Die Argumente der Wirtschaft

Zum Auftakt der Tarifrunde erläutern die bayerischen Metallarbeitgeber ihre Position

Flexibilität bei der Arbeitszeit für beide Seiten und moderate Lohnerhöhungen: Dies fordert die Metall- und Elektroindustrie in der Tarifkampagne. Und belegt dies mit Fakten auf einer eigenen Internetseite.

Warnung vor Realitätsferne: Megaposter am Haus der Bayerischen Wirtschaft in München. Foto: Schulz

Warnung vor Realitätsferne: Megaposter am Haus der Bayerischen Wirtschaft in München. Foto: Schulz

Pressekonferenz: vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt (Dritter von links) im Gespräch mit den Journalisten. Foto: Schulz

Pressekonferenz: vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt (Dritter von links) im Gespräch mit den Journalisten. Foto: Schulz

München. „Nicht überdrehen“: Die Mahnung, die der Arbeitgeberverband als Motto seiner Tarifkampagne ausspricht, ist eindringlich. Bei der Gegenseite ist ja offenbar die Wunschzeit angebrochen. In den Tarifverhandlungen (nächste Runde: 6. Dezember) will man es geduldig, auf Basis der Fakten, erläutern: Nicht überdrehen, sonst ist die Zukunft des Standorts und der Arbeitsplätze gefährdet! Denn die Betriebe stehen vor großen Herausforderungen.

„Die Digitalisierung wird die nächsten Jahre prägen – die Unternehmen müssen hier kostenintensiv investieren“, argumentiert Bertram Brossardt zum Kampagnenstart im Gespräch mit Journalisten. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm) verweist auch auf die Herausforderung E-Mobilität. Und den teils „dramatischen“ Fachkräftemangel, auf den eine 28-Stunden-Woche doch genau die falsche Antwort wäre.

Entgelt: Nicht überdrehen, aber „moderate Lohnerhöhung“

Die Forderung der IG Metall, im Tarifvertrag 6 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten festzuschreiben, bezeichnet Brossardt als „verantwortungslos“. Das sei generell realitätsfern – und angesichts der Produktivitätsentwicklung erst recht unvertretbar: Seit 2012 ist die Leistung je Arbeitsstunde nur um insgesamt 2 Prozent gestiegen. Der starke Beschäftigungsaufbau war eine Investition in die Zukunft, die nicht in gleichem Maße für mehr Produktion sorgt.

Weil die Tariflöhne in der gleichen Zeit um 19,5 Prozent erhöht wurden, ergibt sich unterm Strich ein Anstieg um rund 17 Prozent bei den Lohnstückkosten. Sie drücken aus, wie viel Arbeitskosten in einer Produkteinheit stecken. Diese Kennzahl ist ausschlaggebend für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Brossardt mahnt: „Wir sehen derzeit zwar noch keinen generellen Trend zur Verlagerung von Wertschöpfung. Aber wenn sich die Rahmenbedingungen für produzierende Unternehmen am Standort Bayern weiter verschlechtern, wird es dazu kommen.“

Den allgemeinen Aufschwung stellt der Arbeitgeberverband nicht in Abrede. Die konjunkturelle Lage sei gut; trotz erheblicher Risiken auf manchen Exportmärkten gebe es Spielraum für eine moderate Lohnerhöhung. Der tarifliche Durchschnittsverdienst der Beschäftigten in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie liegt im laufenden Jahr bei 58.200 Euro – und damit um ein Fünftel höher als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Arbeitszeit: Das Prinzip lautet „Flexibilität für beide Seiten“

„Unbegründet und einseitig“ nennt Brossardt die Forderung der IG Metall, wonach jeder Einzelne die Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre von 35 auf 28 Stunden verkürzen dürfen soll – ohne Begründung, mit Rückkehrrecht auf Vollzeit und oft auch noch mit Teillohnausgleich. Die Umfrage der Gewerkschaft belege doch: Die große Mehrheit ist mit der Arbeitszeit zufrieden, nur 10 Prozent unzufrieden. Das sei auch logisch: Es gebe schließlich eine Vielzahl gesetzlicher, betrieblicher und tariflicher Regelungen, um die individuellen Bedürfnisse abzubilden.

Durch die Arbeitszeit-Forderung drohe den Betrieben eine unlösbare Aufgabe: Wer springt für ein paar Monate und 3,5 Wochenstunden ein? Und wie erklärt man der jungen Mutter, die nur Teilzeit arbeitet und entsprechend weniger verdient, dass der Kollege jetzt von 35 auf 28 Stunden geht und wegen des Teillohnausgleichs netto kaum Einbußen hat? „Eine durch den Tarifvertrag begründete Zwei-Klassen-Gesellschaft ist nicht vermittelbar und wirkt betriebsintern wie ein Sprengsatz“, so Brossardt.

Die Verhandlungsführerin, Angelique Renkhoff-Mücke, hat beim Verhandlungsauftakt in Schweinfurt zur Arbeitszeit eigene Forderungen vorgelegt. Dem vbm geht es um Flexibilität für beide Seiten – und auch um Flexibilität hin zu längerer Arbeitszeit. Man will auch hier konstruktiv verhandeln. Über Regeln mit Vernunft. Ohne Dinge zu überdrehen.

So informiert der vbm

  • Nach den starken Reallohn-Steigerungen der letzten Jahre (12,4 Prozent seit 2011) stellt der Verband seine Argumentation unter das Motto: „Nicht überdrehen – jetzt Zukunft sichern.“
  • Die übersichtlich gestaltete und leicht verständliche Internetseite zur diesjährigen Tarifrunde wird flankiert von Social-Media-Kommunikation, Großplakaten und Zeitungsanzeigen.
  • Zu Weihnachten gibt es zudem einen Kinospot, der auch online verbreitet wird.

Die Website: metalltarifrunde2018.de


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