riesige Drehscheibe zwischen Europa und Asien

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Während Berlin geduldig auf seinen neuen Flughafen wartet, arbeitet man in Istanbul mit Hochdruck an einem Airport der Superlative. Er soll eine der größten Flugbasen weltweit werden. Bis zu 150 Millionen Passagiere sollen hier im Jahr starten und landen. Zum Vergleich: Am größten deutschen Drehkreuz, dem Frankfurter Flughafen, werden im Jahr 60 Millionen Fluggäste bedient. Der neue Istanbuler Airport wird, so die Vision, zum wichtigsten Transitknotenpunkt zwischen Europa und Asien – und soll den Großflughäfen in Dubai und Abu Dhabi den Rang ablaufen.

Nach jüngstem Planungsstand soll im Frühjahr 2018 das erste von drei Terminals des derzeit New Airport genannten Drehkreuzes im Norden der Millionenstadt den Betrieb aufnehmen. Für 32 Milliarden Euro wird der Superflughafen auf einem Gelände so groß wie 2.000 Fußballstadien aus dem Boden gestampft. Das Projekt ist umstritten: Schließlich muss dafür ein riesiges Waldgebiet abgeholzt werden.

Schwimmende Verkehrstunnel im Sognefjord, Norwegen: Die erste Unterwasser-Autobahn der Welt

Foto: The Norwegian Public Roads Administration

In Norwegen gibt es viele Fjorde – die zwingen Reisende und Frachten mitunter zu großen Umwegen auf dem Festland. Dennoch wollen die Nordeuropäer jetzt den direkten Weg gehen. Sie planen Betonröhren, die an Pontons hängen und durchs Wasser schweben. Ein kühner Plan. Der soll jetzt im Sognefjord, im Süden des Landes, Wirklichkeit werden. Die schwimmenden Verkehrstunnel, die in einer Wassertiefe von 30 Metern baumeln sollen, wären eine Weltpremiere.

Normalerweise befinden sich Straßen- und Eisenbahntunnel, die Wasserarme durchqueren, auf dem Grund. Im Fall Sognefjord ist das unmöglich. Mit 1.308 Metern bis zum Boden ist er der tiefste in ganz Europa. Zudem dringt er 204 Kilometer ins Land vor. Für eine Brücke ist es den Planern zu windig – weil eine Überfahrt bei starkem Sturm und Schneefall gefährlich ist.

Das US-Magazin „Wired“ schreibt, dass sich so insgesamt sieben Fjorde passieren ließen, wobei der Sognefjord der mit Abstand breiteste ist. Die Fahrzeit zwischen Kristiansand und Trondheim würde sich so auf elf Stunden fast halbieren. 2035 soll die erste schwebende Autobahn fertig sein. Die Planer rechnen mit Kosten von insgesamt 23 Milliarden Euro.

Stad Skipstunnel in Norwegen: Der erste Hochseeschiffstunnel der Welt

Foto: Kystverket

Diese Röhre wird ein Superlativ: Die Skandinavier wollen durch die norwegische Halbinsel Stadlandet den weltweit ersten Tunnel für große Frachter und Kreuzfahrtschiffe bohren – auch die Pötte der weltberühmten Hurtigruten-Flotte sollen da künftig durchfahren. Schiffskapitäne fürchten die Gewässer um die Landzunge, die knapp 200 Kilometer nördlich von Bergen in die Nordsee ragt.

Haushohe Wellen und heftige Stürme sind keine Seltenheit. Immer wieder müssen daher Schiffe in den Häfen von Måløy und Alesund auf besseres Wetter warten. Deshalb die neue Betonröhre: Und die ist in ihren Ausmaßen einzigartig. 1,7 Kilometer lang soll der „Stad skipstunnel“ werden, knapp 40 Meter hoch und 26,5 Meter breit. Insgesamt 330 Millionen Euro sind für den Tunnel kalkuliert, Baubeginn ist frühestens in zwei Jahren.

Bohai-Tunnel, China: Die längste Unterwassertunnel der Welt

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Chinas Ingenieure planen den nächsten Superbau: Der Bohai-Eisenbahntunnel soll die Bohai-Bucht über eine Strecke von 90 Kilometern unterqueren – und die Hafenstädte Dalian und Yantai im Nordosten der Volksrepublik verbinden, was der Wirtschaft in den beiden Regionen einen kräftigen Schub bringen dürfte.

Die Superröhre wäre fast doppelt so lang wie der Euro-Tunnel. Dank des bahnbrechenden Bauwerks ließe sich die Reisezeit von jetzt 14 Stunden auf 40 Minuten verkürzen. Eine enorme Zeitersparnis für etwa 6,5 Millionen Reisende jährlich. Die Kosten sind ebenfalls gigantisch: 36 Milliarden Euro.

Skilift in La Paz, Bolivien: Das größte Stadt-Seilbahnnetz der Welt

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Bisher ist der Illimani, der schneebedeckte Hausberg, das bekannteste Wahrzeichen der bolivianischen Metropole La Paz. Doch jetzt entsteht am Regierungssitz ein weiteres Highlight – ein riesiges Seilbahnnetz, an dem sich 1.400 Gondeln entlanghangeln werden. Es verkehren bereits die rote, grüne und gelbe Linie – sie symbolisieren die Nationalfarben des lange Zeit bettalarmen Andenstaates.

Dieses Grundnetz hat 234 Millionen US-Dollar gekostet. Jetzt werden bis 2019 sechs weitere Linien für 450 Millionen Dollar gebaut. Seit der Eröffnung 2014 haben bereits 25 Millionen Menschen die Seilbahn benutzt. Wenn alle Masten stehen, umfasst das Netz 33 Stationen und erstreckt sich auf eine Länge von 33 Kilometern.