Tipp der Woche

Zugriff erlauben


Wichtige Papiere erreichbar machen: Auch fürs Schließfach kann man eine Vollmacht erteilen. Foto: Hanak/ mediacolors

Bank-Vollmachten sind im Ernstfall unentbehrlich – und kostenlos zu haben

Einen anderen ans Bank-Schließfach lassen? Ans Sparbuch? Ans Giro?

Ja – das sollte man! „Zumindest eine Kontovollmacht ist für jeden sinnvoll“, betont Alfons Kirmeyer, Leiter Privatkundenbetreuung der Stadtsparkasse München.

Ohne förmliche Erlaubnis kommt nämlich nicht mal Ihr Ehepartner an Geld, das auf Ihren persönlichen Konten liegt. Das kann üble Folgen haben, wenn Sie zum Beispiel nach einem Unfall auf der Intensivstation liegen: Nur mit entsprechender Vollmacht kommt Ihre Vertrauensperson dann an den Notgroschen auf Ihrem Tagesgeldkonto.

Kostenlose Dienstleistung

Bankvollmachten sind nicht nur nützlich, sondern in aller Regel kostenlos. „Ohne Vollmacht muss man im Todesfall einen Erbschein oder das sogenannte Eröffnungsprotokoll des Testamentes vorlegen, diese Dokumente können leicht mehrere Hundert Euro kosten“, sagt Kirmeyer.

Die Ausgestaltung der Vollmachten ist gesetzlich geregelt. Die übliche Form ist die „Vollmacht über den Tod hinaus“: Sie greift sofort, gilt aber, wie der Name schon sagt, auch nach dem Ableben des Kontoinhabers weiter. Allerdings: Der Bevollmächtigte wird nicht etwa automatisch zum Erben! Der tatsächliche Erbe kann die Vollmacht widerrufen – und alles zurückverlangen, was ein Bevollmächtigter unberechtigterweise verjubelt hat.

Grundsätzlich kann man jedem beliebigen Zeitgenossen eine Vollmacht erteilen. Doch der Experte rät zur Vorsicht: „Der Bevollmächtigte hat vollen Zugriff aufs Konto und kann gegebenenfalls sogar einen eingeräumten Kreditrahmen vollständig ausnutzen“, warnt Kirmeyer, „deshalb kommen nur absolut vertrauenswürdige Personen infrage.“

Dabei können pro Konto auch mehrere Menschen bevollmächtigt werden. Einschränkungen sind möglich: So kann man bestimmen, dass Kinder nicht alleine, sondern nur gemeinsam über das elterliche Konto verfügen dürfen.

Unkompliziertes Verfahren

Die Einrichtung einer Vollmacht ist unkompliziert: Bei Filialbanken und Sparkassen müssen sich der Kontoinhaber und sein Wunsch-Bevollmächtigter nur ausweisen – der Bankmitarbeiter erledigt den Rest. Bei Internet-Banken muss man das Formular selbst ausfüllen und einschicken, die Identitätsprüfung des Bevollmächtigten erfolgt im sogenannten Post-Ident-Verfahren.

Meistens ist für jedes einzelne Konto ein gesondertes  Formular auszufüllen. „Ich empfehle, für alle Konten denselben Bevollmächtigten zu benennen – weil es sonst schnell unübersichtlich wird“, rät Kirmeyer.

Eine Vollmacht gilt, bis sie widerrufen wird. Ist also das heutige Vertrauensverhältnis eines Tages nicht mehr gegeben, müssen Sie aktiv werden: „Die Streichung von Vollmachten ist jederzeit formlos möglich“, sagt Kirmeyer. Der betroffene Bevollmächtigte wird dann aber nicht von der Bank informiert – diese heikle Aufgabe müssen Sie schon selbst übernehmen.

Silke Becker

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang