Süß und teuer

Zuckermarkt: Wie die EU mit Quoten und Zöllen die Preise hochtreibt


Auch er hat es in sich: Im Marzipan-Osterhasen steckt viel Zucker. Foto: fotolia

München. Ostern naht. Die Tage der Schokohasen und Nougat-Eier! Eigentlich sind das erfreuliche Zeiten für die Süßwaren-Hersteller – doch es herrscht trotzdem miese Stimmung. „Das Geschäft ist gegenwärtig kein Zuckerschlecken“, sagt Dietmar Kendziur, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie.

Bei insgesamt stagnierendem Umsatz müssen sich die Firmen mit hohen Produktionskosten herumschlagen: Der Preis für Zucker, dem in dieser Branche wichtigsten Rohstoff, ist mit rund 700 Euro je Tonne auf Rekordniveau. Aber nur in Europa: Auf dem Weltmarkt gibt’s den Zucker für die Hälfte. Und das hat mit der Agrarpolitik der Europäischen Union zu tun.

13.300.000.000 Kilogramm: Die EU-Quote verknappt den Zucker

Denn die EU schottet den Markt mit hohen Einfuhrzöllen vor wichtigen Konkurrenten aus Übersee ab, allen voran Brasilien. Gleichzeitig limitiert sie den europäischen Zucker, der für die Ernährung genutzt werden darf, auf 13,3 Millionen Tonnen – sodass das Angebot künstlich verknappt ist.

„Das Ende dieser Quote ist längst überfällig“, fordert Karsten Daum, Sprecher des Infozentrums der Zuckerverwender in Bonn. Auch die Einfuhrzölle müssten gesenkt werden. Die Lebensmittel-Branche will Zucker günstiger beziehen – und verlangt deshalb Wettbewerb auf dem Zuckermarkt.

Das freilich ist politisch kniffelig. Jedes EU-Land hat bei der Zuckerproduktion sein sicheres Kontingent. Die überschüssige Produktion wird größtenteils zu Biosprit verarbeitet oder exportiert. Die 13,3 Millionen Tonnen für die Ernährung entsprechen 85 Prozent der Nachfrage – der Rest soll eigentlich komplett zollfrei eingeführt werden, und zwar aus bestimmten, besonders armen Entwicklungsländern. Doch die lieferten in der Vergangenheit nicht zuverlässig. Deshalb sind auch Importe zu hohen Zöllen nötig.

Der EU-Kommission ist dieses Quoten-Hickhack mittlerweile zu viel an Regulierung und Bürokratie. Sie plädierte dafür, es 2015 abschaffen. Die EU-Agrarminister entschieden sich Mitte März allerdings für einen späteren Termin: Oktober 2017.

Und durchaus mit guten Gründen, sagt Stefan Lehner, Geschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker. Denn natürlich gibt es auch hier eine andere Seite der Medaille. „Wenn das System tatsächlich gekippt wird und der Weltmarktpreis auf dem aktuellen Niveau bleibt, geraten viele europäische Zuckerfabriken mit ihren hohen Umwelt- und Sozialstandards in Bedrängnis. Sie können mit billigen Importen nicht konkurrieren.“

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