Neuer Schub

Zuwanderung: Ab 1. Januar 2014 dürfen auch Bulgaren und Rumänen bei uns Arbeit suchen

Bahnhof Bukarest: Ein rumänischer Zug macht sich auf den Weg nach Nordwesten. Foto: images.de

Nürnberg. Die Bevölkerung altert und schrumpft, ohne Zuwanderung würde unser Sozialstaat implodieren. So weit, so klar. Dennoch blicken manche mit Sorge auf den 1. Januar 2014: Dann öffnen sich unsere Schranken für Arbeitssuchende aus Rumänien (20 Millionen Einwohner) und Bulgarien (7,3 Millionen Einwohner).

Deutschland hat ihnen die sogenannte Arbeitnehmer-Freizügigkeit so lange wie möglich verwehrt. Aber jetzt sind wir ein verlockendes Ziel. Zum einen, weil es uns hier – gemessen an der effektiven Kaufkraft pro Kopf – zweieinhalbmal so gut geht wie den Menschen in Europas Armenhaus.

Zum anderen, weil „die beiden klassischen Zielländer“ derzeit ausfallen: Früher habe es Bulgaren und Rumänen vor allem nach Italien oder Spanien gezogen, erklärt Professor Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Die Krise im Süden Europas hat das deutlich geändert.

Laut Statistischem Bundesamt wanderten 2012, die Fortzüge schon gegengerechnet, insgesamt 75.000 Rumänen und Bulgaren nach Deutschland ein. Wie viele kommen wohl künftig? „Zwischen 100.000 und 180.000 pro Jahr“, schätzt Brücker. Das hänge auch davon ab, wie schnell Italien und Spanien wieder attraktive Alternativen werden.

„Keine negative Wirkung auf die Löhne“

Der Experte betont: So manches Vorurteil über die schon im Land lebenden Bulgaren und Rumänen wird von Fakten widerlegt. Verglichen mit allen Ausländern sind sie seltener arbeitslos und beziehen seltener Transferleistungen.

Zwar brachte zuletzt jeder dritte Bulgare und Rumäne zwischen 25 und 64 keinen Berufsabschluss mit. Doch das heißt nicht, dass ab 2014 massenhaft ungebildete Leute hierher ziehen und flugs Hartz IV beantragen. Anspruch auf Stütze gibt es nur in Ausnahmefällen – die Schlagzeilen machen, aber nicht unsere Sozialkassen ruinieren.

So gab es Wirbel um bulgarische oder rumänische Selbstständige, die mangels Geschäftserfolg zum Sozialamt marschierten und „Aufstocker“ wurden. Das passiert, bestätigt Brücker. Ende 2012 habe es 1.500 Fälle gegeben.

„Die große Mehrheit von denen, die kommen werden, sind Arbeitsmigranten – möchten also ganz normal hier arbeiten“, betont er. Alteingesessene müssten sich davor nicht fürchten: „Wir sehen keine negativen Auswirkungen der Zuwanderung auf Löhne oder Beschäftigung.“


Hintergrund

Freizügigkeit in der EU

  • Ein EU-Bürger darf in jedem EU-Staat arbeiten – ohne dass dafür eine besondere Erlaubnis nötig ist.
  • Auch nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses darf man im fremden EU-Staat bleiben.
  • Diese „Arbeitnehmer-Freizügigkeit“ ist zentraler Bestandteil des europäischen Gemeinschaftsrechts.
  • Sie kann für neue Mitglieder sieben Jahre lang eingeschränkt werden. Für Kroatien öffnet sich unser Arbeitsmarkt also spätestens 2020.

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