Leitartikel

Das Ende des Freihandels beginnt in den Köpfen

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Verstehen Sie sich gut mit Ihrem Nachbarn? Helfen Sie sich vielleicht sogar gegenseitig bei der Gartenarbeit? Obwohl Ihr Nachbar zwei linke Hände hat und für alles viel länger braucht als Sie? Falls ja – Glückwunsch! Dann haben Sie den Nutzen des freien Handels erkannt!

Das geläufigste Beispiel, warum der Handel den Starken und den Schwachen gleichermaßen nützt, geht nämlich so: Ihr Nachbar braucht 8 Stunden zum Heckeschneiden und 6 Stunden zum Rasenmähen, aber Sie bloß 2 und 3 Stunden. Also ist der andere nach 14 Stunden fertig und Sie nach 5. Aber wenn der Nachbar beide Rasen übernimmt und Sie beide Hecken? Dann sind es nur 12 und 4 Stunden! Jeder Einzelne hat, wie es Ökonomen ausdrücken, einen Wohlfahrtsgewinn.

200 Jahre ist es her, dass der Engländer David Ricardo auf diesen Effekt hinwies, mit seinem „Theorem der komparativen Kosten“. Ihm ging es nicht um Hilfe unter Nachbarn, sondern um den Handel zwischen Nationen: Bei der Fülle von Produkten, so sein Fazit, ergeben sich immer Möglichkeiten für beidseitig lukrative Geschäfte. Sofern diese nicht durch Zölle und andere Handelsbarrieren verhindert werden.

Genau das aber ist leider die Richtung, in die es derzeit läuft. Die USA und China überziehen sich mit gewaltigen Strafzoll-Aktionen. Auch zwischen Amerika und Europa ist der Handel in Gefahr – dabei wollte man ihn eigentlich durch das Abkommen TTIP stärken! Und obendrein der Brexit: Womöglich trennen uns ausgerechnet von der Heimat David Ricardos bald hohe Barrieren!

All das wäre ein Sieg der Dummheit. Das Ende des Freihandels beginnt in den Köpfen. Freiheit nützt, Unfreiheit schadet – das kann man an fünf Fingern abzählen.


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